Jobs im Ausland Geh doch nach Dubai

Flexibel und mobil sollen sie sein. Manche Arbeitnehmer zieht es gleich ins Ausland - aus Abenteuerlust oder weil in Deutschland für sie nichts zu holen ist. So haben in Dänemark Handwerker gute Chancen, am Persischen Golf Architekten wie Stephan Lücke.


Manchmal landet ein Bewerber ganz woanders als ursprünglich geplant - so wie Stephan Lücke. Der Architekt hat sein Studium im Sommer 2004 beendet, ein Jahr gearbeitet und war dann arbeitslos. "Ich habe mich zunächst in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland beworben", erzählt er. Der Europa Service der Bundesagentur für Arbeit hat ihm geraten, an einem Training für Bewerbungen bei britischen und irischen Arbeitgebern teilzunehmen. "Das hat mich sofort überzeugt", sagt er. Für den achtwöchigen Kurs gab es 16 Plätze und 80 Bewerber - Lücke bekam einen davon.

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Im Kurs lagen die Schwerpunkte auf Business-English, Landeskunde und Bewerbungssituationen. Doch dann lief alles ganz anders als erwartet: "Noch während des Trainings habe ich einen Anruf von der Deutschen Handwerkervermittlung bekommen", erzählt der 30-Jährige, "wegen einer Einladung zu einem Vorstellungsgespräch in Berlin." Dort ging es allerdings nicht um eine Stelle in Dublin oder Liverpool - sondern um Dubai. "Der Chef des Architektenbüros war gerade selbst in Deutschland."

Das Vorstellungsgespräch verlief gut, schon kurz darauf bekam Stephan Lücke ein Jobangebot. Jetzt packt er bald die Koffer für den Abflug nach Dubai. "Das Gehalt ist nicht märchenhaft", erzählt er. "Aber ich verdiene deutlich mehr, als ich in Deutschland bekäme. Und in Dubai gibt es keine Einkommenssteuer." Lücke wird in einem internationalen Team arbeiten, als einziger Europäer. "Englisch wird bei uns die Alltagssprache sein", sagt Lücke. Sorgen vor der Arbeit in einem islamischen Land macht er sich nicht. "Ist ja der Hammer", war die Reaktion seiner Freunde, "wir kommen dich besuchen!"

Flexibilität und Mobilität, das verlangt der Arbeitsmarkt von Arbeitnehmern. Viele sind dazu bereit, für eine neue Stelle umzuziehen - zumindest innerhalb von Deutschland. Dabei sind zumindest in einigen Branchen die Chancen auf eine Stelle im Ausland deutlich besser. Handwerker zum Beispiel werden in Ländern wie Dänemark händeringend gesucht. Denn im kleinen nördlichen Nachbarland herrscht Vollbeschäftigung, die Arbeitslosigkeit ist seit langem unter fünf Prozent, in einigen Regionen noch niedriger. Und in manchen Teilen des Landes dauert es Wochen, wenn jemand eine Zimmerwand versetzen lassen will - weil die Maurer fehlen, die das übernehmen könnten.

Mehr Bereitschaft zum Arbeiten im Ausland

"Viele Arbeitgeber suchen dort Arbeitskräfte", sagt Sabine Seidler von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Bonn. Voraussetzung ist, dass die Bewerber die gesuchten Qualifikationen mitbringen und möglichst über Dänischkenntnisse verfügen. "Gefragt sind vor allem ausgebildete Zimmerer, Maurer, Maler, Kfz-Mechaniker und Schweißer", zählt Seidler auf. Arbeitsangebote gibt es oft sehr kurzfristig: "Manchmal haben Bewerber in zwei, drei Tagen einen Job." Auch für ältere Bewerber lohne der Blick ins Ausland. "Wir haben vor kurzem erst einen 49-jährigen Heizungsinstallateur und einen 56-jährigen Maler nach Dänemark vermittelt."

Wer noch kein Dänisch kann, bekommt Gelegenheit, es zu lernen: "Die dänischen Arbeitgeber bieten oft Sprachkurse an, sobald der Arbeitsvertrag abgeschlossen ist", so Seidler. Einen hohen Bedarf im Handwerk, besonders im Baugewerbe, gibt es schon seit zwei, drei Jahren. "Das gilt auch für Spanien oder für die Schweiz", erläutert Seidler. "Deutsche werden wegen ihrer Ausbildung dort sehr geschätzt."

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In vielen Ländern gibt es auch im Gesundheitsbereich offene Stellen - etwa für Hebammen und Krankenschwestern. "In Großbritannien werden auch Sozialpädagogen gesucht", so die ZAV-Sprecherin. Die Bereitschaft, ins Ausland zu gehen, nimmt nach ihrer Beobachtung eindeutig zu. "Die ZAV hat im vergangenen Jahr rund 12.000 Deutsche vermittelt, davon mehr als 10.000 in europäische Länder." Zu den wichtigsten Staaten für deutsche Arbeitnehmer gehören die Schweiz, Österreich, Niederlande, Norwegen, Großbritannien und Irland, Spanien und Dänemark.

Die ZAV ist die erste Anlaufstelle für alle, die mit dem Gedanken spielen, jenseits der Grenzen zu arbeiten. "Der ESBA, der Europa Service der Arbeitsagentur, hat bundesweit 15 Standorte", sagt Seidler. Dort werden Bewerber über Arbeitsmöglichkeiten in den verschiedenen Ländern informiert - und eventuell gezielt darauf vorbereitet. Über Arbeitsmöglichkeiten im Ausland informiert die ZAV im Internet und auch telefonisch (Montag bis Freittag von 8 bis 18 Uhr, Tel. 0180/522 20 23).

Entsprechende Sprachkurse bietet beispielsweise Berlitz an. "Wir machen seit 20 Jahren Trainingsmaßnahmen für die Bundesagentur", sagt Barbara Schneider von Berlitz Language & Recruitment Services in Eschborn, "seit 2006 auch für Bewerber, die ins Ausland wollen". Üblicherweise dauern die Kurse neun bis zwölf Wochen, mit einem Acht-Stunden-Programm jeden Tag. Dabei werden zum Beispiel Bewerbungsgespräche geübt - in der jeweiligen Landessprache. "Man lernt auch, einen Lebenslauf korrekt zu schreiben. Da gibt es bei den Anforderungen von Land zu Land durchaus Unterschiede", so Schneider.

Von Andreas Heimann, gms

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