MBA-Programme Prädikat mangelhaft

Business Schools bereiten Studenten schlecht auf die Wirtschaftswelt vor. Schlimmer noch: Die Programme fördern weder Aufstieg noch Gehalt, so das harsche Urteil von zwei US-Professoren. Auch in Deutschland verspricht der MBA keine Garantie für eine steile Karriere.

Von Cornelia Geißler


Hamburg - Die meisten MBA-Programme (Master of Business Administration) der amerikanischen Business Schools seien zu theoretisch, kritisieren zwei amerikanische Wirtschaftsprofessoren in einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe des Harvard Businessmanager. Die Autoren Warren G. Bennis, Professor für Business Administration an der University of Southern California (USC), und James O'Toole, Forschungsprofessor am USC Center for Effective Organizations, werfen den Hochschulen vor, am Bedarf vorbei auszubilden.

Super-MBA: Ausbildung am Bedarf vorbei?
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Super-MBA: Ausbildung am Bedarf vorbei?

Die Wirtschaftshochschulen versäumten, "nützliche Fähigkeiten zu vermitteln, Führungskräfte angemessen vorzubereiten und Normen für ethisches Verhalten zu vermitteln - sie schaffen es nicht einmal mehr, ihren Absolventen zu guten Jobs zu verhelfen", so die Professoren.

Der Grund: Das Lehrpersonal sei mehr mit der eigenen akademischen Karriere beschäftigt als mit dem Fortkommen der Teilnehmer von MBA-Programmen. "Statt in die Welt der Wirtschaft einzutauchen, entwerfen sie Simulationen, um zu sehen, wie Menschen sich in einem kontrollierten Experiment verhalten."

Die Business Schools könnten alten Glanz nur wiedergewinnen, wenn sie sich daran erinnerten, dass Management keine Wissenschaft, sondern ein Beruf sei. Ähnlich den US-Law-Schools oder den Medizinhochschulen sollte die Ausbildung tief in der Praxis verankert sein und zudem humanistische und ethische Grundwerte vermitteln.

Auch in Deutschland gilt der MBA längst nicht mehr als Garantie für eine steile Karriere im Management. Ernst Baumann, Personalvorstand des Automobilkonzerns BMW: "Der MBA ist weder eine Eingangsvoraussetzung, noch erhält jemand mit diesem Abschluss ein höheres Einstiegsgehalt oder wird schneller befördert", so Baumann im Gespräch mit Harvard Businessmanager, "bei uns zählt Leistung, nicht der akademische Titel." Der MBA-Abschluss stelle für BMW keinen Wert an sich dar. "Wir haben insofern eine andere Haltung als Unternehmen wie etwa Siemens oder DaimlerChrysler. Es ist bei jedem Einzelnen individuell zu entscheiden, ob ein MBA Sinn macht."

Die ausführliche Analyse der beiden amerikanischen Wirtschaftsprofessoren sowie das Interview mit BMW-Personalvorstand Ernst Baumann hat der Harvard Businessmanager in der Augustausgabe veröffentlicht.



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