Lehrergeständnisse Was macht der Aufschnitt an der Wand?

Manche Schüler werfen Stühle, treten gegen Wände oder tapezieren sie sogar mit Wurst. Woran das liegt? Eine Hauptschullehrerin aus NRW hat einen Verdacht - und einen Lösungsvorschlag.

Frischwurst (Archiv): Klebt gut, ist aber keine Klassenzimmerdeko
Corbis

Frischwurst (Archiv): Klebt gut, ist aber keine Klassenzimmerdeko


"Also, Max, das musst du noch mal abschreiben! Das sieht unmöglich aus!" "Tamara, du musst dein Fach aufräumen! Wie willst du so dein Material finden?" "Wie bitte, Laura, dein Zirkel ist schon wieder kaputt?"

Über Ordnung und Sauberkeit sprechen wir an meiner Hauptschule immer wieder. Zu Recht, denn wie soll ein Heranwachsender lernen, sich selbst zu organisieren und Sorgfalt zu praktizieren, wenn er das nicht im Kleinen ständig übt?

Es mangelt aber nicht nur an Respekt den eigenen Stiften, Zirkeln, Büchern und Aufgaben gegenüber, sondern auch der Schule als Gebäude: Stühle fliegen durchs Klassenzimmer, Wurstscheiben kleben hervorragend an Wänden, und die Tafel dient vorrangig dazu, die neuesten Paarkonstellationen zu veröffentlichen.

Allerdings habe ich auch schon Schulen betreten, in denen in der Pausenhalle Holzskulpturen oder Gipsarbeiten ausgestellt wurden. Schulgebäude, deren Wände nicht von Schuhabdrücken gezeichnet waren. Klassenräume, die nicht den Charme einer Müllhalde versprühten.

Liegt es an den Elternhäusern? Der Erziehung? Mag sein. Aber wenn der Klassenlehrer für Ambiente, Lernatmosphäre und Ordnung sorgen würde, dann würde es auch Schülern leichter fallen, ordentlich und sorgfältig mit ihrem Klassenraum, ihren Aufgaben und Materialien umzugehen. Das wundert mich nicht: Ich korrigiere meine Klassenarbeiten auch lieber im heimischen Arbeitszimmer bei einer Tasse Tee als auf dem zugigen Kölner Hauptbahnhof.

Und jetzt kommen Sie
  • Corbis

    Das Thema der nächsten Folge: mein größtes Erfolgserlebnis in der Schule.

  • Sie sind Lehrer und möchten zu dem Thema auch gestehen? Dann schicken Sie Ihre kurze Geschichte gern an:

  • Lehrer@spiegel.de
Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, welchen Sinn ein Schüler darin sehen sollte, seine Aufgabe sorgfältig zu bearbeiten und seinen Arbeitsplatz wertzuschätzen, während sein Tisch wackelt, der Putz von der Wand bröselt, und die Fenster selbst bei Sonnenschein den Eindruck vermitteln, draußen herrsche Londoner Nebel.

Mich hat es übrigens diverse Anrufe und Anträge gekostet, bis mir für meinen Klassenraum ein zartes Sonnengelb gestattet wurde. Und da der Hausmeister ausschließlich für weiße Wände zu sorgen hat, sollte ich meinen Raum selbst streichen, was ich in der letzten Sommerferienwoche auch tat.

Die 37-jährige Lehrerin unterrichtet an einer Hauptschule im nordrhein-westfälischen Wenden.

Alle bisher veröffentlichten Lehrergeständnisse finden Sie hier.

  • DPA
    Zahlen fürs saubere Geschäft? Die Bezirksregierung Arnsberg untersagt einer Bochumer Schule, Geld für den Klobesuch auf Premiumtoiletten zu verlangen. In NRW gelte: Jeder Schüler muss uneingeschränkt müssen dürfen. Die Schule verteidigt ihr Bezahlmodell. mehr...

insgesamt 54 Beiträge
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Seite 1
Steff-for 22.05.2014
1.
Zitat von sysopCorbisManche Schüler werfen Stühle, treten gegen Wände oder tapezieren sie sogar mit Wurst. Woran das liegt? Eine Hauptschullehrerin aus NRW hat einen Verdacht - und einen Lösungsvorschlag. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/lehrergestaendnisse-schoen-aufgeraeumte-klassenzimmer-helfen-schuelern-a-969313.html
Interessiert sich eigentlich irgendwer für diese, offengestanden sehr flachen, Erkenntnisse jener, von Selbstmitleid geplagten Pädagogen? Nun gut, ich habe inzwischen 2 Beiträge gelesen und finde es erschreckend.
licorne 22.05.2014
2. Meine Theorie:
Müll und Unordnung im Klassenzimmer sorgt nicht nur für eine miese Arbeitsatmosphäre sondern auch für Müll und Unordnung im Kopf. In jedes Klassenzimmer gehört ein Besen und eine Kehrschaufel dazu ein wechselnder Klassendienst, der dafür sorgt, dass Raum und Tafel sauber sind. Wenn Schüler selst dafür verantwortlich sind, gehen sie auch nicht mehr so achtlos mit ihrem Arbeitsplatz um.
handballer1984 22.05.2014
3. Hautpschule? Niemals!
Hat sich mal einer die Namen der Kinder durchgelesen. Niemals wird hier von einer Hautpschule gesprochen ;) Aber genau das gleiche kann uns eh an jeder Schule passieren!
Olaf 22.05.2014
4.
Zitat von Steff-forInteressiert sich eigentlich irgendwer für diese, offengestanden sehr flachen, Erkenntnisse jener, von Selbstmitleid geplagten Pädagogen? Nun gut, ich habe inzwischen 2 Beiträge gelesen und finde es erschreckend.
Ganz egal, was während des Unterrichts passiert hinterher wird es immer nur einen einzigen erwachsenen Zeugen geben, dessen Aussage etwas bedeutet und das ist der Lehrer.
kabian 22.05.2014
5. Toll
Eine Lehrerin die selbst das Klassenzimmer streicht? Ich halte das für vorbildlich. Schöner wäre es gewesen wenn ein paar Jugendliche mitgeholfen hätten. Dann wüßte jeder wieviel Arbeit das ist. Aber trotzdem, es ist und bleibt eine gute Tat.
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