Karriere an der Uni Flüchten die klügsten Köpfe?

Bayerns Wissenschaftspolitik knirscht zwischen zwei Mühlsteinen: Die Bundesregierung setzt auf Juniorprofessuren, doch der Freistaat ist so frei, an der Habilitation festzuhalten. Junge Wissenschaftler sind verwirrt.


Junger Forscher: Should I stay or should I go?
DPA

Junger Forscher: Should I stay or should I go?

Mit dem neuen Hochschulrahmengesetz gibt der Bund Juniorprofessuren den Vorzug vor der Habilitation. Gegen die Abschaffung dieser traditionell letzten Karrierestufe vor der Berufung als Professor an eine deutsche Hochschule hat Bayern gemeinsam mit anderen Bundesländern vor dem Bundesverfassungsgericht Klage eingereicht. Auf der anderen Seite steht der wissenschaftliche Nachwuchs, der nun Angst hat, dass den bayerischen Universitäten die Besten davonlaufen.

Fünf hochqualifizierte Nachwuchsforscher haben die Universität Bamberg verlassen, um andernorts eine Juniorprofessur anzutreten. Diese Zahl gab jetzt der Rektor der Hochschule bekannt. Dass der Nachwuchs offenbar flüchtet, liegt an Bayerns Haltung zur Juniorprofessur: Da der Freistaat gegen das Hochschulrahmengesetz geklagt hat, werden an den bayerischen Hochschulen Juniorprofessuren nur sehr zurückhaltend eingerichtet.

Angst vor Benachteiligung

Hartmut Beister, Sprecher des Akademischen Mittelbaus in Bayern, betrachtet die bayerische Wissenschaftspolitik mit Sorge: "In einer gewissen Weise hat sich die bayerische Staatsregierung selber blockiert. Auf der einen Seite hat sie nichts gegen die Juniorprofessur - sie befürwortet die auch -, aber auf der anderen Seite klagt sie gegen das Gesetz. Und deswegen scheut sie sich, das Gesetz jetzt schon in Landesgesetz umzuwandeln."

Deshalb verlangt die Mittelbau-Organisation von Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU), dass kurzfristig Stellen geschaffen werden, die mit der Juniorprofessur konkurrieren können. Der ideologische Streit, so Hartmut Beister, dürfe "nicht auf dem Rücken der wissenschaftlichen Mitarbeiter Bayerns ausgetragen werden".

Campus & Karriere / Deutschlandfunk


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