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Plastinator vor Gericht Gunther von Hagens kämpft um Professorenehre

Leichenpräparator Gunther von Hagens lässt nicht locker: Seit Jahren streitet er sich vor Gericht wegen eines chinesischen Professorentitels, derzeit mit dem Land Nordrhein-Westfalen. Die Richter sollen ihm bescheinigen, dass er den Titel stets rechtmäßig trug.
Plastinator Gunther von Hagens: Jahrelanger Rechtsstreit wegen Professorentitel

Plastinator Gunther von Hagens: Jahrelanger Rechtsstreit wegen Professorentitel

Foto: dapd

Münster - Der Leichenpräparator Gunther von Hagens will sich nicht als Hochstapler bezeichnen lassen. Auch deshalb soll ein Gericht ihm bescheinigen, dass er seinen Gastprofessorentitel aus China ohne Verweis auf dessen Herkunft tragen durfte. Dafür kämpft der 67-Jährige seit einem Jahrzehnt. Am Montag ging der Rechtsstreit in die nächste Runde - das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster befasste sich erneut mit dieser Frage.

Der Erfinder der Ausstellung "Körperwelten", für die er Leichen konserviert und präpariert, ist studierter Mediziner mit deutschem Doktortitel. Habilitiert hat er nicht, aber die chinesische Dalian Medical University hatte dem Heidelberger in den neunziger Jahren einen Gastprofessorentitel für fünf Jahre verliehen.

Das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium, das damals für Genehmigungen zum Führen ausländischer Titel bei im Ausland lebenden Deutschen zuständig war, hatte darauf bestanden, dass der Heidelberger Mediziner mit dem Zusatz "RC" oder "VRC" für China tragen solle. Von Hagens ließ das Kürzel aber weg und handelte sich damit ein Strafverfahren wegen Titelmissbrauchs ein. Die Universität Heidelberg, an der von Hagens jahrelang gearbeitet hatte, hatte Anzeige erstattet. Von diesen Vorwürfen wurde er 2007 schließlich freigesprochen.

Strafrechtlich ist die Sache also schon lange vom Tisch. Aber trotz des Freispruchs fühlte sich der Präparator später immer noch als "Hochstapler" angefeindet. Damit soll nun Schluss sein. Auch deshalb besteht der Anatom auf die Rehabilitierung durch die Justiz. Zudem verlangt er mit einer anderen Klage vom NRW-Ministerium zwei Millionen Euro Schadensersatz wegen ungerechtfertigter Strafverfolgung.

Das Land sieht kein "Rehabilitationsinteresse" mehr

Das OVG Münster vertagte am Montag seine Entscheidung, ein Urteil könnte es am 5. Juli verkünden. Vor dem Gericht hatte von Hagens in dieser Sache schon einmal recht bekommen. Das Bundesverwaltungsgericht hatte die Entscheidung vom vergangenen Jahr aber wegen eines formalen Fehlers kassiert: In Münster war ein ehrenamtlicher Richter nicht vereidigt worden.

Bei der Neuauflage ließ sich von Hagens von seinem Anwalt Holger Schmitz vertreten. "Das Gericht hat zum Ausdruck gebracht, dass es an seiner Auffassung festhält", sagte Schmitz nach der mündlichen Verhandlung.

Der Vertreter des Landes, Rechtsanwalt Jost Hüttenbrink, sprach dagegen von einem "Geisterprozess": Von Hagens habe den Titel ohnehin nur für fünf Jahre verliehen bekommen und dürfe ihn schon seit einiger Zeit nicht mehr tragen. Deswegen sehe das Land kein "Rehabilitationsinteresse" mehr.

Für die schlechte Presse über den Wissenschaftler sei das Land zudem nicht verantwortlich: "Wenn der Kläger sich durch Presseveröffentlichungen brüskiert fühlt, muss er die zivilrechtlichen Wege beschreiten, die das Presserecht vorgibt", sagte Hüttenbrink. "Da sind wir hier am völlig falschen Ort."

Von Hagens gilt als Erfinder der Plastination. Mit diesem Verfahren können Leichen gehärtet und in dünne Scheiben geschnitten werden. Kritiker werfen ihm vor, mit seinen Präparaten die Menschenwürde zu verletzen. Millionen Menschen weltweit haben die umstrittene Wanderausstellung "Körperwelten" besucht.

Der Präparator lebte und arbeitete lange in China und Kirgisien, spricht fließend Russisch und stilisiert sich in der Öffentlichkeit gern mit Hut und Weste. In beiden Ländern stehen Filialen seines 1993 gegründeten Instituts für Plastination. Von Hagens geriet immer wieder mit verschiedenen Vorwürfen in die Schlagzeilen, zum Beispiel wegen möglicher Steuerhinterziehung, der öffentlichen Sektion von Leichen und Berichten über den Erwerb von Leichen ungeklärter Herkunft.

son/dpa
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