In Kooperation mit

Job & Karriere

Karriere mit Harvard-MBA Studieren an der besten Managerschmiede der Welt

Wer an der noblen Harvard Business School einen MBA machen will, muss eine strenge Auslese überstehen, viele Fallstudien analysieren und sich sozial engagieren. Der Lohn: Ein Aufstieg in die Top-Etagen der Wirtschaft ist praktisch garantiert.
Von Lothar Kuhn

Als die ersten 24 Studenten am 1. Oktober 1908 ihr MBA-Studium an der Harvard Business School (HBS) begannen, wussten sie nicht wirklich, was sie erwartete. Es gab 15 Professoren, einen Lehrplan nur für das erste Studienjahr, keine eigenen Räume - und die Fakultät litt unter chronischen Finanzsorgen.

Was würden sie in den kommenden zwei Jahren lernen? Würde ihnen der damals noch völlig unbekannte Titel eines Masters of Business Administration (MBA) später bei der Suche nach einem attraktiven Job etwas nützen?

Wenn dagegen Anfang September dieses Jahres rund 900 Studenten ihr MBA-Studium an der HBS aufnehmen, erwartet sie ein perfekt eingespieltes System. Das Curriculum steht fest, und mit der starken Marke Harvard im Rücken werden sie in zwei Jahren kein Problem haben, einen lukrativen Job zu finden. Das gilt natürlich auch für die Absolventen anderer Top-MBA-Studiengänge etwa in Stanford oder an der Wharton School.

Die HBS aber hat es geschafft, sich eine Alleinstellung gegenüber allen anderen Business Schools (kurz B-Schools) zu verschaffen: was den Praxisbezug des Studiums angeht, das Ansehen der Professoren und die starke Ausrichtung auf das Karriereziel Topmanager. Nicht ohne Grund schrieb die "Economist Intelligence Unit", ein Ableger des britischen Wirtschaftsmagazins "Economist", in ihrem aktuellen Ranking der MBA-Schmieden: "Die HBS bleibt der Goldstandard der Business Schools".

Bevor ein Student auf dem 16 Hektar großen parkähnlichen Campus der HBS direkt am Charles River in Boston lernen und leben darf, steht ihm ein hartes und langwieriges Auswahlverfahren bevor. "Ich habe anderthalb Jahre vor Studienbeginn mit den Vorbereitungen begonnen", erinnert sich Paul Morgenthaler, der im vergangenen Jahr seinen MBA in Harvard gemacht hat und inzwischen für die Unternehmensberatung Boston Consulting Group im Mittleren Osten arbeitet.

Die Auswahl: Zuerst kommt die Papierform

Zuerst geht es darum, die Papierform zu erfüllen: Zeugnisse über einen akademischen Abschluss, sehr gute Englischkenntnisse, die der Bewerber durch hohe Punktzahlen in Sprachtests wie dem Toefl (Test of English as a Foreign Language) oder dem IELTS (International English Language Testing System) nachweisen muss, sowie ausgezeichnete Ergebnisse im Graduate Management Admission Test (GMAT). Dieser Multiple-Choice-Test prüft analytische, sprachliche und logische Fähigkeiten. Die HBS-Studenten erreichen im Schnitt etwas mehr als 700 der 800 möglichen Punkte.

Zudem muss der Bewerber Berufserfahrung nachweisen und einen ausführlichen Lebenslauf beilegen, in dem er erste Führungserfahrungen hervorheben sollte. Schließlich sind noch drei Empfehlungsschreiben von ehemaligen Professoren oder Vorgesetzten erforderlich.

"Dann musste ich noch sieben Aufsätze verfassen", erzählt Morgenthaler. In einem sollte er zum Beispiel die Frage beantworten, wie er Erfolg definiert. Über die Aufsätze versucht die HBS herauszufinden, welche Führungsqualitäten ein Bewerber bereits mitbringt. Die Aufsätze hätten viel Vorbereitung erfordert, so Morgenthaler, "wenn sie gut strukturiert und geschrieben sind, kann man sich mit ihnen aber auch klar von der Masse der Bewerber abheben".

Hat der Interessent diese Hürden genommen, lädt die HBS ihn meist zu einem Gespräch ein. Außerhalb der USA interviewt häufig ein Alumnus den Bewerber und gibt eine Empfehlung ab. Die Fakultät profitiert hier von dem großen Engagement ihrer Ehemaligen.

