Karriere an der Uni Jung, weiblich, Akademikerin, Mutter

Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen, fällt vielen Wissenschaftlerinnen nicht leicht. Wie das gelingen kann, hat Hildegard Macha untersucht. Vor allem die Altersgrenzen an der Universität seien problematisch, sagt die Augsburger Pädagogik-Professorin im Interview.


Frau Macha, Sie haben festgestellt, dass es in Deutschland die weitverbreitete Annahme gibt, Mutterschaft sei ein Ausschlusskriterium für eine wissenschaftliche Karriere. Was sagen Sie nach Ihrer Studie: Sind Wissenschaftskarrieren und Mutterschaft überhaupt zu verbinden?

Frauen müssen sich an der Uni durchbeißen
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Frauen müssen sich an der Uni durchbeißen

Hildegard Macha:

Ja, sie sind zu verbinden, wie ja unsere Probandinnen beweisen. Aber es ist außerordentlich schwierig, und man muss gegen das Vorurteil, das Sie zitiert haben, auch ständig ankämpfen. Denn es ist eine altüberkommene Vorstellung, dass Mütter mit ihren Kindern nach Hause gehören und dass es in der Wissenschaft absolut unmöglich sei, seinen Beruf zu unterbrechen, um sich drei oder noch mehr Jahre dem Kind zu widmen. Sie müssen die Karriere zügig vorantreiben, weil es ja überall Altersgrenzen gibt. Um in eine Karriere einzumünden, müssen sie schon mit 36 an der Universität eine feste Stelle erhalten. Sonst ist die Karriere nur noch sehr schwierig und auf Umwegen möglich.

Gibt es noch mehr Gründe, warum es gerade Wissenschaftlerinnen schwer fällt, mit kleinen Kindern ihren Beruf fortzusetzen?

Macha: Ja, sie haben ja immer Phasen, in denen sie sehr stressbelastet sind. Das sind die Qualifikationsphasen Promotion und Habilitation. Sie müssen auf Tagungen reisen, und da können sie schwerlich ein Kind mitnehmen, weil es dort auch nirgendwo Kinderbetreuung gibt. Dann müssen sie ihre Veröffentlichungen vorantreiben und haben dann immer Phasen, wo sie sehr intensiv und lange, auch nachts mal arbeiten müssen, und das ist sehr schwierig zu vereinbaren. Gleichwohl haben unsere Probandinnen das zum großen Teil sehr gut geschafft, aber eben mit Unterstützung von Ehemännern oder Kinderfrauen. Und das ist ein Punkt, der in unserer Gesellschaft sehr schlecht funktioniert: dass wir den Frauen, den Wissenschaftlerinnen oder ihren Partnern auferlegen, selbständig für Kinderbetreuung zu sorgen. Da sind alle unsere europäischen Nachbarn wesentlich besser strukturiert. In Frankreich und Skandinavien gibt es sehr viel mehr Kinderbetreuungsangebote in verschiedenen Formen, die dann die Wissenschaftlerinnen auch flexibel nutzen können.

Manche Frauen schaffen es also, Kinder und ihre Karriere zu verbinden. Können Sie auch sagen, wie deren Familienstruktur aussieht?

Macha: Ja, die haben durchaus auch mehrere Kinder. Insbesondere die Frauen in den ehemaligen DDR-Ländern haben Karriere und Wissenschaft sehr gut verbinden können. Nun war eben in der DDR die Kinderbetreuung sehr viel besser ausgebaut als heute, und das nimmt auch jetzt wieder ab. Insgesamt haben die Frauen sehr schwierige Bedingungen in ihren Karrierephasen und es zum Teil auch schwierig gefunden, das mit ihren Ehemännern zusammen zu planen. Sie haben auch immer das Problem mit der Konkurrenz. Es gibt Ehemänner, die die Konkurrenz aufbauen und sich dann von den Frauen trennen. Dann sagen die Frauen sogar im Nachhinein: Es ist jetzt leichter, die Kinder allein zu erziehen als mit einem Ehemann, der ständig konkurriert.

Aber Sie haben auch herausgefunden, dass die Wissenschaftlerinnen mit Kindern in der Regel in gleichberechtigten Partnerschaften leben?

Macha: Ja, genau das ist eben der Effekt. Wenn die Partnerschaften gleichberechtigt sind, wenn wenig Konkurrenz da ist, dann klappt es wesentlich besser mit der gegenseitigen Unterstützung. Die Wissenschaft bietet ja sehr flexible Arbeitsplätze. Insofern ist es auch ein Vorteil. Mein Mann zum Beispiel ist Professor wie ich, und wir konnten uns immer die Kinder aufteilen. Wir sind ja nicht beide in denselben Qualifikationsphasen gewesen. Der Arbeitsplatz ist sehr flexibel und kann eigentlich gut genutzt werden, um Kinder gleichzeitig groß zu ziehen, wenn man nur Unterstützung bei der Kinderbetreuung erhält.

Lesen Sie im zweiten Teil:



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