Narzisstische Hochschulchefs Die Uni, das bin ich!

Gefährliche Eigenschaft? Narziss bewunderte sich so lange selbst, bis er im Wasser ersoff
Corbis

Gefährliche Eigenschaft? Narziss bewunderte sich so lange selbst, bis er im Wasser ersoff

Von Grit Weirauch

2. Teil: "Niemand soll mich daran hindern, meine Ideen umzusetzen"


Das Beispiel Larry Ellison zeigt: Je erfolgreicher solche Menschen, ob Business-Boss, Präsident oder Professor, desto stärker treten ihre Schwächen hervor. Sie sind abhängig von der Bestätigung anderer, sie verlangen nach Bewunderung und Unterwerfung. Kritik ist dabei unerwünscht. Überaus empfindlich gegen einen Angriff auf seine Person verfügt ein Narzisst auch im Universitätsbetrieb über beste Abwehrmechanismen: Ein Student wird in der Vorlesung bloßgestellt, im Institut verbreitet der gekränkte Narzisst ein Klima der Angst, unter der sich schwer wissenschaftlich konstruktiv arbeiten lässt. Im schlimmsten Fall hebelt er im Alleingang demokratische Gremien aus.

Von all dem und den unangenehmen Folgen können Personalräte an den Universitäten ein Lied singen: Unzufriedenheit unter den Mitarbeitern, ein hoher Krankenstand oder Fluktuation am Institut, fehlende Kommunikation zwischen Belegschaft und Führungsriege. Rainer Hansel, Vorsitzender des Personalrats der Humboldt-Universität in Berlin beschreibt das Phänomen des Alleinentscheiders so: "Als Präsident kann man Visionen entwickeln, aber man läuft Gefahr, dabei die Uni zu verlieren. Nach dem Motto 'Niemand soll mich daran hindern, meine Ideen umzusetzen' wollen viele bewusst die Rückkopplung nicht. Dabei kann man nur dann eine Idee sinnvoll umsetzen, wenn man andere mitnehmen kann und wenn sie von einem großen Teil der Einrichtung getragen wird."

"Viele Studierende legen den Kopf in den Nacken"

Doch genau das ist das Perfide an der narzisstischen Persönlichkeit. Umgeben von einer riesigen Schutzmauer, glaubt solch ein Mensch, dass ihm Feedback nichts nützt. Hilfe anzunehmen fällt dieser Person besonders schwer, denn dies würde ja bedeuten anzuerkennen, dass der andere etwas hat, was man selbst benötigt. Solche Muster entwickeln sich oft über Jahrzehnte. Der Narzisst ist allerdings blind dafür. Einzig die Umwelt merkt es.

Gerade in den Universitäten galt bisher: Über destruktiven Narzissmus wurde nicht offen gesprochen, er wurde ertragen. "Das Hochschulsystem stützt das", sagt der Wirtschaftswissenschaftler und Psychologe Dr. Boris Schmidt aus Leipzig, "und viele Studierende legen den Kopf in den Nacken". Und auch Personalrat Hansel will nicht nur eine Schwäche der Persönlichkeit erkennen, sondern auch ein strukturelles Problem durch die kritiklose Übertragung von Traditionen, wie sich schon im "Rekrutierungsmechanismus" zeige. "Bei jedem kleinen Referatsleiter wird ein Assessment-Verfahren angewendet, aber welcher Uniprofessor muss ins Assessment-Center?", fragt sich Hansel.

In solch einem Assessment-Center würde sich zeigen, wie teamfähig manch führender Wissenschaftskopf wirklich ist und welche Eigenschaften unter Stress und Belastung zutage treten. Zuviel Eigenliebe würde überall dort behindern, wo es darum gehe, konstruktiv und mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten, wo immer das gebraucht werde, ob in den Sozial-, Geistes- oder Naturwissenschaften, sagt Wissenschaftscoach Schmidt. "Wenn jemand wie Gott da vorne steht, gibt es keine Entwicklung und keine neue Lehre."

Ist Narzissmus männlich?

