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Karriere Zu viel Selbstbewusstsein schadet

Je selbstbewusster, desto besser? Nicht ganz: Eine Chemnitzer Psychologin fand jetzt heraus, dass sich Bewerber oft unbeliebt machen, wenn sie in Vorstellungsgesprächen übergroßes Selbstvertrauen zur Schau tragen - das koste mehr als die Hälfte dieser Kandidaten den Job.

Ein zu selbstbewusstes Auftreten kann die Karriere kosten. Das ergab eine neue Studie der Chemnitzer Psychologie-Professorin Astrid Schütz. Wer bei Bewerbungsgesprächen zu dick auftrage, könne sich schnell ins Abseits loben, warnt die Professorin. Selbstdarstellung und Persönlichkeit müssten zusammenpassen - alles andere wirke aufgesetzt und verfehle in aller Regel die gewünschte Wirkung.

Mehr als die Hälfte der zu selbstbewusst auftretenden Bewerber erhielten deshalb eine Absage, schätzt Astrid Schütz. "Meine Studie hat gezeigt, dass die Kandidaten in den ersten Minuten noch viele Pluspunkte sammeln. Im Verlauf des Gesprächs wirken sie jedoch immer unsympathischer."

Viel besser sei dagegen, wenn der Bewerber andere dazu bringe, ihn zu loben. "Untersuchungen haben erwiesen, dass Beurteilungen Dritter glaubwürdiger wirken als eine positive Selbstbeschreibung." Dennoch rät Astrid Schütz, das eigene Licht nicht gleich unter den Scheffel zu stellen. "Wer in einem Vorstellungsgespräch nicht sagt, was er kann, wirkt inkompetent."

Astrid Schütz untersucht bereits seit 1983 Strategien der Selbstdarstellung in Bewerbungssituationen und im politischen Wahlkampf. Anhand von Fremdbeurteilungen konnte sie nun neue wissenschaftliche Erkenntnisse darüber gewinnen, wie die Selbstdarstellung eines Menschen in bestimmten Situationen ankommt.

So wurden die Teilnehmer ihrer derzeit laufenden Studie mit unterschiedlichen Interviewsituationen konfrontiert. Während eines Tests sollten sie zum Beispiel so auftreten, dass sie von ihrem Gegenüber als sympathisch eingeschätzt werden. Ziel eines anderen Versuches war es, durch das eigene Verhalten Kompetenz auszustrahlen.

Das Ergebnis: Testpersonen mit einem angekratzten Selbstwertgefühl stehen eher zu ihren Fehlern. "Menschen mit großem Ego beschreiben sich dagegen in der Öffentlichkeit eher unkritisch. Ihre negativen Seiten kehren sie gern unter den Teppich, sparen jedoch nicht mit der Kritik an anderen", so die Professorin. Ihr Rat: Am besten spontan und authentisch wirken, eigene Fähigkeiten hervorheben und auch mal kleine Fehler eingestehen.

Acht Tipps zum Vorstellungsgespräch von Astrid Schütz

Lesen Sie im zweiten Teil:

Zwar hat auch Astrid Schütz kein Patentrezept für erfolgreiche Bewerbungsgespräche. Dennoch leitet sie aus ihrer Forschung acht Tipps ab, damit Bewerber am Ende eines Gespräches weder als graue Maus noch als eitler Pfau dastehen.

1. Keine Inszenierungen

Eine Selbstdarstellung, die nicht zur Gesamtpersönlichkeit passt, wirkt aufgesetzt und verfehlt in aller Regel die gewünschte Wirkung. Inszenierungen sind daher äußerst riskant. Sie sammeln viel eher durch spontanes und authentisches Verhalten Pluspunkte.

2. Nicht zu dick auftragen

Wer nur von sich prahlt, wirkt unsympathisch. Deshalb sollten Sie kleinere Schwächen offen eingestehen - wenn sie nicht gerade die eigene Kompetenz in Frage stellen. Empirische Studien haben gezeigt: Selbstlob kommt nur dann besser an als eine eher bescheidene Selbstdarstellung, wenn dem Gegenüber keinerlei Informationen über die tatsächlichen Leistungen des Bewerbers vorliegen.

3. Andere loben lassen

Bringen Sie andere dazu, Sie zu loben. Das macht einen besseren Eindruck, als es ständig selbst zu tun. Untersuchungen haben bewiesen, dass positive Beurteilungen von Dritten glaubwürdiger wirken als positive Selbstbeschreibungen

4. Aber: Nicht allzu bescheiden sein

Auch wenn zu viel Eigenlob stinkt: Stellen Sie nicht gleich Ihr Licht unter den Scheffel. Wer in einem Bewerbungsgespräch nicht sagt, was er kann, erweckt nicht unbedingt den Eindruck, dass er viel kann.

5. Der äußere Eindruck ist wichtig

So ist das nun mal: Attraktive Bewerber kommen besser an. Achten Sie deshalb auf Ihre Kleidung. Wie empirische Studien belegen, wird eine Frau im Sakko in aller Regel kompetenter beurteilt als in anderer Kleidung.

6. Auf die Körpersprache achten

Verbales und Nonverbales gehören zusammen. Es macht daher einen unglaubwürdigen Eindruck, wenn die Körpersprache dem Gesagten widerspricht. Im Zweifelsfall wird eher dem Nonverbalen geglaubt. Wer also gerade von der eigenen Kompetenz spricht und dabei nervös an der Kleidung herumzupft, wirkt nicht überzeugend.

7. Keine Widersprüche

Verstricken Sie sich nicht in widersprüchlichen Aussagen: Wer in unterschiedlichen Situationen oder gegenüber unterschiedlichen Gesprächspartnern immer etwas anderes behauptet, erweckt den Eindruck, sein Fähnchen nach dem Wind zu drehen.

8. Bloß keine Seitenhiebe

Aggressive Angriffe auf Mitbewerber oder Konkurrenten verfehlen leicht die gewünschte Wirkung und führen stattdessen zu einem negativen Eindruck vom Angreifer. Studien zeigen, dass Kritiker oder Angreifer selbst negativ bewertet werden.

Wer sein eigenes Auftreten verbessern möchte, kann künftig an der TU-Chemnitz spezielle Coaching-Programme nutzen. Im Videolabor analysieren Astrid Schütz und ihre Mitarbeiter das Bewerber-Verhalten während eines Vorstellungsgespräches und geben Vorschläge zur Verbesserung. Mehr Infos unter Tel. 0371/531-6366 oder per E-Mail: astrid.schuetz@phil.tu-chemnitz.de

Ihre Erkenntnisse hat Astrid Schütz auch in dem Buch "Psychologie des Selbstwertgefühls: Von Selbstakzeptanz bis Arroganz" (Stuttgart 2000) verarbeitet.

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