Karrierefalle Auslandseinsatz Harte Landung mit Kulturschock

Von Petra Blum

2. Teil: Reintegrationsbeauftragte: Nicht ohne meinen Tutor



Darauf, dass in der Heimat kein Dienstwagen wartet und die Wohnung in der Regel kleiner ist, sind viele Expats schlecht vorbereitet. Bis sich der 58-Jährige wieder in Deutschland zurechtfand, dauerte es mehr als ein Jahr. Kollegen, die noch in Asien arbeiten, würden sich mit Händen und Füßen gegen einen Job in Deutschland wehren, sagt er. "Die wollen bis zum Rentenalter dort bleiben."

Doch immer mehr Unternehmen erkennen, dass sie es sich nicht leisten können, ihre auslandserfahrenen Mitarbeiter auf Parkpositionen zu schieben oder gleich an die Konkurrenz zu verlieren. Vor allem Firmen, die auf dem Arbeitsmarkt um Fachkräfte wie Ingenieure oder IT-Spezialisten konkurrieren, versuchen ihre Expats auch nach der Rückkehr an sich zu binden.

Udo Bohdal, Personalexperte bei Deloitte und Leiter der aktuellen Studie, beobachtet seit drei Jahren einen Umbruch im Expat-Management. Auch Personalberater Schild bestätigt: "Inzwischen werden die Auslandsentsendungen systematisch in den Personalabteilungen gemanagt."

"Man sitzt ein wenig zwischen den Stühlen"

So hat beispielsweise der Industriekonzern Bosch, der 2007 mehr als 2000 seiner Mitarbeiter im Ausland beschäftigte, ein Mentorenprogramm für Expats eingerichtet, um sie bei der Rückkehr zu unterstützen. "Es ist programmiert, dass man während seines Auslandseinsatzes ein wenig zwischen den Stühlen sitzt", sagt Karin Strube.

Viereinhalb Jahre war sie für Bosch in Japan, um Steuergeräte für Autos zu entwickeln. Durch ihren Mentor Volkmar Denner blieb sie allerdings auch während ihrer Zeit in Japan in ständigem Kontakt mit dem Hauptsitz in Stuttgart - eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Reintegration. Denner, der für die Sparte Automobilelektronik verantwortlich war, hatte zudem einen guten Überblick über die Personalplanung im Unternehmen und half, als es darum ging, eine geeignete Anschlussposition für Strube zu finden.

Mit ihrer Position in Deutschland ist die 42-Jährige zufrieden, auch weil sie ihr Wissen über Japan weitergeben kann. Als Länderreferentin hilft sie zukünftigen Expats bei der Vorbereitung auf ihren Auslandseinsatz. Für die Physikerin steht die kulturelle Erfahrung im Vordergrund, wenn sie auf ihre Zeit in Japan zurückblickt. "Sobald man eine andere Kultur durchlebt hat, wird man gelassener. Und mein Wissen kommt dem Unternehmen zugute."

Bei den von Deloitte befragten Firmen ist der Bedarf an Mitarbeitern, die wie Karin Strube für längere Zeit ins Ausland gehen, um 87 Prozent gestiegen. "Die Unternehmen müssen sich verstärkt umschauen, wo sie gute Leute für Auslandsentsendungen rekrutieren können", sagt Udo Bohdal. Bereits bei einem Drittel fehlen qualifizierte Mitarbeiter für einen Auslandseinsatz.

Ein Tutor für jeden Expat

"Es ist schlecht, wenn Unternehmen Mitarbeiter nur deshalb ins Ausland schicken, weil sie dort ein Loch stopfen müssen", sagt Simone Siebeke, die weltweit zuständige Bereichsleiterin für Kosmetik bei Henkel. "Ich habe vor zwei Jahren unsere Expats an einen Tisch geholt und gezielt gefragt, was ihre Anliegen sind. Dann haben wir ein System etabliert, das sich inzwischen sehr bewährt hat."

Bei Henkel hat jeder Expat einen Tutor, der ihm vor, während und nach dem Auslandsaufenthalt zur Seite steht. Um mit den Mitarbeitern im Ausland im Kontakt zu bleiben, reist Siebeke selbst regelmäßig in die jeweiligen Länder und spricht mit den entsandten Mitarbeitern vor Ort.

Die Rückkehr nach Deutschland wird mindestens ein halbes Jahr im Voraus vorbereitet. Die Betreuung zahlt sich nach Angaben des Unternehmens aus: Die große Mehrheit der Expatriates sei auch nach der Rückkehr zufrieden und bleibe Henkel erhalten, sagt Siebeke.

Wieder daheim - fühlte sich Verena Stehle weder willkommen noch stieß sie auf offene Ohren: "Das Thema Expatriates wurde zwar auch in unserem Unternehmen schon lange diskutiert. Aber wenn dann Leute nach dem Auslandsaufenthalt frustriert das Unternehmen verließen, wurde das immer als Einzelfall betrachtet."

Auch Stehle kündigte. Bei einem großen Unternehmen fand sie einen neuen Job, eine Führungsposition. Und diesmal, so sagt sie, wird ihre Auslandserfahrung geschätzt.



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.