Krieg der Kollegen Die große Mobbing-Schlacht

Mal sind es derbe Breitseiten, mal subtile Sticheleien. Auch die können reichen, um einem Kollegen den Büroalltag zur Hölle zu machen oder eine Kollegin in den Nervenzusammenbruch zu treiben. Martin Wehrle beschreibt, wie Mobber sich auf ihre Opfer einschießen - und welche Masken sie tragen.

Eiszeit im Büro: Ständige Attacken können Kollegen schnell mürbe machen
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Eiszeit im Büro: Ständige Attacken können Kollegen schnell mürbe machen


Mobbing hat zwei Gesichter: eine Fratze, die jeder sieht, und eine Maske, hinter der es sich versteckt. Das offensichtliche Mobbing haust im Keller der Hierarchie: Wenn die Hilfsarbeiter einen Kollegen nicht leiden können, verpassen sie ihm eine Abreibung. Sie brüllen ihn so laut an und grenzen ihn so klar aus, dass es jeder hört und sieht.

Das Opfer muss sich mit den Tätern quälen, nicht aber mit dem Nachweis, dass es gemobbt wird. Zumal die einfach strukturierten Angreifer auf Nachfrage oft bekennen: "Der Kollege hatte die Abreibung verdient!" Diese Mobbingfratze ist nicht zu übersehen, auch nicht für den Chef, die Kollegen und den Betriebsrat; alle können eingreifen - sofern sie wollen.

Eine subtilere Form des Psychoterrors verseucht die höheren Etagen der Hierarchie, die Handelshäuser und Ingenieurbüros, die Lehrerzimmer und Behörden, die Redaktionen und Agenturen. Hier, wo die Menschen eher mit dem Kopf als mit den Händen arbeiten, findet kein offener Kampf mehr statt; hier trägt das Mobbing eine Maske.

Wie soll der Angestellte nachweisen, dass die Kritik an seiner Arbeit eigentlich auf ihn als Person zielt? Wie soll er belegen, dass ein neidischer Blick, ein hämisches Grinsen, eine spitze Bemerkung nicht zum gewöhnlichen Umgang gehören, sondern die kleinsten Einheiten einer Vernichtungskampagne sind?

Gesteinigt und gepeinigt

Viele Mobbingopfer suchen die Schuld bei sich. Aber es gibt deutliche Unterschiede zu alltäglichen Spannungen im Beruf: Normale Kritik bezieht sich auf das Verhalten, nicht auf die Person. Normale Neckerei spaßt mit einem Menschen, statt sein Ansehen zu vernichten. Und beim normalen Streit haben sich zwei Menschen gleichermaßen in den Haaren, statt dass einer Täter ist und einer Opfer.

Mobbing ist ein Unkraut, das vor allem auf ungepflegtem Gelände wächst - dort, wo die Führungskultur verlottert ist, wo die Menschlichkeit nichts zählt, wo die Chefs feige sind oder das Mobben gar vorleben. Dann stinkt der Fisch vom Kopfe her. Aber der Schwanz stinkt mit: weil Mitarbeiter eins und eins zusammenzählen können.

Die Mobber schlagen zu, ohne Spuren zu hinterlassen. Wenn der Angegriffene aufschreit, können sie ihn als "überempfindlich" oder "unkollegial" hinstellen. Schnell sind die Rollen zwischen Opfer und Täter vertauscht.

Wie maskiert sich Mobbing? Hier drei beliebte Varianten...

