Karriere Bescheidenheit beschleunigt den Aufstieg

Frech kommt weiter, und nur nassforsches Auftreten lässt den Karriereturbo zünden? Mitnichten, sagen Bonner Forscher. Sie empfehlen Berufseinsteigern eine altmodische Tugend: Bescheidenheit kann helfen - jedenfalls beim Zusammenwirken mit einem Mentor im Unternehmen.


"Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr." Dieses Sprichwort, das oft Wilhelm Busch zugeschrieben wird, greifen Forscher der Universität Bonn auf, um es sogleich zu widerlegen. Ihre Erkenntnis könnte zum Beispiel lauten: Hochmut kommt vor dem Fall.

Berufsstart: Bescheidenheit schlägt Arroganz und Lautstärke
Corbis

Berufsstart: Bescheidenheit schlägt Arroganz und Lautstärke

Einer Bonner Studie zufolge kommt man mit Bescheidenheit im Beruf weiter als ohne. Wer zurückhaltend und offen auftritt, findet einen guten Mentor leichter als ausgesprochene Selbstdarsteller, steigt schneller im Unternehmen auf, erzielt ein höheres Einkommen.

Das folgert der Bonner Psychologieprofessor Gerhard Blickle aus einer Untersuchung, die er zusammen mit seinem Mitarbeitern Paula B. Schneider und Alexander Witzki startete. Das Forschertrio begleitete junge Akademiker in ihren ersten fünf Berufsjahren. 340 Absolventen von Universitäten und Fachhochschulen wurden für die Mentoring-Studie befragt.

Zentrales Ergebnis: Eine gute Beziehung zu einem Mentor im Unternehmen ist für Neulinge ein wichtiger Karrierefaktor. Und je bescheidener ein Berufseinsteiger auftritt, desto stärker fällt die Unterstützung durch den Mentor aus - erkennbar gute Leistungen vorausgesetzt.

"Wir wollten herausfinden, wie Berufsanfänger auftreten sollten, um das Wohlwollen höherer Führungskräfte zu finden", erklärte der Psychologe Blickle. Und wer als Anfänger allzu selbstgefällig auf die Pauke haut, findet der Studie zufolge schwerer einen Mentor. Solche Mentoren aktiv zu suchen, sei aber wichtig, um im Berufsleben schneller voranzukommen. Das gelte auch für Arbeitnehmer mit sozialer Herkunft aus der Mittelschicht oder Neulinge mit durchschnittlicher Intelligenz, so die Forscher.

Über Fehler und Ängste sprechen, aber vorsichtig

Als Erfolgskriterien wählten sie das Einkommen und die nach fünf Jahren erreichte hierarchische Position im Unternehmen. Bescheidene "Young Professionals" schnitten dabei deutlich besser ab; Vorteile gab es auch für gute Netzwerker, die schnell Kontakte knüpfen und sie geschickt nutzen.

Zwischen Mentor und Protegé sollte es Vertrauen und wechselseitige Sympathie geben. Berufsstarter punkten durchaus auch mit der Bereitschaft, über eigene Fehler und Ängste zu reden - solange sie dabei nicht übers Ziel hinausschießen. "Die Offenheit eines Berufseinsteigers gegenüber einem potentiellen Mentor muss situationsgerecht sein", ohne soziale Kompetenz könne das leicht aus dem Ruder laufen, so Blickle.

Neben dem objektiven Karriereerfolg, also Position und Einkommen, untersuchten die Bonner Wissenschaftler auch die subjektive Sicht. Wer durch einen Mentor unterstützt wurde, zeigte sich mit dem beruflich bisher Erreichten zufriedener als "Einzelkämpfer".

jol

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