Wenn der Bewerber dann endlich glücklich die Zusage in Händen hält, sollte er sich um finanzielle Unterstützung kümmern. Immerhin rechnet die HBS mit Kosten von insgesamt 73.300 Dollar pro akademisches Jahr, das neun Monate Vorlesungszeit umfasst. Dieser Betrag schließt Studiengebühren von 41.900 Dollar und Ausgaben für Versicherungen, Lebensunterhalt und Unterkunft ein.

Die hohen Beträge sollten niemanden schrecken: Viele Studenten erhalten Stipendien. "Mich haben der Deutsche Akademische Austauschdienst und das Fulbright-Programm unterstützt", berichtet die Bain-Beraterin Isa Müller-Wegner (MBA-Jahrgang 2005). Darüber hinaus unterstützt die HBS selbst mehr als die Hälfte der Studenten; auch die deutsche Vereinigung der Ehemaligen, die HBS Alumni Association of Germany, gewährt Stipendien.

Das Studium: Start mit Unternehmenssimulation

1908 schien die Begrüßung der neuen Studenten eine eher schlichte Veranstaltung gewesen zu sein. Jedenfalls vermeldeten die Chronisten nichts Berichtenswertes - außer dass Dekan Edwin Gay an einer schmerzhaften Blinddarmentzündung litt.

Heute beginnt das Studium erst einmal mit einer zweiwöchigen Orientierungsphase, bei der die Studenten den Campus näher kennenlernen und auf die Lehrveranstaltungen vorbereitet werden.

In dieser Zeit findet auch eine zweitägige Unternehmenssimulation statt. Teams aus über einem Dutzend Studenten sollen den fiktiven Grußkartenhersteller "Crimson Greetings" sanieren ("crimson" bedeutet "dunkelrot" und ist die offizielle Farbe Harvards seit 1875). Jeder Student übernimmt die Rolle eines Mitarbeiters der Abteilungen wie Produktion, Vertrieb, Marketing, Einkauf oder Produktentwicklung. Dazu gehört auch, mit Zulieferern zu verhandeln und selbst neue Karten zu basteln.

Die meisten Teams schaffen den Turnaround und bringen Crimson Greetings zurück in die Gewinnzone. Die Simulation ist auch eine gute Gelegenheit, Kommilitonen kennenzulernen. "Ich bin anschließend mit meinen Teammitgliedern zu den vielen Partys während der Einführungswochen gegangen", erinnert sich Arash Farin (MBA-Jahrgang 2003). Um das Sozialleben der frischgebackenen Studenten kümmern sich die älteren Kommilitonen, sie organisieren Feten, arrangieren Bootstouren auf dem Charles River und leiten Exkursionen ins Bostoner Nachtleben.

So entsteht schnell ein Gefühl der Zusammengehörigkeit unter den Kommilitonen. Es zu fördern ist bei den US-Studenten nicht ganz so wichtig, denn zahlreiche kennen sich bereits. "Wir waren erstaunt, wie viele von uns einen College-Abschluss von Harvard und der Uni von Pennsylvania hatten oder bei Goldman Sachs und McKinsey gearbeitet hatten", so Farin. Dagegen müssen die ausländischen Kommilitonen erst einmal neue Freunde finden. Immerhin stellen sie heute rund ein Drittel der Studenten.

Nah an der Praxis: Jeden Tag drei Fälle

Nach den Begrüßungswochen kehrt schnell der Alltag ein. Und der bedeutet: Fallstudien, Fallstudien, Fallstudien. Zur Besonderheit des Harvard-MBA zählt, dass die Professoren fast alle Lehrinhalte mithilfe der Fallstudienmethode vermitteln, die die HBS selbst erfunden hat. Klassische Vorlesungen und Seminare, wie in Deutschland üblich, gibt es fast gar nicht.

Eine Fallstudie ist in der Regel eine 15 bis 30 Seiten lange Beschreibung eines Problems, mit dem Manager eines Unternehmens konfrontiert sind: Zum Beispiel wie Microsoft in Indien und China expandierte oder wie Starbucks die Kundenorientierung optimierte.

Die Studenten erhalten pro Tag drei Fälle. Diese müssen sie zunächst allein durcharbeiten, ihre Lösungen besprechen sie dann am nächsten Morgen ab 7.30 Uhr mit ihrem "Learning Team", das aus sechs bis sieben Personen besteht. Anschließend geht jeder Student in seine "Section" (deutsch: Sektion, Gruppe), um den Fall mit seinem Professor zu diskutieren.

Die Section besteht wiederum aus 90 Studenten, die das ganze erste Jahr gemeinsam an allen Lehrveranstaltungen teilnehmen. Selbst die Sitzordnung in den Hörsälen ist während eines Semesters festgelegt. Deren Architektur soll die Diskussionen erleichtern: Die fünf Reihen mit Plätzen für die Zuhörer sind halbkreisförmig um das Pult des Professors in der Mitte angeordnet; sie steigen relativ steil an, sodass alle einander gut sehen und hören können.

