Medizinermangel Ärzte auf der Flucht

Der Befund ist eindeutig: Mediziner gilt längst nicht mehr als Traumberuf. Die deutsche Ärzteschaft schlägt Alarm, weil ihr der Nachwuchs davonläuft. Viele Krankenhäuser können inzwischen offene Stellen nicht mehr besetzen.


Uni-Klinik (in Hamburg): Ernste Nachwuchssorgen
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Der deutschen Ärzteschaft fehlt der Nachwuchs. Das geht aus einer Studie der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hervor. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer, sagte: "Jedes zweite Krankenhaus kann offene Stellen im Dienst nicht mehr besetzen, in Ostdeutschland sind es sogar vier Fünftel der Krankenhäuser."

Im Jahr 1998 gab es noch rund 9400 Absolventen eines Medizinstudiums, 2002 waren es lediglich 8900. "Arzt im Praktikum" (AiP) wurden von den Absolventen des vergangenen Jahres nur 6700. Der Schock durch das "praktische Jahr" vor der Zeit als "Arzt im Praktikum" führe dazu, dass viele Mediziner eine andere Richtung einschlügen, sagte Hoppe. Die schlecht bezahlte AiP-Phase nach dem Studium, die der Klinikärzteverband Marburger Bund als "Ausbeutung junger Mediziner" bezeichnet hatte, soll allerdings im kommenden Jahr abgeschafft werden.

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Auch wenn es auf den ersten Blick paradox erscheine, bei 300.000 berufstätigen Ärzten von einem Mangel zu sprechen, gebe es gravierende Probleme, sagte Hoppe. Viele Ärzte arbeiteten nicht Vollzeit oder seien nicht patientenbezogen beschäftigt.

Wenn nach einem zu erwartenden Beschluss des Europäischen Gerichtshofs die Bereitschaftszeit als volle Arbeitszeit angerechnet werden müsse, werde es außerdem einen Anstieg der Ärztestellen um 15.000 bis 27.000 geben, sagte Hoppe. Die demografische Entwicklung der Bevölkerung und die Zunahme chronischer Krankheiten führten zusätzlich zu einem Anstieg der Patientenzahlen.


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