MBA-Studium Teuer, aber ohne Karrieregarantie

Neue Untersuchungen streuen Zweifel, ob sich eine kostspielige MBA-Ausbildung wirklich auszahlt. Rund 100.000 Absolventen mit MBA drängen jedes Jahr auf den US-Arbeitsmarkt. Die Zusatzqualifikation macht sie oft älter und ärmer, aber beruflich nicht erfolgreicher als andere Wirtschaftsstudenten.


US-Studenten: Der MBA bedeutet keine Karrieregarantie
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US-Studenten: Der MBA bedeutet keine Karrieregarantie

Gut 100.000 Dollar kann eine Ausbildung zum "Master of Business Administration" (MBA) an einer amerikanischen Top-Uni kosten. Ob sich die Investition tatsächlich lohnt, wollte Jeffrey Pfeffer herausfinden. Der Professor an der Business School der Edel-Uni in Stanford pflügte sich durch Studien der letzten 40 Jahre und konsultierte vor allem interne Untersuchungen von Unternehmensberatungen und Investmentbanken. Beide gelten schließlich als bevorzugte Arbeitgeber von Studenten mit MBA-Abschluss.

Das Ergebnis ist frappierend und für die MBA-Absolventen wenig erfreulich: Sie verdienen genau so viel wie andere Akademiker in der gleichen Branche - insgesamt hatte der Studienabschluss kaum Einfluss auf die künftige Karriere und das Einkommen, so Pfeffers Untersuchung "Harvard's great rival". "Normalerweise macht einen das einfach nur ein paar Jahre älter", lautete das lakonische Fazit von einem der Experten, die Pfeffer zitiert.

Business Schools als Kontakthof

Und dennoch hat ein MBA-Studiengang auch zahlreiche Vorteile, wie das Wirtschaftsmagazin "The Economist" berichtet: Die Studenten lernen zumeist an bereits etablierten Schulen, die sich auf ihren guten Ruf und auf ein Netzwerk an Kontakten zu den Sponsoren-Firmen verlassen können. Denn die ködern viel versprechenden Nachwuchs gern an den Business Schools: MBA-Studenten gelten als "smart, ehrgeizig, zu Opfern bereit, und sie brennen darauf, in die Geschäftswelt einzutauchen", sagt ein anderer Stanford-Professor.

In der Regel sind MBA-Absolventen älter, können dafür mit ihrer Persönlichkeit überzeugen. Die amerikanischen MBA-Schulen taugen laut "Economist" offenbar in erster Linie als Kontakthof, unabhängig von den Inhalten der Ausbildung.

Doch auch die sind umstritten. So beobachtete das Aspen-Institut einen gravierenden moralischen Umschwung während der Studiums: Wie eine Umfrage unter 2000 MBA-Studenten ergab, legten sie zum Studienbeginn mehr Wert auf Kundenbedürfnisse und Produktqualität als auf den Gewinn der Aktionäre. Gegen Ende sei das genau umgekehrt, der "shareholder value" zähle weit mehr, so die Untersuchung.

Berufsaussichten: Ein MBA ist eine teure Investition
DPA

Berufsaussichten: Ein MBA ist eine teure Investition

Seltsam auch das Ergebnis einer weiteren Studie der Organisation AASCB, die MBA-Kurse in den USA akkreditiert: MBA-Absolventen zeigten sich zwar überzeugt davon, dass kommunikatives Geschick für ihre Karriere die größte Bedeutung hat. Doch nur sechs Prozent der Business Schools gelang es, die kommunikativen Fähigkeiten ihrer Studenten wenigstens "halbwegs effektiv" zu schulen - alles andere als ein gutes Zeugnis.

Dennoch werden inzwischen 40 der 100 größten US-Unternehmen von MBA-Absolventen geführt, wie "The Economist" berichtet. Nicht zwangsläufig erfolgreich: Henry Mintzberg, Professor in Quebec und langjähriger MBA-Kritiker, beobachtete die Karrieren von 19 MBA-Absolventen aus Harvard - zehn davon hatten entweder ihren Job verloren oder die Firma musste Konkurs anmelden.

Große Unterschiede zwischen USA und Deutschland

In den USA reicht die Tradition des MBA bereits gut 100 Jahre zurück. Deutsche Hochschulen dagegen konnten sich mit dem US-Bildungssystem generell nie richtig anfreunden, wie das Beispiel der schleppenden Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen zeigt.

In der Wirtschafts-Ausbildung sind die Unterschiede zwischen den USA und Deutschland beträchtlich. Nach dem Bericht des "Economist" über den "ängstlichen Mitschüler" ist das MBA-Studium in Deutschland eher theoretisch angelegt und enthält zum Beispiel reichlich Mathematik, während die amerikanischen Business Schools auf eine kurze, kompakte Ausbildung voll mit Fallstudien setzen.

MBA-Studiengänge gibt es in Deutschland erst seit wenigen Jahren, und sie setzen sich nur langsam durch. Die Programme sind in erster Linie für Teilnehmer geeignet, die zum Beispiel auf ihren ersten Studienabschluss als Ingenieur- oder Naturwissenschaftler eine Ökonomie-Zusatzqualifikation draufsatteln wollen. Von den bisher knapp über 100 Angeboten sind rund 35 akkreditiert, 70 nicht akkreditiert. Das ermittelte die FIBAA, eine Akkreditierungseinrichtung für Management-Studiengänge in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Kaum rasche Gewinne auf dem deutschen Markt

Auch die Zahl der Absolventen ist derzeit gut überschaubar: Insgesamt etwa 1600 gibt es in Deutschland jährlich; in Großbritannien dagegen sind es 13.000. Sowohl quantitativ als auch qualitativ werden die MBA-Schmieden in den USA und Deutschland wohl noch eine ganze Weile nicht in der selben Liga spielen.

Zunehmend setzen deutsche Großkonzerne allerdings auf eine Weiterqualifizierung ihrer Mitarbeiter in Eigenregie, nicht an staatlichen Universitäten oder privaten Wirtschaftshochschulen. So wollen einige renommierte Unternehmen in Berlin die "European School of Management and Technology" gründen, Volkswagen plant eine "Auto-Uni".

Dass Deutschland aus amerikanischer Sicht zu den MBA-Entwicklungsländern zählt, weckte in den USA die Hoffnung auf florierende Partnerschaften. Die Zeitschrift "Economist" indes hält das für wenig aussichtsreich: "Deutschland, so scheint es, wird nicht überrollt werden."



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