Karriere an der Uni Frau Professor auf dem Rückzug

Obwohl bei den Studienanfängern Männer und Frauen fast gleich stark vertreten sind, sinkt der Anteil der Frauen unter den angehenden Professoren. Nur 17 Prozent aller abgeschlossenen Habilitationen stammten im vergangenen Jahr von Frauen.


Allein unter Männern: Frauenmangel an den Hochschulen
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Allein unter Männern: Frauenmangel an den Hochschulen

Im Vorjahr lag der Frauenanteil um rund ein Prozent geringfügig höher, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit. Insgesamt blieb die Zahl der neu habilitierten Wissenschaftler mit 2143 im Vergleich zum Jahr 2000 nahezu unverändert. Die Habilitation ist der letzte Schritt auf dem langen Karriereweg an Universitäten; mit der bestandenen Lehrbefähigung können sich Nachwuchswissenschaftler für eine Professorenstelle bewerben.

Die meisten Habilitationen kamen aus der Humanmedizin. Bei den Frauen waren die Sprach- und Kulturwissenschaften mit 28 Prozent als Fächergruppe am stärksten vertreten. Zwei Drittel der Habilitierten hatten zum Zeitpunkt ihrer Habilitation ein Beschäftigungsverhältnis mit einer Hochschule, darunter 230 Frauen.

Insgesamt verstreichen zwischen Studienbeginn und Habilitation in Deutschland fast zwei Jahrzehnte. Das Durchschnittsalter der neu Habilitierten hatte sich im Jahr 2001 kaum verändert und lag weiterhin bei etwa 40 Jahren. Frauen sind bei Abschluss ihrer Habilitation durchschnittlich ein halbes Jahr älter als die Männer, obwohl sie meist früher ins Studium starten als männliche Erstsemester.

Annette Schavan: Kommando zurück
DDP

Annette Schavan: Kommando zurück

Unterdessen hat die CDU-Bildungspolitikerin Annette Schavan für den Fall eines Wahlsiegs der Unionsparteien die sofortige Wiedereinführung der Habilitation an den Universitäten angekündigt. Schavan ist baden-württembergische Kulturministerin und Mitglied im Wahlkampfteam von Kanzlerkandidat Edmund Stoiber. Baden-Württembergs Grüne nannten Schavans Forderung indes "eine Rolle rückwärts zum Schaden Deutschlands". Damit isoliere sich Deutschland weltweit und schneide sich auch von der wissenschaftlichen Entwicklung ab, kritisierte die grüne Bildungsexpertin Theresia Bauer.

Das neue Hochschulrahmengesetz sieht Juniorprofessuren anstelle der bislang üblichen Habilitation vor. Damit will die rot-grüne Bundesregierung die wissenschaftliche Qualifizierung beschleunigen und das Durchschnittsalter bei der Erstberufung auf eine Professur senken. Die Neuregelung sorgte allerdings monatelang für heftige Turbulenzen an den Hochschulen.






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