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Lehrergeständnisse Ehre, wem Ehre gebührt

Manche Schüler erscheinen hoffnungslos, wenn familiäre Katastrophen oder pubertäre Unlust die Noten in die Tiefe reißen. Da helfen gute Lehrer weiter. Aber wer dankt es ihnen? Eine Hauptschullehrerin erhielt eine überraschende Antwort.

"Ganz besonders bedanken wollen wir uns bei unserem Klassenlehrer, der uns die vergangenen zwei Jahre so geduldig ertragen hat!" Applaus!

Kollege Müller steht auf der Bühne, er strahlt, als ihm Schüler ein Abschiedsgeschenk überreichen. Vor mir in den Reihen sehe ich Eltern nicken und applaudieren, der Schulleiter steht am Rednerpult, auch er sichtlich stolz auf seine Arbeit.

Meine Kollegen der unteren Jahrgangsstufen und ich sitzen in den hinteren Reihen. Es ist nicht unser großer Tag, deswegen halten wir uns zurück. Dabei kenne ich die Schüler, die dort oben nun mit ihrem Abschlusszeugnis in der Hand in diverse Fotokameras lachen.

Und jetzt kommen Sie
Foto: Corbis

Das Thema der nächsten Folge: Wovor ich im Schulalltag Angst habe.

Sie sind Lehrer und möchten zu dem Thema auch gestehen? Dann schicken Sie Ihre kurze Geschichte gern an:

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Ich erinnere mich an ihren ersten Schultag, als ich gemeinsam mit ihnen diese Bühne verließ und sie durch das unbekannte Gebäude führte. Wie verwirrte Entenkinder rannten sie damals hinter mir her und versuchten sich die Wege zu merken.

Ich sehe Torben, der gerade die Hand des Rektors schüttelt. Jeder Lehrer dieser Schule kannte Torben nach nur wenigen Wochen: unentschuldigte Fehlzeiten, Trennung der Eltern, endgültiger Absturz der Noten, Erziehungsmaßnahmen aufgrund diverser Verstöße gegen die Schulordnung.

Ich erinnere mich an unzählige Gespräche mit ihm und seiner Mutter. Die Schulsozialpädagogin und ich fuhren damals sogar zu Torben nach Hause, um dort mit der Mutter zu sprechen, die selbst keine Kraft mehr hatte. Eine schwierige Zeit. Doch jetzt in der Aula bin ich gerade wohl die Einzige, die sich daran erinnert, wie viel Mühe und Energie es gekostet hat, Torben zu helfen. Schade, denke ich, dass der Arbeit der Unterstufenlehrer am großen Ehrentag gar nicht gedacht wird.

Der Saal leert sich allmählich, ich muss daran denken, dass ich in wenigen Wochen hier meine neue Klasse fünf übernehmen werde, und die Arbeit von vorn beginnt. Da kommt Torbens Mama auf mich zugelaufen und schüttelt mir die Hand. "Ohne Sie wäre ich heute nicht hier", sagt sie, "und würde voller Stolz erleben, wie mein Sohn sein Abschlusszeugnis erhält!"

Wahrscheinlich ahnt sie nicht, was mir ihr Dankeschön in diesem Moment bedeutet.

Die 37-jährige Lehrerin unterrichtet an einer Hauptschule im nordrhein-westfälischen Wenden.

Casting für den Aufstieg
Foto: SPIEGEL ONLINE

Jedes zweite Kind lebt von Hartz IV, viele sprechen schlecht Deutsch, viele Eltern haben keine Arbeit: Wer in Problemvierteln wie Hamburg-Wilhelmsburg aufwächst, muss für den Aufstieg kämpfen. Die Lehrer versuchen etwas Ungewöhnliches - sie veranstalten eine eigene Castingshow. mehr... 

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