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Studie zu Jobchancen Forscher sagen Lehrer-Überschuss für 2030 voraus

Lehrer haben einen sicheren Job, heißt es. Jetzt prognostiziert eine Studie, dass viele im Jahr 2030 gar nicht mehr gebraucht werden. Der Deutsche Lehrerverband ist empört - und widerspricht.
Lehrer im Unterricht (Archiv): Gehen ihm bald die Schüler aus?

Lehrer im Unterricht (Archiv): Gehen ihm bald die Schüler aus?

Foto: DPA

Das sind keine guten Nachrichten für angehende Lehrer: Rund 300.000 Menschen in lehrenden Berufen könnten 2030 arbeitslos sein. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine Studie, die das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gemeinsam durchgeführt haben.

Tobias Maier vom BIBB sagt zwar: "Ein Überhang im Berufsfeld der 'Lehrenden Berufe' kann nicht mit arbeitslosen Lehrern gleichgesetzt werden." Schließlich handele es sich um ein potentielles Arbeitsangebot von Personen, die gerne Wissen vermitteln, also lehren würden. Unter den 300.000, die laut Studie 2030 wohl nur schwer einen Job finden werden, sind also auch Arbeitnehmer aus der Weiter- und Erwachsenenbildung - aber auch Fahrschullehrer und Fußballtrainer. Allerdings machen die klassischen Lehrer fast 70 Prozent der Gruppe aus.

Ein Grund dafür, dass Lehrer in Zukunft weniger nachgefragt würden, ist laut den Forschern die demografische Entwicklung. "Weniger Schüler brauchen weniger Lehrer", so einfach sei die Rechnung, meint Maier vom BIBB. Selbst wenn die Forscher weiterhin von einer hohen Zuwanderung ausgehen, würde diese nicht reichen, um den Geburtenrückgang auszugleichen. Auch die Kultusministerkonferenz geht davon aus, dass die Zahl aller Schüler bis 2025 um 1,6 Millionen sinken werde. Bildungsforscher und Lehrer empfehlen allerdings, diese demografische Delle zu nutzen, zum Beispiel für kleinere Klassen - also eben nicht bei den Lehrern zu sparen.

Einmal Lehrer, immer Lehrer?

Ein weiterer Grund für die prognostizierte Lage der Lehrer sei, dass meist gelte: einmal Lehrer, immer Lehrer. Anders als andere Akademiker wechseln nur sehr wenige Lehrer in andere Berufe. Das liegt zum einen daran, dass ihre Ausbildung sehr spezifisch ist. Ein Chemielehrer kann nicht einfach Chemiker werden, ein Chemiker mit einer entsprechenden Weiterbildung aber durchaus Chemielehrer. Zum anderen liege es daran, dass Lehrer derzeit wenig Druck spürten, sich eine Alternative zu suchen, so die Bildungsökonomin Kerstin Schneider von der Universität Wuppertal.

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Foto: Corbis

Auch sie geht davon aus, dass es in Zukunft weniger Stellen für Lehrer geben wird. Etwa, weil die Schulen gerade wegen des doppelten Abiturjahrgangs kräftig eingestellt hatten. Ob es aber nun wirklich Hunderttausende sind, könne niemand so genau prognostizieren. So geht die Studie davon aus, dass der Anteil der Lehramtsstudierenden über die nächsten Jahre gleich bleiben wird. Schneider glaubt aber, dass sich in den nächsten Jahren weniger Studenten für den Lehrerberuf entscheiden werden. "Die Studenten wissen auch, dass es weniger Nachfrage geben wird", sagt sie.

Genau das befürchtet der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus. "300.000 - das ist eine gefährliche Zahl", empört er sich. Wenn bei Studenten ankäme, dass fast 40 Prozent der Lehrer nicht mehr gebraucht würden, dann "bekommen wir in bestimmten Bereichen Nachwuchsprobleme". So fehlten schon jetzt an den allgemeinbildenden Schulen etwa 10.000 Lehrer für die Fächer Mathe, Informatik oder Physik. So viele bräuchten die Berufsschulen in den wirtschaftlichen Fächern.

Außerdem pocht Kraus auf das Versprechen vieler Kultusminister, Lehrerstellen nicht zu kürzen, nur weil die Schülerzahlen sinken. Er wüsste genau, wofür man den prognostizierten "Überhang" an Lehrern verwenden könnte. Immer noch würden bis zu fünf Prozent des Unterrichts ausfallen. Außerdem könnte mit mehr Lehrern endlich so gefördert werden, wie es sich immer alle wünschen. Deshalb fordert Kraus eine "110-prozentige Lehrerausstattung für jede Schule".

Foto: Daniel Schmitt


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lsc
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