Zu Beginn der Diskussion bittet der Professor einen Studenten, den Fall in 10 bis 15 Minuten vorzustellen. Dieser "cold call" (deutsch: unvorbereiteter Aufruf) ist unter den Studenten gefürchtet, zwingt aber jeden, den Fall parat zu haben. Anschließend erörtern die Studenten, wie sie als Manager des betreffenden Unternehmens vorgegangen wären.

Mit seinen Fragen steuert der Professor den Verlauf der Diskussion und lenkt sie auf die kritischen Punkte. Er kennt die Namen aller Anwesenden und hat ihre Lebensläufe im Kopf. "Wenn ein Fall in einer bestimmten Branche spielte, dann wussten die Professoren, welche Kommilitonen dort gearbeitet hatten, und baten sie, etwas zu sagen", erinnert sich Stefan Eishold (MBA-Jahrgang 1994), heute Vorstand der Beteiligungs- und Beratungsgesellschaft Arcus Capital. Im Intranet der HBS gibt es sogar eine Homepage, auf der sich die Professoren die Namen der Studenten anhören können, damit sie diese korrekt aussprechen. Bei ausländischen Namen eine nützliche Hilfe - die auch zeigt, wie intensiv sich die Fakultätsmitglieder um die Studenten bemühen.

"Die Studenten wollen auch unterhalten werden"

Während der Fallstudiendiskussionen geht es nicht allein um Argumente. Manche Fälle sind gespickt mit Zahlen, und die Professoren erwarten von ihren Studenten, Investitionskosten oder Profite zu berechnen, um ihre Argumentation so zu untermauern. Die Studenten beteiligen sich meist rege, schließlich fließen ihre Beiträge zu 40 bis 50 Prozent in ihre Note ein, der Rest hängt von den Ergebnissen der ein bis zwei Klausuren pro Kurs ab.

"Die Perspektive, die die Studenten bei der Bearbeitung der Fälle einnehmen sollen, ist meist die des General Managers", erklärt Stefan Thomke, derzeit einziger deutscher Professor mit einer Anstellung auf Lebenszeit an der HBS. Die Studierenden sollen wie ein Geschäftsleiter das Ganze im Blick haben und einen Fall nicht nur aus der isolierten Marketing-, Finanz- oder Produktionssicht betrachten. Diese Betonung des General Managements ist ein weiteres Markenzeichen Harvards und soll die Studenten auf eine Position im Topmanagement vorbereiten.

Dieses Vorbereiten auf Führungspositionen weckt auch eine gewisse Erwartungshaltung - auch gegenüber der Vortragsqualität der Professoren. "Die Studenten wollen auch unterhalten werden", hat der Göttinger Unternehmenshistoriker Hartmut Berghoff beobachtet, der 2006 an der HBS Gastprofessor war. "Die Professoren müssen fast schon die Fähigkeiten von Entertainern haben und auch regelmäßig Scherze machen."

Die Fakultät investiert viel Zeit und Geld in die Schulung der Professoren, um ihre Vortrags- und Lehrtechnik zu verbessern. Während des Semesters bilden immer acht bis zehn von ihnen ein "Teaching Team", das alle Sections in einem Fach unterrichtet. "Die Lehrenden bereiten sich auf die Fallstudien genauso intensiv vor wie die Lernenden", erklärt Thomke. Sie diskutierten sehr intensiv, worauf es in dem jeweiligen Fall ankommt und wie sie die wichtigsten Lehrinhalte vermitteln.

Gespräche mit Topmanagern - und ein Preis zur Verspottung von Heißluftproduzenten

"Nach einiger Zeit hat man raus, wie man sich am besten auf die Diskussionen vorbereitet", so Eishold. Er habe meist eine Stunde Vorbereitung pro Fall benötigt. Natürlich entwickeln die Studenten auch Taktiken, um im Hörsaal gut zu wirken und zu entscheiden, wann sie sich am besten in die Diskussion einschalten - Fähigkeiten, die sicherlich später bei zahllosen Sitzungen in den Unternehmen hilfreich sein werden. Doch Dünnbrettbohrer werden schnell entlarvt. "Bei uns in der Section haben wir freitags regelmäßig einen Preis für den "Air Polluter" (deutsch: Luftverschmutzer) vergeben, der in der Woche die meiste heiße Luft produziert hatte", erzählt Bain-Beraterin Müller-Wegner.

