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Job & Karriere

Mütter im Beruf Doppelrolle vorwärts

Über 40 Prozent aller Akademikerinnen bleiben kinderlos. Viele befürchten, dass Kind und Karriere einfach nicht zusammenpassen. Muss das so sein? Manche großen Unternehmen helfen Müttern durch flexible Arbeitszeiten und Betriebskrippen - durchaus aus Eigennutz.
Von Peter Ilg

Im März erwartet Birgit Bohle ihr zweites Kind. "Wenn alles gut geht", schiebt sie fürsorglich nach. Nach einem halben Jahr Babypause will die diplomierte Kauffrau wieder im Job sein. Dass ihr Kind dann gut aufgehoben ist, weiß sie schon jetzt. "Mütter können im Job nur Leistung bringen, wenn sie wissen, dass es ihrem Kind gut geht", sagt Bohle.

Die Einrichtung von Betriebskinderkrippen ist Teil der Women's Initiative bei McKinsey, Bohle ist verantwortlich für das Thema Kinderbetreuung. In München, Düsseldorf und Frankfurt bietet die Unternehmensberatung ihren Mitarbeitern bereits Einrichtungen an, in denen Kinder unter drei Jahren betreut werden. Alle Krippen garantieren flexible Öffnungszeiten. Das unterscheidet sie wesentlich von den öffentlichen Betreuungsangeboten für diese Altersgruppe.

Birgit Bohle arbeitet schon seit einigen Jahren in Teilzeit, zurzeit mit 80 Prozent. Früher waren es zwischenzeitlich auch 60 Prozent, um genügend Zeit für Maria Antonia, die erstgeborene, zweieinhalbjährige Tochter zu haben. Die Beraterin ist "Associate Principal" im Frankfurter Büro und steht kurz vor der höchsten Karrierestufe, der Partnerschaft bei McKinsey.

Wenn sie auch diese Hürde nehmen sollte, wäre sie von insgesamt 120 Partnern bei McKinsey die sechste Frau. Zwar sind ein Fünftel aller Einsteiger Frauen, doch je höher die Karrierestufe, umso geringer ihr Anteil.

Kaum Frauen im Top-Management

Mit einem Frauenanteil im Top-Management von vier Prozent steht das Beratungshaus noch gut da: Die 30 deutschen Dax-Unternehmen haben 200 Vorstände, darunter aber nur eine einzige Frau, wie das ZDF unlängst berichtete.

Offensichtlich sind Familie und Beruf doch nicht so einfach vereinbar. Über 40 Prozent der heute 35- bis 39-jährigen Akademikerinnen haben keine Kinder. "Wir legen höchsten Wert auf bestausgebildete Akademikerinnen und kennen die Probleme vieler Frauen, geeignete Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder zu finden", benennt McKinsey-Chef Jürgen Kluge die Gründe für das Engagement seines Unternehmens.

Auch Diane Edfelder ist Mutter und Führungskraft in Teilzeit. Sie hat zwei Söhne im Alter von sechs und elf Jahren und leitet das Referat Frauen und Familienpolitik bei BMW in München. Sie arbeitet drei Tage pro Woche und muss für diese Zeit eine Betreuung ihrer Kinder sicherstellen. Weil andere berufstätige Mütter vor ähnlichen Anforderungen stehen, unterstützt BMW Elterninitiativen, die Kinderbetreuungsstätten organisieren.

"Wir stellen die Räumlichkeiten, das Mobiliar und übernehmen die Betriebskosten", sagt Edfelder. Die Eltern kümmern sich als eingetragener Verein um das pädagogische Konzept. Die meisten der BMW-Mütter wollten nach der Geburt möglichst rasch wieder einsteigen und stünden dabei häufig vor dem Problem, einen Krippenplatz zu bekommen. Das sei nun weitestgehend gelöst.

Dennoch bleibt häufig das schlechte Gewissen, sich nicht ausreichend um die eigenen Kinder zu kümmern. "Das haben alle", sagt Edfelder, "weil sie sich gegen die vorgegebenen Normen des Gesellschaft stellen".

"Kinder und Karriere dürfen sich nicht ausschließen", fordert Diane Edfelder. Beide Seiten, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, hätten erheblich in Ausbildung, Qualifikation und beruflichen Aufstieg investiert.

Kinder in der Kantine

Wie bei McKinsey ist es erklärtes Ziel des Unternehmens, den Frauenanteil insgesamt wie auch bei den Führungskräften zu steigern. Erste Erfolge wurden bereits erzielt: Vom Jahr 2003 auf 2004 ist der Frauenanteil um 0,4 auf 13,2 Prozent gestiegen. Der Anteil bei den Führungskräften lag zum Jahresende 2004 bei 6,6 Prozent. Für ein Technologieunternehmen sind das akzeptable Werte, wenn man bedenkt, dass nach Angaben des Vereins Deutscher Ingenieure 2004 gerade einmal 5,7 Prozent aller Ingenieur-Studenten Frauen waren.

In anderen Berufen ist das anders. Bei den Pharmazeuten stellen Frauen drei Viertel aller Absolventen. "Um einen Ausgleich zur Arbeit zu erreichen, ist es mir wichtig, dass wir unsere Mitarbeiter im Privatleben etwas entlasten", sagt Anton Schilcher, Arbeitsdirektor bei Novartis Pharma in Nürnberg. Mütter können ihre Kinder mit zum Essen in die Kantine bringen oder Mahlzeiten mit nach Hause nehmen.

Für einen sehr günstigen Preis wird auch die Kleidung gereinigt, und Novartis garantiert Krippenplätze. Das Unternehmen hat einen Frauenanteil von 53 Prozent. Auch im Management ist die Frauenquote mit 25 Prozent vergleichsweise hoch.

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