Erzbistum Köln Leiter der Priesterausbildung bezeichnet Schwule als krank

Bei einem Theologie-Vortrag soll sich ein Pater schwulenfeindlich geäußert haben. Homosexualiät hänge mit einem "Geschlechtsminderwertigkeitskomplex" zusammen und sei therapierbar.

Kölner Dom bei Nacht. Ein für die Ausbildung zuständiger Pater aus dem Erzbistum hat sich vor Studenten homophob geäußert.
Oliver Berg / DPA

Kölner Dom bei Nacht. Ein für die Ausbildung zuständiger Pater aus dem Erzbistum hat sich vor Studenten homophob geäußert.


Der Leiter der Priesterausbildung im Erzbistum Köln hat Homosexuelle in einem Vortrag als krank bezeichnet. Homosexualität sei nicht angeboren, sondern "die Folge einer psychologischen (Fehl-)Entwicklung", die in der Kindheit oder Jugend stattfinde und zu einem "Geschlechtsminderwertigkeitskomplex" führe, zitierte die "Süddeutsche Zeitung" aus dem Manuskript eines Vortrags des Paters Romano Christen. Dieser hielt den Vortrag demnach schon im Januar vor Theologiestudenten in Bonn.

Laut dem Manuskript habe sich Christen, Direktor des Theologenkonviktes Collegium Albertinum, noch weiter geäußert. Homosexuelle Liebe sei laut Christen weniger "die reale Begegnung mit einem Du", sondern vielmehr "eine narzisstische Suche". Die "Fixierung auf die Lust" solle "die eigene innere Wunde heilen und das Selbstmitleid stillen".

Der unter Verantwortung des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki tätige Pater vertrat demnach auch für die unter besonders radikalen Katholiken verbreitete These, Homosexualität sei therapierbar. "Auch wenn sie von der Schwulenlobby regelrecht dämonisiert werden, gibt es Therapien und Männer, die sie erfolgreich bestanden haben", soll Christen gesagt haben.

Auf eine SPIEGEL-Anfrage zu den Aussagen antwortete das Erzbistum mit einer Stellungnahme Christens: "Der Vortrag hat in einem größeren Gesprächszusammenhang gestanden, in dem ich auch meine Überzeugung ausgedrückt habe, dass Menschen mit homosexuellen Neigungen Respekt verdienen und auf keinen Fall herabgewürdigt werden dürfen; niemand darf aufgrund der sexuellen Orientierung diskriminiert werden."

Ziel des Gesprächs sei es demnach gewesen, darüber zu informieren, "was in der Rahmenordnung für die Priesterausbildung steht, die für die katholische Kirche weltweit bindend ist." Christen sagte, er habe den Vortrag mit "persönlichen Erfahrungen" aus seiner "seelsorgerischen Tätigkeit" eingeführt. Diese stellten "in keinem Fall ein Urteil in Einzelfragen" dar, so Christen.

Die katholische Kirche lehnt Homosexualität als Sünde ab. Im erzkatholischen Milieu und in der evangelischen Kirche unter Evangelikalen gibt es bis heute Forderungen, sie zu therapieren. (Lesen Sie hier mehr darüber, wie selbst ernannte Heiler Homosexuelle bekehren wollen).

Auf der anderen Seite ging gerade in Deutschland die katholische Kirche in jüngerer Zeit stärker auf Homosexuelle zu. Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte etwa, "dass die Kirche auch diesen Menschen zugewandt ist". Laut Kardinal Woelki sei "der Lebensentwurf, für den wir als katholische Kirche einstehen", jedoch "die sakramentale Ehe zwischen einem Mann und einer Frau".

fek/AFP



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