Junge Elite auf dem Sprung Generation Good-Bye

Deutschlands Manager von morgen strotzen vor Selbstsicherheit. Doch sie sitzen auf gepackten Koffern - über die Hälfte sieht hierzulande keine berufliche Zukunft. Eine neue Studie zeichnet das Bild einer leistungsbereiten, aber ernüchterten Studentengeneration.

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Absolventen (in Bremen): Gehen oder bleiben?
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Hamburg - Sie sind pragmatisch, realistisch, leistungsbereit und verantwortungsbereit - der Traum der Personalchefs. Aber sie haben auch den Taumel der New Economy beobachtet und wurden in einer wirtschaftlichen Krisenstimmung erwachsen. Und deshalb geben sich die heutigen Mittzwanziger mit ihrem Wunsch nach sicheren Jobs und Familie eher wertkonservativ.

Die Generation der künftigen Hochschulabsolventen hat die aktuellen gesellschaftlichen Probleme bereits stark verinnerlicht. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Generation 05 - Wie tickt die junge Elite?" von manager magazin in Kooperation mit der Unternehmensberatung McKinsey. Die detaillierten Ergebnisse veröffentlicht manager magazin exklusiv in seiner neuen Ausgabe, die am heutigen Freitag erscheint.

Deutsche Wirtschaft mit wenig Glanz

Die Mehrzahl der Studenten, so ein Kernergebnis der Studie, mag kaum noch an positive Zukunftsaussichten in Deutschland glauben: 56 Prozent der Hochschüler halten es derzeit für denkbar, auswandern zu müssen und sich im Ausland eine neue Existenz aufzubauen. Nur 40 Prozent glauben ihre persönliche Zukunft in Deutschland gesichert.

"Generation 05": Konservative Werte
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Vor allem Studenten ab dem achten Semester sowie aus den Fachrichtungen Ingenieurwissenschaften, Informatik und Elektronik sehen es zu 60 Prozent und mehr als realistisch an, dass die wirtschaftliche oder soziale Situation ihnen Anlass geben könne, Deutschland den Rücken zu kehren.

Dabei übt die deutsche Wirtschaft auch nur wenig Faszination auf die potenziellen Nachwuchskräfte aus: Ihr Image bewegt sich in der Grauzone von weder ausgesprochen positiv noch negativ. Zukunftschancen sehen die Hochschüler hingegen für China (83 Prozent) und Japan (71 Prozent). 65 Prozent halten die Europäische Union für zukunftsfähig, scheinen dabei aber an die neuen Mitglieder zu denken. Großbritannien, Frankreich und Deutschland liegen mit 39, 38 und 37 Prozent am Ende der Rangliste.

Internationale Unternehmen bevorzugt

Als Kriterien für die Berufswahl haben die "klassischen" Karriereziele, etwa hohes Einkommen und eine herausgehobene Position, ausgedient. Eine Mehrheit legt dagegen Wert auf interessante Arbeitsinhalte (93 Prozent) und die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit (81 Prozent), 79 Prozent wünschen sich eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sie spielt eine große Rolle in der Lebensplanung der Studenten: Nur sieben Prozent sprechen sich gegen eigene Kinder aus; ein einziges Kind haben zu wollen ist dagegen mit zwei Prozent absolute Minderheitsmeinung. 53 Prozent wollen zwei Kinder und mehr.

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Auch die Sicherheit des Arbeitsplatzes rangiert ganz weit oben: Dass 73 Prozent sie als wichtigstes Kriterium für die Berufswahl nennen, zeigt die Verunsicherung selbst der gut ausgebildeten Akademiker.

Bei der Wahl des Arbeitgebers glaubt die Mehrzahl der Studenten, dass eine sichere berufliche Zukunft heutzutage vor allem auch mit der Innovationsfähigkeit der Unternehmen und deren internationaler Orientierung verknüpft ist. Besonders wichtig ist dies für Absolventen naturwissenschaftlicher Fächer und für Ingenieure. Die Wirtschaftswissenschaftler heben als wichtigstes Kriterium die ökonomische Stärke eines Unternehmens hervor.

Abschied von Illusionen und Ideologien

Die künftigen Akademiker machen sich keine Illusionen: Zwischen den Ansprüchen an den erwarteten Beruf und den erwarteten Realisierungschancen klafft eine deutliche Lücke. Zwei von drei Befragten rechnen nicht damit, dass sich ihre Vorstellungen im Berufsleben verwirklichen lassen. So stehen 39,5 gewünschten Wochenarbeitsstunden 48 erwarteten gegenüber.

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Auch mit einer deutlich längeren Lebensarbeitszeit, häufigem Berufswechsel und Arbeitsplätzen, die nicht der eigenen Qualifikation entsprechen, hat sich die Generation abgefunden. Beim Renteneintrittsalter zentrieren sich die Erwartungen um die Eckwerte 65 Jahre (22 Prozent) und 70 Jahre (21 Prozent).

Hinsichtlich ihrer Wertorientierung hat sich die befragte Studentengeneration von den klar abgegrenzten ideologischen Gebäuden früherer Generationen weitgehend verabschiedet. Sie hat sich auf diese Weise ideologisch emanzipiert, ohne jedoch indifferent und wertneutral geworden zu sein. An der Spitze stehen liberal-individualistische Werte wie Freiheit, Freizeit und Selbstverwirklichung mit Einstufungen als positiv von jeweils über 90 Prozent.

Manager von morgen urteilen hart über die von heute

Dicht dahinter folgen traditionell konservative Werte wie Treue (87 Prozent), Verantwortung (86 Prozent) oder soziales Engagement (86 Prozent). Ökonomisch-individuelle Werte wie Leistung und Erfolg rangieren im Mittelfeld, materielle Werte wie Genuss und Konsum (45 Prozent) oder Reichtum (37 Prozent) auf den hinteren Rängen.

Dennoch mangelt es den akademischen Nachwuchskräften nicht an Selbstbewusstsein: Immerhin 67 Prozent glauben - zumindest "überwiegend" - daran, dass die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen gelöst werden können. Das Selbstbewusstsein sinkt jedoch mit zunehmendem Alter der Studenten. Mit den heutigen Managern in Deutschland gehen sie hart ins Gericht: Egoistisch, überbezahlt, unqualifiziert, moralisch wenig ínteger und mit veralteten Führungsstilen, so die schlechten Zensuren.

Befragt wurden insgesamt 1072 Studenten und Studentinnen an 27 ausgewählten Hochschulen und Fachhochschulen. Sie befinden sich im Hauptstudium der Fachrichtungen Betriebswirtschafts- und Volkswirtschaftslehre, Jura, Naturwissenschaften, Mathematik, Medizin, Ingenieurwissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften.



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