Lidl-Werbung in Tschechien Schwarzes Model löst Shitstorm aus

Eine Werbeanzeige mit einem dunkelhäutigen Model hat Lidl in Tschechien einen rassistischen Shitstorm eingebracht. Der Discounter reagiert gelassen.

Lidl-Anzeige mit dunkelhäutigem Model
Lidl Tschechien

Lidl-Anzeige mit dunkelhäutigem Model


"Multikulti gehört nicht nach Tschechien", "Lasst sie Supermärkte bauen und schickt sie dann zurück": Zahlreiche fremdenfeindliche Kommentatoren haben ihre Parolen auf der Facebook-Seite von Lidl in Tschechien hinterlassen, wo das Unternehmen mit einem dunkelhäutigen Model für seine Mode wirbt.

Lidl selbst, dessen Chef Klaus Gehrig das manager magazin jüngst zum "Manager des Jahres" gekürt hat, reagierte darauf gelassen: "Liebe Kunden, weil die Tschechische Republik Teil von Europa ist, wo viele Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Hautfarben leben, finden wir die Models in unserer Werbung vollkommen in Ordnung", schreibt der Discounter als Kommentar.

Diese Strategie kommt offenbar an: Zahlreiche Facebook-Nutzer bekunden mittlerweile ihre Loyalität zum Unternehmen.

Andere reagierten mit Humor auf die Anschuldigungen: "Ich bin schockiert, dass Sie arabische Ziffern benutzen, um die Preise ihrer Waren anzugeben. Können Sie diesen vollkommen unlogischen, die europäische Kultur zerstörenden Akt erklären? Wenn Sie nicht bald normale, weiße tschechische Ziffern benutzen, werde ich künftig bei anderen Ketten einkaufen!"

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Weg vom Grabbeltisch: Lidl-Mode auf der Edelmeile

Lidl wirbt seit Kurzem verstärkt mit günstiger Designermode. Im September hatte der Lebensmittelkonzern einen Pop-up-Modeladen in Hamburgs Innenstadt eröffnet. Auch andere Discounter setzen auf ähnliche Strategien: Im Frühjahr hatte Aldi eine Kollektion von Designerin Jette Joop vorgestellt.

Der Ausländeranteil liegt in Tschechien nur bei rund 4,5 Prozent. Während der Flüchtlingskrise schottete sich das Land weitgehend gegen Schutzsuchende ab. Fremdenfeindliche Gruppen wie der "Block gegen den Islam" des Hochschuldozenten Martin Konvicka bekamen in den letzten Monaten verstärkt Zulauf.

luk/lov/dpa



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