Um den Studenten zu vermitteln, wie die Führungskräfte aus den Unternehmen die vorgestellten Fälle gelöst haben, laden die Professoren regelmäßig Topmanager zum Gespräch ein. Die Studenten können dann mit ihnen über die Lösungen diskutieren. "Das sorgt für eine enorme Praxisnähe", so Müller-Wegner. Es sei für sie faszinierend gewesen, wie viele Praktiker ihr auf dem Campus begegnet seien: Jeff Immelt etwa, CEO von General Electric, oder Oprah Winfrey, Talkmasterin und erfolgreiche Geschäftsfrau.

Nachdem die Studenten im ersten Jahr die Grundlagen des Managements in Kursen wie Finanzierung, Leadership und Marketing gelernt haben, können sie im zweiten eigene Schwerpunkte setzen und die erlernten Konzepte weiter vertiefen. Eine formale Abschlussarbeit, wie in Deutschland üblich, gibt es nicht, allerdings Abschlussklausuren. Wer will, kann sogar an Lehrveranstaltungen anderer Harvard-Fakultäten und anderer B-Schools wie dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) teilnehmen, dessen Campus nur wenige Kilometer von der HBS entfernt ist.

Das Engagement

Es gehört zum guten Ton an der HBS, dass sich die Studenten auch neben ihrem Studium engagieren. Gelegenheit dazu bieten beispielsweise die mehr als 70 Clubs auf dem Campus, die sich mit speziellen Branchen beschäftigen oder bestimmte Interessen der Studenten repräsentieren, wie der Club der Kunstliebhaber, der Club europäischer Studenten, aber auch der Club der Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender. Die Clubs organisieren Konferenzen zu aktuellen Themen, zu denen in der Regel hochkarätige Redner kommen, oder Exkursionen in aufstrebende Märkte wie Indien oder China. Die Studenten sollen so lernen, Verantwortung zu übernehmen und Führungsfähigkeiten zu entwickeln.

Bei all dem Engagement kommt aber auch der Spaß nicht zu kurz. So gibt es erstklassige Sportanlagen auf dem Campus im Fitnessclub "Shad Hall" mit Indoor-Joggingbahn, Tennisplätzen und Whirlpool. Berühmt berüchtigt sind auch die "section retreats", bei denen die Studenten einer Section ein Wochenende im Herbst in den Bergen verbringen und wild feiern. Es gibt aber auch förmlichere Veranstaltungen wie den Holidazzle Ball, ein Gala-Dinner im ersten Studienjahr, oder die Graduation Gala mit Familienangehörigen und Freunden in der Abschlusswoche des Studiums.

Die meisten Studenten nehmen ein MBA-Studium auf, weil sie ihre Karriere fördern und sich auf Führungsaufgaben vorbereiten wollen. Viele nutzen die Zeit aber auch, um eine Auszeit von ihren bisherigen Jobs zu nehmen und über ihre weitere Lebensplanung nachzudenken. Auch dies geschieht - typisch HBS - gründlich und systematisch. Noch bevor die Studenten ihr Studium aufnehmen, sollen sie einen von der Fakultät entwickelten Online-Selbsttest absolvieren, dessen Ergebnisse dann während der Einführungswochen besprochen werden. Der Test soll den Studenten helfen herauszufinden, was ihre Interessen und Fähigkeiten sind und wie sie Beruf und Privatleben vereinbaren wollen.

Karriere systematisch planen

Während des Semesters können sich die Studenten zu kleinen Teams zusammenschließen, um ihre Karrierepläne zu diskutieren. "Dabei geht es etwa um die Frage, was wichtiger ist, die Branche, in der jemand arbeitet, oder die Position, die er einnimmt", erzählt Müller-Wegner. Sie hat in ihrem zweiten Studienjahr als Teil ihres sozialen Engagements diese Karriereteams organisiert und betreut. Schließlich verfügt die HBS noch über 35 geschulte Coaches, die in Einzelgesprächen mit den Studenten deren Karrierepläne erörtern, ihnen beim Verfassen von Lebensläufen und Bewerbungsschreiben helfen sowie auf Bewerbungsgespräche vorbereiten.

"Fast jeder Student denkt während seines Studiums mindestens einmal ernsthaft darüber nach, ob er nicht eine Firma gründen will", hat Felix Oberholzer-Gee beobachtet, aus der Schweiz stammender Associate Professor. Die HBS fördert diese Überlegungen durch einen Business-Plan-Wettbewerb. Die Gewinner erhalten insgesamt 60.000 Dollar Preisgelder.

