Karriere-Irrtümer Fettnäpfchen beim Berufsstart

Ist ein Praktikum wirklich die moderne Form der Sklaverei, sind Geisteswissenschaftler bei Firmen chancenlos? Auf SPIEGEL ONLINE knöpft Martin Wehrle, Autor des "Lexikons der Karriere-Irrtümer", sich gängige Fehlschlüsse vor - und erklärt die heimlichen Spielregeln im Job.


Irrtum 1: Das Praktikum ist eine Karrierefalle

Nach Abschaffung der Sklaverei und der Kinderarbeit ließen sich finstere Unternehmensfürsten ein neues Folterinstrument einfallen: das Praktikum. Junge Akademiker wurden hinter die Firmentore gelockt wie Hänsel und Gretel ins Hexenhaus. Nur, dass sie nicht die Chefs verheizten - sondern sie selbst als Praktikanten verheizt wurden. Ohne Gehalt und ohne Perspektive.

Diese Geschichte ist gruselig. Der einzige Fehler: Sie stimmt nicht! Das Praktikum ist in der Regel keine Karrierefalle - sondern eine Karrierechance. Wer seinen Fuß erst mal in der Tür hat, ist bei guter Arbeitsleistung der erste Kandidat für eine Festanstellung.

Aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) geht hervor: 300.000 Deutsche haben 2004 und 2005 ein Praktikum als Sprungbrett in die Festanstellung genutzt. Nicht nur Jünglinge: 45 Prozent der übernommenen Praktikanten waren zwischen 30 und 40 Jahre alt, 35 Prozent zuvor arbeitslos.

Der scheinbare Nachteil des Praktikums, die Unverbindlichkeit, ist zugleich ein Vorteil: Als Praktikant haben Sie die Chance, ein Unternehmen von innen kennenzulernen. Passen die Firmenkultur, die Chefs und die Aufgaben zu Ihnen?

Wenn nicht, können Sie Ihre Zelte ohne Flurschaden für den Lebenslauf wieder abbrechen. Wenn doch, sollten Sie weder auf Godot noch auf das freiwillige Angebot einer Festanstellung warten - sondern diesen Vorschlag selbst auf den Weg bringen, mit Nachdruck und mit Zieldatum.



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