Manager von morgen BWL-Studenten zieht es zu Großkonzernen

DaimlerChrysler, Siemens oder BMW, so heißen die Traumarbeitgeber von BWL-Studenten. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass die Industriegiganten bei jungen Betriebswirten weiter hoch im Kurs stehen. Dem Mittelstand dagegen zeigen sie die kalte Schulter.


Bewerbungstraining: Klare Vorliebe für die "Big Player"

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Viel Abwechslung und Eigenverantwortung, kurze Entscheidungswege und flache Hierarchien - für Berufseinsteiger bieten mittelständische Firmen ein gutes Umfeld. Dennoch stechen diese Trümpfe offenbar nicht. Der wirtschaftswissenschaftliche Nachwuchs hat klare Vorstellungen: Über die Hälfte träumt von einem Großkonzern als erstem Arbeitgeber, und nur jeder Dritte kann sich vorstellen, im Mittelstand zu arbeiten. Das geht aus einer aktuellen Umfrage unter 1500 BWL-Studenten hervor.

Im Auftrag der Zeitschrift "Impulse" und des Wiesbadener Softwarehauses Autinform hatte sich der Bonner Europressedienst an 19 Universitäten und Fachhochschulen umgehört. Das Ergebnis ist für Mittelständler bedrückend: Ganz oben in der Studentengunst stehen DaimlerChrysler, Siemens und BMW mit jeweils über zehn Prozent der Nennungen. Für ebenfalls attraktiv halten die angehenden Betriebswirte die Deutsche Bank, KPMG und PriceWaterhouseCoopers, gefolgt von Porsche, VW, Lufthansa und Arthur Andersen. Und in der Hitliste der Arbeitgeber stehen Großunternehmen mit deutlichem Abstand vor dem Mittelstand an erster Stelle. Für kleine Firmen zu arbeiten, können sich nur neun Prozent der Befragten vorstellen, für Behörden sogar nur drei Prozent.

Zu selten professionelles Marketing

Auch in der Liste der Wunsch-Branchen schneidet der Mittelstand schlecht ab. Jeder Dritte setzt auf eine Karriere bei Unternehmensberatungen, knapp dahinter rangieren Banken, Finanzdienstleister und Versicherungen. Die Branchen Automobil, IT/Telekommunikation und Medien sind ebenfalls begehrt. Weit abgeschlagen sind indes Maschinenbau und Handwerk, wo jeweils nur zwei Prozent der Betriebswirte starten wollen.

Jobstütze Mittelstand
DER SPIEGEL

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Ein Blick auf die Merkmale, die Betriebswirten für ihren ersten Job besonders wichtig sind, verdeutlicht die Vorzüge der Großkonzerne: Beim Wunsch nach abwechslungsreicher Arbeit sind sich die Einsteiger einig. Neben Sicherheit des Arbeitsplatzes und viel Eigenverantwortung folgen bald darauf aber auch gute Aufstiegschancen und Weiterbildungsmöglichkeiten - und da hapert es offenbar beim Mittelstand. Für weniger wichtig halten die Studenten hohen Urlaubsanspruch und viele Reisemöglichkeiten.

Die Einkommensvorstellungen der BWLer können zur Klippe für Mittelständler werden: Auf ein Einstiegsgehalt von durchschnittlich 47.000 Euro hoffen die Studenten - das dürfte viele Firmen überfordern. Aber offenbar geben sie sich bei der Talentsuche auch nicht genug Mühe. Firmen mit weniger als 500 Mitarbeitern betrieben kaum professionelles Marketing, kritisiert "Impulse". Nur selten machten sie die Manager von morgen schon vor dem Examen auf sich aufmerksam. Sie seien beispielsweise in den Vorlesungen nicht präsent und tauchten zu wenig in Online-Praktikumsbörsen auf, so das Wirtschaftsmagazin. Nur 15 Prozent der Studenten haben jemals in den Lehrveranstaltungen etwas über ein konkretes mittelständisches Unternehmen erfahren.

Studienzeiten in BWL und Jura
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Wie wichtig das Web mittlerweile bei der Informationssuche über potenzielle Arbeitgeber ist, zeigt die Umfrage ebenfalls: 57 Prozent der Studenten surfen zu Internet-Jobbörsen. Knapp die Hälfte nutzen persönliche Kontakte, ähnlich viele setzen auf Ausschreibungen in überregionalen Tageszeitungen, Aushänge in der Hochschule oder die Internet-Auftritte von Unternehmen. Jobmessen spielen mit 35 Prozent der Nennungen keine entscheidende Rolle, das Arbeitsamt ist mit 14 Prozent sogar klar abgeschlagen.

"Flagge zeigen", rät das Wirtschaftsmagazin den Mittelständlern. Um Studenten zu ködern, sollte die Personalleiter ihr Unternehmen bei Gastvorträgen oder Absolventenmessen präsentieren, Exkursionen anbieten oder gemeinsame Projekte mit Professoren starten - und das Internet mit seinen Praktikums- und Stellenbörsen auf keinen Fall verschmähen.

Jochen Leffers



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