Wer lieber als Angestellter arbeiten will, kann zwischen dem ersten und zweiten Studienjahr ein Praktikum absolvieren, um Erfahrungen in einer neuen Branche oder in einer neuen Funktion zu sammeln. Viele erhalten dann bereits am Ende des Praktikums die ersten festen Jobangebote. Die Abschlussnoten spielen für die Recruiter aus den Unternehmen keine große Rolle, erst seit Kurzem erlaubt der Ehrenkodex der HBS den Firmen überhaupt, nach den Zensuren zu fragen.

"Auf dem Campus buhlen zahllose Firmen, etablierte Konzerne wie kleine Start-ups, um die Gunst der Studenten", berichtet Morgenthaler. Sie präsentieren sich auf Jobmessen und Kongressen, und selbst die Topmanager, die zu Vorträgen kommen, werben für ihre Unternehmen. Vor allem Beratungen und Finanzdienstleister wie Investmentbanken sind aktiv. "Einen Job bei einem traditionellen Industrieunternehmen außerhalb der USA zu finden ist schwieriger", so Morgenthalers Erfahrung. Dort passe ein MBA noch immer nicht richtig in die Karrierepfade.

Fazit

Die Mehrzahl der HBS-Absolventen erzählt noch Jahre später begeistert von ihrem Studium. Für fast alle hat sich die Zeit in Harvard ausgezahlt. Rund 90 Prozent der Absolventen haben bei der Übergabe ihrer MBA-Urkunden im Mai, knapp zwei Jahre nach Studienbeginn, bereits einen Arbeitsvertrag unterschrieben, drei Monate später sind es bereits 95 Prozent. Auch die Einkommen können sich sehen lassen: Der MBA-Jahrgang 2007 erhielt im Mittel ein Einstiegsgehalt von 115.000 Dollar.

Manager auf der Schulbank

Manager auf der Schulbank

Die Harvard Business School bietet nicht nur ein MBA-Studium an, sondern unter dem Titel "Executive Education" auch mehr als 50 Kurse zur Weiterbildung von Führungskräften. In diesen Veranstaltungen haben sich bereits eine Reihe bekannter Manager aus der ganzen Welt auf neue Führungsaufgaben vorbereitet. So etwa Siemens-Chef Peter Löscher, Linde-Boss Wolfgang Reitzle oder Novartis-CEO Daniel Vasella. Allein im Geschäftsjahr 2007 haben knapp 9300 Personen an diesen Programmen teilgenommen.

Traditionsreiches Programm. Das Flaggschiffprogramm ist das Advanced Management Program (AMP), das es seit 1945 gibt. Es dauert neun Wochen und kostet 58.000 Dollar. Zielgruppe sind Führungskräfte, die sich bereits im Topmanagement befinden und nun eine Spitzenposition übernehmen sollen. AMP-Bewerber müssen gute Englischkenntnisse nachweisen, bereits einen Posten ein oder zwei Ebenen unterhalb des CEOs innehaben und über langjährige Berufserfahrung verfügen; ihre Firmen sollten mindestens 250 Millionen Dollar Umsatz machen.

Während des AMP erhalten die Teilnehmer eine Art Crashkurs in Finanzen, Strategie, Marketing und natürlich Leadership - immer auf Topmanager zugeschnitten. Alle Inhalte werden mit Fallstudien vermittelt. Jeder Teilnehmer arbeitet die Fälle erst allein durch und diskutiert sie dann morgens mit seinem Lernteam.

"Wir waren acht Personen in unserer Gruppe und haben zusammen in einer Art WG gewohnt", erinnert sich Christoph Jacob, der seinen AMP 1999 gemacht hat. Heute leitet er bei Dorma, einem Hersteller von Automatiktüren, die Geschäfte in Südeuropa und den Schwellenländern. Die Mitglieder seines Teams kamen aus sieben Nationen, um bei den Diskussionen möglichst verschiedene Sichtweisen aufeinanderprallen zu lassen. Schließlich analysieren die Teilnehmer in den Lehrveranstaltungen mit den Professoren die Fälle.

Weitere Angebote. Neben dem AMP gibt es noch Kurse wie das Program for Leadership Development und das General Management Program, die sich an angehende und mittlere Führungskräfte richten, sowie fachspezifische Programme zu Themen wie Corporate Governance und Verhandlungsführung. Schließlich bietet die HBS auch an, für Unternehmen maßgeschneiderte Programme zu entwickeln - was in Deutschland bisher zum Beispiel ThyssenKrupp, Bertelsmann und Daimler genutzt haben. Weitere Informationen: www.exed.hbs.edu .

© Harvard Businessmanager 2008

Mehr lesen über Verwandte Artikel