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Kopflose Elite-Uni Studienabbruch des ESMT-Präsidenten

Kürzlich schwärmte er noch vom "aufregenden Blick von der Brücke", nun geht der Kapitän von Bord: Derek Abell gibt sein Amt als Präsident der Berliner ESMT auf - damit hat die Managerschule der deutschen Konzerne ein weiteres Problem.

Derek F. Abell wird nur noch bis September 2006 Präsident der European School of Management and Technology (ESMT) bleiben. Das bestätigte der 66-Jährige Marketingprofessor dem manager-magazin: "Vielleicht einen Monat früher, vielleicht einen Monat später, je nachdem, wann mein Nachfolger anfangen kann", sagte er in der aktuellen Ausgabe des Magazins.

Der Nachfolger steht allerdings noch nicht fest, und dem ESMT-Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Cromme dürfte es nicht leicht fallen, ihn zu finden. Abell hatte gehofft, die Aufbauphase der 2002 gegründeten Managerschule abschließen zu können. Doch ihm waren wiederholt Pannen angelastet worden.

Die ESMT stand von Beginn an unter keinem guten Stern, obwohl sie von DaimlerChrysler sowie 24 weiteren deutschen Großunternehmen und Wirtschaftsverbänden gegründet wurde. Bei all den eindrucksvollen Namen von Allianz über Lufthansa bis Siemens konnten sie das Geld nur mit Mühe einsammeln. Erst reichte es nicht für das Stiftungskapital, dann nicht für die Renovierung des ehemaligen DDR-Staatsratsgebäudes, das sich die ESMT als Hauptsitz sicherte.

Reichlich Pannen beim Aufbau

Die Konzerne stotterten die Mittel zwar zusammen, doch die Finanzlage scheint weiterhin prekär. Zudem leistet die ESMT sich neben dem Staatsratsgebäude gleich noch zwei weitere schmucke Immobilien: die Wappenhalle des früheren Flughafens München-Riem sowie das Schloss Gracht bei Köln.

Schon zum Start beanspruchte die Managementhochschule selbstbewusst einen Platz in der Weltliga, doch viel los ist in den teuren Prachtbauten nicht gerade. Der Studienbetrieb läuft auf niedrigen Drehzahlen. Bisher bietet die ESMT lediglich Weiterbildungskurse auf mäßigem Niveau und kann auch mit ihrer Fakultät nicht recht punkten, weil es an international klangvollen Namen hapert.

Im April kündigte Abell einen MBA-Studiengang an, der im Januar 2006 starten soll. Experten haben angesichts der starken weltweiten Konkurrenz erhebliche Zweifel, ob das ein Erfolg werden kann. Zudem ist das Vollzeitprogramm mit 50.000 Euro im Vergleich zu anderen Eliteunis ausgesprochen teuer.

Marketingprofessor Abell, der zuvor in Lausanne und Zürich lehrte, hat unter den wenigen ESMT-Professoren das größte Renommee. Wegen des schleppenden Aufbaus der Schule rumorte es bei den 25 Gründerunternehmen schon länger. Aus Angst vor einem Gesichtsverlust kündigten sie ihre Unterstützung zwar nicht offen auf, übten aber eine Art stillen Boykott. Die Fertigstellung der Möchtergern-Eliteuniversität ESMT soll nun ein anderer Präsident übernehmen.

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