Jobs in der Energiebranche Leben von Luft und Sonne

Hohe Preise für Gas und Öl sorgen für einen Boom der erneuerbaren Energien. Die Branche entwickelt sich zum Job-Motor und sucht nach Ingenieuren und Physikern. Auch Energieversorger buhlen um die Techniker - sie können sich das Beste aus beiden Welten ausuchen.

Von Peter Ilg


Die Photovoltaik macht aus Sand Strom. Aus dem Sand wird in einem chemischen Verfahren Silizium extrahiert, anschließend gereinigt und weiterverarbeitet, bis Siliziumblöcke entstanden sind. Die wiederum werden in flache Scheiben geschnitten und sind als sogenannte Wafer Ausgangsmaterial für Computer-Chips und die Solarbranche.

Windräder: Arbeitsbeschaffung für Ingenieure
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Windräder: Arbeitsbeschaffung für Ingenieure

"Wir kaufen Siliziumwafer ein und bearbeiten sie in verschiedenen Produktionsschritten zu Solarzellen", sagt Torsten Brammer, promovierter Physiker und bei Q-Cells für den Wirkungsgrad von Solarzellen zuständig. 150.000 solcher Zellen stellt das Unternehmen aus Thalheim in Sachsen-Anhalt jeden Tag her. Sie werden an Firmen weiterverkauft, die daraus Solarmodule herstellen. "Die werden auf den Dächern montiert und erzeugen Strom", erklärt der 35-jährige Physiker

Q-Cells wurde 1999 gegründet und im Jahr 2005 mit dem Deutschen Gründerpreis 2005 in der Kategorie Aufsteiger ausgezeichnet. In den letzten zwei Jahren verdreifachte das Unternehmen seinen Umsatz, die Mitarbeiterzahl wuchs von 200 auf jetzt über 700.

Jedes Jahr 100.000 neue Solaranlagen

Sonnenenergie ist gefragt in Deutschland. 100.000 Solaranlagen wurden allein im vergangenen Jahr auf den Dächern montiert, finanziell gefördert vom Staat. "Hier entsteht ein ganz neuer Wirtschaftszweig", sagt Carsten Körnig, Geschäftsführer der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft in Berlin.

Der Verband geht von einem enormen Bedarf an neuen Mitarbeitern in den kommenden Jahren aus. Dabei werden vor allem Ingenieure gesucht, etwa für die Forschung und Entwicklung, aber auch für die Produktion und den Maschinenbau. Regenerative Energie-Unternehmen entwickeln sich somit zum Job-Motor. Derzeit arbeiten insgesamt rund 130.000 Menschen in der Branche.

Ob nun Bio- oder Solarenergie, Erdwärme, Wasser- und Windkraft: Die Firmen der Erneuerbaren-Energie-Branche werden in den kommenden fünf Jahren in erheblichem Umfang Arbeitsplätze schaffen. Fast jedes zweite Unternehmen plant, die Anzahl seiner Mitarbeiter um 30 bis 100 Prozent zu erhöhen.

Rückenwind aus der Politik

Die neue Bundesregierung hat in den Koalitionsverhandlungen vereinbart, die erneuerbaren Energien weiter zu unterstützen. Im Gesetz über Erneuerbare Energien steht, dass ihr Anteil an der Stromerzeugung bis zum Jahr 2010 bei 12,5 Prozent liegen soll, 2020 bei 20 und 2050 bei 50 Prozent. Im Jahr 2004 erreichten die regenerativen Energien laut Bundesumweltministerium einen Anteil von 9,3 Prozent am Stromverbrauch - noch deutlich unter den Zielmarken, aber schon fast doppelt so viel wie 1998.

Allerdings will die Große Koalition die Begünstigung biogener Kraftstoffe aufheben und die Windenergienutzung einschränken. "Insbesondere die großen Stromkonzerne sind sehr kritisch gegenüber der Technologie eingestellt, durch die sie Marktanteile verlieren", klagt Ralf Bischof, Geschäftsführer des Bundesverbandes Windenergie in Berlin.

Denn derzeit dominieren noch die fossilen Brennstoffe, die mit aufwendigeren Bohrungen gewonnen werden müssen. Entsprechend gefragt sind Ingenieure mit einer geeigneten Ausbildung. "Es herrscht Vollbeschäftigung in der Branche, und für das stark anziehende Geschäft sind keine zusätzlichen Arbeitskräfte zu bekommen", so Oliver Siebel, Personalleiter der KCA Deutag Drilling in Bad Bentheim, einem weltweit operierenden Dienstleistungsunternehmen der Öl- und Erdgasbranche.

Der Arbeitsmarkt sei leergefegt, und alle wollten von den hohen Öl- und Gaspreisen profitieren, so lange es noch geht. Denn "das Ölheizzeitalter nähert sich bald seinem Ende", mahnt die Deutsche Bank Research. Deshalb prognostizieren Experten regenerativen Energien hervorragende Zukunftsaussichten.

Torsten Brammer beschäftigt sich seit über zehn Jahren intensiv mit Solarstrom. Nach dem Studium promovierte er am Institut für Photovoltaik in Jülich, mitunter hat er an der Zukunft seiner Arbeit gezweifelt. Die Industrie offenbarte wenig Interesse an seinem Forschungsgebiet. "Jetzt zeigt es sich, dass es sich gelohnt hat, einen langen Atem zu haben, um seinen Traumjob in seiner Traumbranche zu finden", so Brammer.



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