Lehrerin für lau Ex-Ministerin darf nicht gratis unterrichten

Bildungswelt verrückt: Die frühere NRW-Bildungsministerin Gabriele Behler möchte den Lehrermangel bekämpfen und höchstpersönlich als Lehrerin einspringen - gratis oder für einen Symbol-Euro. Die Schulaufsicht stellt sich quer und vergibt den Job lieber gegen Honorar.


SPIEGEL: Frau Behler, Sie wollen einem Bielefelder Gymnasium, an dem Lehrermangel herrscht, helfen und dort unentgeltlich Deutsch unterrichten. Warum dürfen Sie das nicht?

Behler: Weil ich auf keinen Fall für meine Arbeit bezahlt werden möchte. Mit der Schulleiterin, die mich gefragt hatte, ob ich einspringen kann, war schon alles klar. Ich sollte zum Schulstart in NRW vergangene Woche vier Stunden wöchentlich ohne Bezahlung einen Deutschkurs übernehmen. Aber dann hat die Schulaufsicht mitgeteilt, unentgeltliche Arbeit sei dienst- und vertragsrechtlich nicht möglich.

SPIEGEL: Ist das in Zeiten von Lehrermangel und Staatsverschuldung nicht verrückt?

Behler: Na klar ist das verrückt. Niemand sollte Schulen daran hindern, flexibel qualifiziertes Personal zu gewinnen. Meine anvisierte Aushilfsarbeit in Bielefeld ist jedenfalls erstmal vergeben. Eine Studentin hat den Job übernommen – gegen Honorar.

SPIEGEL: Haben Sie als frühere SPD-Bildungsministerin nichts von rechtlichen Hürden für Gratis-Lehrer gewusst?

Behler: Dass das Dienst- und Vertragsrecht eine komplizierte Sache ist, wusste ich. Aber diese Details waren mir nicht bekannt.

SPIEGEL: Lust auf einen Reformvorschlag?

Behler: Sicher. Vielleicht könnten die rechtlichen Auflagen durch eine symbolische Bezahlung erfüllt werden – einen Euro hätte ich sofort genommen.

SPIEGEL: Haben Sie Hinweise, dass die NRW-Schulministerin Barbara Sommer, CDU, nun an einer Art Lex Behler arbeitet?

Behler (lacht): Ich habe den Eindruck, dass das Schulministerium sich jetzt bemüht, das Problem kreativ zu lösen. Eine Spezialregelung nur für mich wäre aber zu wenig. Ich bin sicher nicht die einzige Fachkraft, die ein paar Stunden pro Woche ehrenamtlich arbeiten würde. Diese Leute müssen ermutigt und nicht ausgebremst werden.

Das Gespräch führte Andrea Brandt

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