Die Romanistin und Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Barbara Vinken von der Ludwig-Maximilians-Universität in München hält Narzissmus in jedem Fall für kontraproduktiv. Ein guter Wissenschaftler dürfe sich nicht wie Narziss in der Mythologie in seinem Forschungsgegenstand spiegeln. Stattdessen fordert sie Leidenschaft für eine Disziplin. "Gute Forschung ist zutiefst antinarzisstisch", sagt die Professorin. Wissenschaft bräuchte Unbedingtheit, Demut und Hingabe. Vinken unterscheidet denn auch Forschung von "nicht gerade intrinsisch motivierten Institutionskarrieren", in die sich viele kompensatorisch flüchteten.

Narzissten hat Vinken viele gesehen in ihrer Karriere. Für sie ist Narzissmus "ein spezifisch männliches Phänomen". Frauen neigten weniger dazu, sagt sie. Ein Problem also, dem ausschließlich Männer erliegen? Jein. Die grandiose Form des Narzissmus - jemand, der sich größer macht, als er ist - trete in der Tat häufiger bei Männern auf, bestätigt die Münchner Psychologin Bärbel Wardetzki. Aber auch bei Frauen finde man hin und wieder Narzissmus, wenn auch eher versteckt, als Äußerung depressiver Stimmungen.

insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
makutsov 17.12.2010
1. Blödsinn
Der Artikel ist schwammiger Unfug. Wie allen psychischen Krankheiten, liegt auch der Narzistischen Persönlichkeitsstörung ein normaler Teil des Verhaltensspektrums zu Grunde. Jeder Mensch ist "narzistisch" einige unterdurchschnittlich, andere überdurchschnittlich und einige eben extrem, und das sind dann die narzistischen Persönlichkeitsgestörten. So eine Störung macht einen nur leider weder klug noch zwangsweise erfolgreich. Klar, man kann einige Menschen immer und alle Menschen eine Zeit lang hinters Licht führen, aber auch die Gesellschaft weiß sich gegen Ausbeutung zu wehren. Hier wird deshalb auf einem schwammigen Niveau ohne Datengrundlage argumentiert und am Ende nur triviales wiedergekäut. Eins ist aber definitiv falsch, und das ist, zu glauben, dass ein wirklicher Narzisst in einer Führungsposition wirklich Vorteile hätte. Jemand mit narzistischen Tendenzen vielleicht, aber ein ausgeprägter Narzisst: nein. Das endet so wie das Dritte Reich, ein Staat der entscheidend durch Narzissten geprägt wurde (soviel zu Gegenwartsneurose...), nämlich in der Katastrophe.
kästchen 17.12.2010
2. ...
Gut zu wissen, dass jetzt sogar schon handfeste Persönlichkeitsstörungen ja nur noch eine Neurose sind, solange man daraus Profit in irgendeinem Sinne schlagen kann.
causal 17.12.2010
3. naja, der artikel bewegt sich
hart an der grenze. die profilierungssucht, die manie der paper-production (AUS ALT MACH NEU; immer wieder durch den melitta-filter); die experto-kratie; das gefeilsche um drittmittel etc. pp. inclusive des tyrannischen gehabes, der arschkriecherei der adepten und anwärter, all das ist hinlänglich und seit jahrzehnten bekannt. eine art kultur-, wissenschafts- medizin-, jura- und ingenieursbeschäftigungs-therapie, die münden kann im dekanat, rektorat und dem bundesverdienstkreuz für irgendwas-dann-auch. so werden diese menschen glücklich. jedoch sollte die dfg einfache fragen stellen (tut sie nicht, da man unter sich blebt), nämlich: um wieviel % mehr slawistik-abgänger habt ihr von 2004-2010 denn vorzuweisen? und das in kombination mit handelsrecht, internationalem recht etc.
roterschwadron 17.12.2010
4. Wir sind Narzisst!
Wenn man den Artikel genauer liest, spürt man dahinter nicht nur die Raffinesse, die geradezu typisch für einen kalkulierenden Narzissten ist, sondern sieht auch das Anliegen: es soll Glauben gemacht werden, die Gesellschaft brauche künftig an jeder Ecke einen Coach, der die unabhängigen Schäfchen auf ihren psychischen Irrwegen gnädig einsammelt und dem Staatsziel "Produktivität" wieder zuführt. Und genau hier liegt das Problem: im System selber, das längst zu einem großen Irrenhaus geworden ist, in dem psychisch Gestörte das Sagen haben und die Normalen entweder gegenüber ihrer Ausbeutung keine Gegenwehr leisten, also als gesellschaftskonform und damit psychisch gesund gelten, oder aber in irgendeiner Weise "behandlungsbedürftig" sind. Kaum jemand schafft es besser, seine eigene psychische Störung auf seinem Mitmenschen abzwälzen, als der Narzisst. Und die "Perversion" ist der Mechnismus, der hierbei zur Anwendung kommt: immer ist jemand anderer schuld, wenn etwas schiefläuft, immer hat der andere ein "Defizit" oder eine "Störung", wenn etwas nicht nach dem unreflektieren Weltbild des Narzissten läuft. Und immer wird jeder noch so sachliche und vernünftige Versuch, gegen die pervertierte Weltsicht des Narzissten anzugehen, von diesem sofort als Ausdruck dieser "Störung" interpretiert. Wir alle kennen solche Leute nicht nur in höchsten Spitzenämtern in Politik und Wirtschaft. Überall in dem seit vielen Jahren wie ein Krebsgeschwür wuchernden System der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft, sind solche Leute an strategisch wichtigen Positionen auch "weiter unten" positioniert. Der "Sachbearbeiter" beim Arbeitsamt, der einem einzureden versucht, daß Arbeitslosigkeit immer nur selbstverschuldet sein kann, gehört genauso dazu, wie der Therapeut oder Coach, der außer seinem eigenen wirtschaftlichen Interesse mur das Anliegen verfolgt, den Klienten wieder "fit" zu machen, "Fitmachen", das heißt, ihn solange schleifen und feilen, bis die dadurch zerstörte Persönlichkeit wieder ins System passt. Der Coach als Aufseher im geistigen Arbeitslager des globalisierten Narzissmus'.
Lampenluft 17.12.2010
5. Personen mit narzistischen Persönlichkeitsstörungen - Problemfälle der Universitäten
Neben anderen fachlichen Ungenauigkeiten setzt der Artikel Personen mit stark narzistischen Zügen nahezu gleich mit intellektueller, hoher Begabung. Das sind jedoch zwei paar Schuhe. Ein wesentliches Problem von Hochschulprofessoren mit narzistischer Persönlichkeitsstörung ist es, fast jegliche Wissenschaft an einem Institut zu töten, da nichts z.B. "höher" oder "anerkannter" sein darf als sie. Das heißt in solchen Strukturen gibt es kaum bis gar keine Habilitationen, wenige fertig gestellte Doktorarbeiten in Instituten mit authoritärem Führungsstil auf der Basis von Angst und Kontrolle. Das Wesentliche, dass viel dieses Glanzes auf der Basis von wissenschaftlichem Diebstahl, d.h. auf der Arbeit anderer unter Weglassung deren Namen entsteht wird, wie so oft, verschwiegen. Es bleibt daher zu hinterfragen, wer wirklich die Leistung erbracht hat, mit denen eine Person mit narzistischer Persönlichkeitsstörung in universitären Kreisen glänzt. Dieses Thema wird gesellschaftlich gänzlich tot geschwiegen. Studentische Evalutationen sind ohne Belang und bieten keine Kontrolle, da Studenten oftmals dem Glanz des Narzisten in den kurzen Begegnungen im Hörsaal erliegen und dies keine Diskussionsplattform ist. Aufgrund des authoritären Führungsstiles sind offene Mitarbeiterbefragungen wertlos. Maßstabkriterien bieten Krankenstand, Personalfluktuation und Personalratseinschaltungen sowie die Anzahl der wirklich wissenschaftlich tätigen Mitarbeiter, die bleiben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.