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Junge Mediziner Klare Tendenz zum Workaholic

Heiler, Helfer, unermüdlich um das Wohl der Patienten besorgt: Mit solchen Idealen starten fast alle Medizin-Absolventen ins Berufsleben. Im Klinik-Alltag bleibt davon nicht viel übrig, wie eine neue Studie der Universität Erlangen-Nürnberg zeigt.

Altruistische Vorstellungen stehen bei jungen Medizinern und Medizinerinnen zunächst hoch im Kurs. Deutlich stärker als Absolventen anderer Fachrichtungen verstehen sie ihren Beruf als Berufung und sehen den idealen Arzt als "fürsorglich und beziehungsorientiert". Sie wollen andere Menschen unterstützen, betreuen, die Zusammenarbeit mit Kollegen suchen. Und Leistung gilt ihnen als Lebensziel besonders viel.

Grau ist alle Theorie. Wie dagegen die Berufspraxis abschneidet, hat die Universität Erlangen-Nürnberg untersucht und fünf Jahre lang dem beruflichen und privaten Lebensweg ihrer Absolventen nachgespürt. Im Vergleich zu anderen Disziplinen ergab sich bei Medizinern ein niederschmetternder Befund: Sie empfanden die Ausbildung in einem akademischen Lehrkrankenhaus als "außergewöhnlich belastend" und waren mit ihrer Arbeit fast durchweg unzufrieden.

Schon in der Zeit als "Arzt im Praktikum" werden die ursprünglichen Ideale zurechtgestutzt. Die jungen Ärzte fühlen sich finanziell benachteiligt, berichten über geringe Handlungsspielräume und hierarchische Strukturen, erleben am Arbeitsplatz häufig negative Beziehungen. Einziger Pluspunkt: Ihre Zukunft schätzen die Nachwuchsdoktoren optimistisch ein. Ihre Qualifizierungsmöglichkeiten beurteilen sie als ebenso gut wie andere Absolventen, die Aufstiegschancen sogar deutlich besser.

Vor allem Ärztinnen sinkt der Mut

In derzeit als Assistenzarzt wächst die Belastung abermals. Die jungen Mediziner zeigen der Untersuchung zufolge eine deutliche Tendenz zum Workaholic, zeigen sich dem Dauerstress aber meist gewachsen - sie identifizieren sich stärker mit dem Beruf und sind mit ihrem Leben genauso zufrieden wie andere akademische Berufsgruppen.

Für Frauen gilt das allerdings nur bedingt. Sie verlieren in den ersten Berufsjahren an Selbstvertrauen und leiden oft an einer Doppelrolle als Mutter und Ärztin. Knapp ein Fünftel verzichtet, zunächst vorübergehend, auf den Arbeitsplatz, um sich ganz den Kindern zu widmen. Doch das Risiko ist hoch, dass ihnen der Rückweg in den Beruf versperrt bleibt.

Die Studie aus Erlangen-Nürnberg bestätigt die Klagen über den Krankenhaus-Stress für junge Ärzte. In den letzten Wochen hatte sich der Streit über die Arbeitsbelastung in den Kliniken verschärft. Beim Deutschen Ärztetag im Mai legte Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer, junge Mediziner sogar nahe, notfalls gegen ihre Vorgesetzten zu klagen.

Hoppe hält die Situation in den Kliniken für nicht mehr verantwortbar, denn mit Bereitschaftsdiensten müssten die jungen Kollegen mitunter 32 Stunden am Stück arbeiten. Der Druck werde in der Klinik von oben nach unten weitergegeben, sagte Hoppe - und ganz unten in der Ärzte-Hierarchie rangieren die AiP-ler.

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