Manager von morgen Die Elite muss zeigen, was sie kann

Sie sind jung, ehrgeizig und sahnten im vergangenen Jahr so hohe Einstiegsgehälter ab wie nie zuvor: hoch qualifizierte Berufseinsteiger. Aber die "High Potentials" begegnen auch hohen Ansprüchen der Personalchefs, wie eine aktuelle Studie zeigt.


Der elitäre Kreis der High Potentials, aus dem Unternehmen künftige Führungskräfte auswählen, umfasst ein Drittel aller Hochschulabsolventen, so ein Ergebnis der Untersuchung der Unternehmensberatung Kienbaum. Und diese hoch qualifizierten Jungakademiker sind nach wie vor gefragt in den rund 150 Unternehmen unterschiedlicher Branchen, die an der Studie teilgenommen haben - auch wenn die Unternehmen 2005 insgesamt weniger Absolventen einstellten als im Jahr zuvor. Gesucht werden vor allem Wirtschaftswissenschaftler. Sie nahmen auch schon in den vorherigen Kienbaum-Studien den ersten Platz ein. Auch Wirtschaftsingenieure und Ingenieure sind begehrt.

Berufsstart: "Höchstmaß an Eigenmotivation"
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Berufsstart: "Höchstmaß an Eigenmotivation"

Aber die Top-Nachwuchskräfte haben es schwerer als in den letzten Jahren. Mehr als ein Drittel der Konzerne gab bei der Umfrage an, die Anforderungen an die Elite der Absolventen seien gestiegen. Dass Manager von morgen schon vor dem eigentlichen Berufsstart Praxiserfahrung sammeln sollten, ist nicht neu. Doch dabei spielt die Internationalität der Bewerber eine immer größere Rolle. "Streben junge Menschen die obersten Führungsebenen an, müssen sie internationale Praktika und ein Höchstmaß an Eigenmotivation mitbringen", sagt Jochen Kienbaum, Chef der Unternehmensberatung.

Bewerber sollten mit interkultureller Kompetenz und umfangreichen Sprachkenntnissen glänzen. Englisch und eine zweite Fremdsprache reichen da nicht mehr aus, eine dritte Sprache zu beherrschen, gehört oft zu den Grundanforderungen. Vor allem größere Konzerne setzen auf Flexibilität und Mobilität. In mittelgroßen Unternehmen sind vor allem Belastbarkeit und Konfliktfähigkeit gefragt. "Bloßes Ellbogendenken ist out", so Kienbaum. Das Persönlichkeitsprofil der Bewerber entscheide, nicht nur die Abschlussnoten und Anzahl der Praktika.

Einstiegsgehälter steigen

Deshalb verlassen sich die Personalchefs nicht mehr allein auf die Bewerbungsmappe und holen zunehmend weitere Referenzen ihrer Wunschkandidaten ein. Die Bewerber mussten sich außerdem häufiger als im Vorjahr in Einzel-Assessmentcentern und Persönlichkeitstests beweisen. Auch Praktika, Diplomarbeiten und Stipendien gewinnen als Rekrutierungsmaßnahmen nach Angaben der befragten Unternehmen an Bedeutung.

Wer diese Härtetests besteht, wird dafür gut entlohnt. Topqualifizierte Einsteiger verdienten nach Angaben der Unternehmensberatung im Jahr 2005 durchschnittlich 45.000 Euro. Durchschnittliche Uni-Absolventen bekamen im Schnitt etwa 5500 Euro weniger. Besonders die promovierten High Potentials konnten sich freuen: Das Einstiegsgehalt lag bei 51.500 Euro und damit zehn Prozent höher als 2004.

Generell gab es der Kienbaum-Untersuchung zufolge für alle Einsteiger mehr Geld. Das widerspricht allerdings einer Studie der Gewerkschaft der IG Metall, die kürzlich die Betriebsräte von 30 großen deutschen Unternehmen befragte und einen Zwang zur neuen Bescheidenheit konstatierte. Demnach sanken die Einstiegsgehälter quer durch alle Fachrichtungen um fünf bis sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Jahresgehälter junger Akademiker bewegen sich aber bei den Studien von Kienbaum und der IG Metall in einer ähnlichen Spanne.

Nach Angaben der Unternehmen in der Kienbaum-Untersuchung ist ein Doktortitel nicht unbedingt erste Wahl. Im Vergleich zur Promotion wurde der MBA von fast allen Branchen bevorzugt. Insbesondere der Handel und die Konsumgüterbranche legen kaum Wert auf den Doktorgrad.

Elektronik und Informatik im Aufwind

Der Führungsnachwuchs selbst setzt nach Einschätzung der Unternehmen auf Nummer sicher. Die Manager von morgen setzen bei der Wahl des Arbeitgebers vor allem auf die Karriereperspektiven, die Zukunftsfähigkeit von Konzern und Branche, so das Ergebnis der Kienbaum-Studie. Stimmen diese Faktoren, nehmen High Potentials dafür auch eher unattraktive Standorte in Kauf.

Den größten Bedarf an gut ausgebildeten Einsteigern hatten weiterhin Industriekonzerne sowie Firmen aus der Beratungs- und Dienstleistungsbranche. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland werten die Macher der Studie das als ein "erstaunliches Ergebnis".

Künftig könnte das allerdings anders aussehen. Denn für 2006 und 2007 suchen die befragten Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe sehr viel weniger High Potentials. Nur in der Elektronik- und Informatikbranche wollen die Unternehmen deutlich mehr Absolventen einstellen als in den Vorjahren und sind dafür fast ausschließlich auf der Suche nach Führungsnachwuchs.

Den passenden Manager von morgen zu finden, der alle Anforderungen erfüllt - damit tun sich die Personalchefs trotzdem schwer. Das legt auch eine Studie der Universität Frankfurt im Auftrag des Karriereportals Monster.de nahe. Unter den etwa 150 befragten Personalleitern großer deutscher Unternehmen klagten demnach 93 Prozent darüber, nicht genügend passende Kandidaten zu finden. Auch in der Kienbaum-Untersuchung beschreiben die Unternehmen als häufigsten Grund für Misserfolg bei der Rekrutierung, dass die Bewerber nicht ihren Anforderungen entsprechen.

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