insgesamt 134 Beiträge
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Seite 1
matula, 02.06.2010
1. Selten
Bewusstes Mobbing ist m.E. eher selten bzw. Ergebnis der Machtverhältnisse bei einem Streit. Der Mobber hat zufällig einen Vorteil (Unterstützer; Hirarchie). Der Gemobbte würde es bei umgekehrter Konstellation genauso machen! Mobbing im Alltag geschieht eher unbewusst - auch seitens der Täter. Hält man einen Kollegen für schwach, wird man ihn unbewußt öfter (auch unberechtigt) kritisieren, eine unbedachte Bemerkung, das ausnutzen von Hirarchie ohne jemandem etwas zu wollen wirkt für einzelne wie Mobbing. Dazu gibt es viele Leute die "Verfolgungswahn" haben, und daher jedes nicht ganz geschliffene Wort, jede Aktion als Tat gegen sich interpretieren. Der Täter weiß meist gar nichts davon, weil es auch niemand sagt. Das macht die Situation für den gemobbten bzw. sich gemobbt gefühlten natürlich niccht besser - eine differenziertere Betrachtung wäre hier aber angebracht. "Die Kollegen" sind nicht immer solche Monster wie man sie darstellt. Meist sind beiderseitige Kommunikationsprobleme die Ursache!
zappuser 02.06.2010
2. Grund allen Übels sind inkompetente Chefs
die wieder inkompetente Chefs nachziehen. Klare Führungsfähigkeiten, auch mitunter autoritär, sind besser als dieses Team-Gemauschele.
bunny07 02.06.2010
3. sofort externe Hilfe suchen
Ich habe das selbst schon zweimal mitgemacht und kann allen Betroffenen nur raten, bei den ersten Anzeichen externe Hilfe zu suchen (Krisenberatung, Anwalt etc.). Unternehmen neigen meiner Erfahrung nach dazu, Mobbing zu vertuschen. Das betrifft -wieder meiner Erfahrung nach- auch Betriebsräte und interne Berater/Mediatoren. Mobbing ist keine Batagelle sondern kann das Opfer im schlimmsten Fall umbringen. Daher sind Rücksichten auf die Kollegen, das Ansehen der Firma usw. völlig fehl am Platz.
IGIT 02.06.2010
4. Hier müssen neue Gesetze her.
Zitat von sysopMal sind es derbe Breitseiten, mal subtile Sticheleien. Auch die können reichen, um einem Kollegen den Büro-Alltag zur Hölle zu machen oder eine Kollegin in den Nervenzusammenbruch zu treiben. Martin Wehrle beschreibt, wie Mobber sich auf ihre Opfer einschießen - und welche Masken sie tragen. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,698094,00.html
Um das überhand nehmende Mobbing in allen Bereichen der deutschen Gesellschaft, besonders aber in den Schulen und am Arbeitsplatz, Herr zu werden, müssen neue Gesetze und spezielle Antimobbingbeauftragte an Schulen, in den Firmen und auch den Behörden her. Psychische Gewalt kann einen Menschen mindestens genauso verletzen und sogar zerstören, wie physische Gewalt. Wie oben im Artikel so richtig erwähnt, kann man ganz klar zwischen den üblichen Spannungen zwischen Menschen und einem systematischen, skrupellosen Mobbing, welches für mich ganz klar faschistoid ist, unterscheiden. Ein Mob wird immer von einem Obermobber angeführt und aufgehetzt. Diese Personen gilt es aus der Organisationen, in der sie ihr Unwesen treibt zu entfernen und dann strafrechtlich und auch zivilrechtlich für ihr kriminelles Verhalten zu bestrafen bzw. für die Schäden , die sie angerichtet hat, haftbar zu machen. Nur dafür müssen erst einmal die nötigen Gesetzesgrundlagen geschaffen werden.
Oliver Resch, 02.06.2010
5. Mobbing?
Zitat von sysopMal sind es derbe Breitseiten, mal subtile Sticheleien. Auch die können reichen, um einem Kollegen den Büro-Alltag zur Hölle zu machen oder eine Kollegin in den Nervenzusammenbruch zu treiben. Martin Wehrle beschreibt, wie Mobber sich auf ihre Opfer einschießen - und welche Masken sie tragen. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,698094,00.html
Zum Beispiel mit der Controllerin, die die - immer und überall - ungeliebten Sparmassnahmen umsetzen soll: Es gehört zu ihren Aufgaben mit solchen Situationen und Reaktionen fertig zu werden bzw. sie erst gar nicht entstehen zu lassen. Ist sie dazu nicht in der Lage, ist sie schlicht fehl am Platz. Solche Situation immer und ausschließlich auf "Mobbing" zu reduzieren, geht am Problem vorbei. Überhaupt scheint mir das "Mobbing"-Thema in den letzten Jahren viel zu sehr in die Mode gekommen zu sein. Von den damit zusammenhängenden Übertreibungen profitiert in erster Linie die sich etablierende Mobbing-Industrie (Arbeistpsychologen, Betriebsräte, Sachbuchautoren etc.).
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