Narzisstische Hochschulchefs Die Uni, das bin ich!

Gefährliche Eigenschaft? Narziss bewunderte sich so lange selbst, bis er im Wasser ersoff
Corbis

Gefährliche Eigenschaft? Narziss bewunderte sich so lange selbst, bis er im Wasser ersoff

Von Grit Weirauch

3. Teil: Narzissten-Kontrolle durch Evaluation: "Es gab noch nie so viel Feedback"


Ursache sind häufig Minderwertigkeitsgefühle. In dieser Variante, mit einem hohen Perfektionsdrang, kann er auch Nachwuchswissenschaftler befallen und daran hindern, ihre Doktorarbeit fertig zustellen. Daran sei schon manche Wissenschaftskarriere zerbrochen, gibt auch Literaturwissenschaftlerin Vinken zu bedenken.

Wenn auch nicht gefeit vor krankhaftem Narzissmus, so sind Frauen doch besser geimpft. Schließlich haben viele der weiblichen Führungskräfte in den letzten Jahren Mentoring, Trainings oder Coaching-Programme durchlaufen, um an die Spitze von Wissenschaftsmanagement und Forschung zu gelangen. Dabei kamen sie nicht umhin, ihre Stärken und Schwächen zu analysieren und gespiegelt zu bekommen.

Schutz vor der Egomanie

Ginge es nach dem Psychologen Gerhard Dammann, müssten mehr narzisstische Führungskräfte in Universitäten zu einem Coach, damit ihre starken Fähigkeiten nicht durch die Schwierigkeiten selbst verdunkelt würden. "Es gibt Fälle, da muss sich die Hochschulleitung Gedanken machen, wie sie eine zwar brillante Person, die aber in der Lehre oder im zwischenmenschlichen Umgang erhebliche Defizite hat, halten will." Das würde nur über verordnete Weiterbildung - sozusagen auf Rezept - gehen.

Doch auch ohne Pflichtcoaching hat laut Wissenschaftscoach Schmidt in den Universitäten bereits ein Wandel begonnen, "in ganz kleinen Schritten". Denn der Nachwuchs hat die Bedeutung von Coaching für die eigene Führungstätigkeit erkannt und daraus gelernt.

Corbis
Sie gehen immer gern voraus? Wenn eine Idee nicht von Ihnen ist, kann sie so gut gar nicht sein? Erfahren Sie mit 20 Fragen (bereitgestellt vom Verlag Hans Huber), wie viel Narzisst in Ihnen steckt: mit dem Narzissmus-Test!
Außerdem sieht Schmidt gegenläufige Tendenzen. Zum einen befördere der Exzellenzwettbewerb zwar narzisstische Tendenzen, zum andern "habe es noch nie so viel Feedback gegeben" - ob in Form von Programmakkreditierung, externen Gutachtern oder Studentenbewertungen. "Das führt zu einem anderen Bewusstsein: Die Professoren bekommen mit, dass ihr Tun Konsequenzen hat, die ihnen mitgeteilt werden, negative wie positive", sagt Schmidt.

Manch altehrwürdige Universität, die in ihrer Herrlichkeit ruhte und keinen Gedanken an die Narzissten in ihren Reihen verschwendete, musste denn auch erwachen, als Provinz-Unis ihr den Rang abliefen. Und wenn Studenten ihre Profs bewerten können, wird es für diese immer schwieriger, sich in einem Schutzwall vor Kritik und Bewertung abzuschotten. Wer es trotzdem tue, werde sich im Wissenschaftswettbewerb, in Zeiten von Netzwerken und Teamarbeit, schlechter behaupten, glaubt Schmidt.

Hin und wieder "einen Verdacht säen"

Visionäre Ideen, ein Wände einreißender Tatendrang und die Tendenz zum Größenwahn - wie viel Narzissmus braucht aber nun ein Chef? Interessant ist auch die Frage, wie man ihn davor bewahrt, nicht aus der Kurve zu fliegen, möge er noch so eitel sein. Es sei eine Sache der Dosis, sagt Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken. "Man muss auf seine Mitarbeiter hören und auf sie eingehen können." Letztlich helfe ihr bei "zu viel Besessenheit" die Fähigkeit, über sich selbst lachen zu können.

Sich Feedback einzuholen und eine respektvolle Analyse seines Selbst und der Anderen zu erlernen, schützten am besten vor Überschätzung der eigenen Arbeit und Position, meint auch Boris Schmidt. "Wir brauchen an den deutschen Universitäten Innovatives, die Liebe zu den eigenen Ideen und manchmal die Abschottung gegenüber Kritik, um das durchzuziehen. Aber man muss die Balance finden."

Schmidt hält es deswegen für wichtig, immer wieder "einen Verdacht zu säen", um ins Bewusstsein eines Narzissten zu bringen, dass es auch an der eigenen Persönlichkeit liegen könne. Nur das muss letztlich jeder für sich entscheiden.

Grit Weirauch ist Journalistin in Berlin, ihr Text erschien im Hochschulmagazin "duz"

insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
makutsov 17.12.2010
1. Blödsinn
Der Artikel ist schwammiger Unfug. Wie allen psychischen Krankheiten, liegt auch der Narzistischen Persönlichkeitsstörung ein normaler Teil des Verhaltensspektrums zu Grunde. Jeder Mensch ist "narzistisch" einige unterdurchschnittlich, andere überdurchschnittlich und einige eben extrem, und das sind dann die narzistischen Persönlichkeitsgestörten. So eine Störung macht einen nur leider weder klug noch zwangsweise erfolgreich. Klar, man kann einige Menschen immer und alle Menschen eine Zeit lang hinters Licht führen, aber auch die Gesellschaft weiß sich gegen Ausbeutung zu wehren. Hier wird deshalb auf einem schwammigen Niveau ohne Datengrundlage argumentiert und am Ende nur triviales wiedergekäut. Eins ist aber definitiv falsch, und das ist, zu glauben, dass ein wirklicher Narzisst in einer Führungsposition wirklich Vorteile hätte. Jemand mit narzistischen Tendenzen vielleicht, aber ein ausgeprägter Narzisst: nein. Das endet so wie das Dritte Reich, ein Staat der entscheidend durch Narzissten geprägt wurde (soviel zu Gegenwartsneurose...), nämlich in der Katastrophe.
kästchen 17.12.2010
2. ...
Gut zu wissen, dass jetzt sogar schon handfeste Persönlichkeitsstörungen ja nur noch eine Neurose sind, solange man daraus Profit in irgendeinem Sinne schlagen kann.
causal 17.12.2010
3. naja, der artikel bewegt sich
hart an der grenze. die profilierungssucht, die manie der paper-production (AUS ALT MACH NEU; immer wieder durch den melitta-filter); die experto-kratie; das gefeilsche um drittmittel etc. pp. inclusive des tyrannischen gehabes, der arschkriecherei der adepten und anwärter, all das ist hinlänglich und seit jahrzehnten bekannt. eine art kultur-, wissenschafts- medizin-, jura- und ingenieursbeschäftigungs-therapie, die münden kann im dekanat, rektorat und dem bundesverdienstkreuz für irgendwas-dann-auch. so werden diese menschen glücklich. jedoch sollte die dfg einfache fragen stellen (tut sie nicht, da man unter sich blebt), nämlich: um wieviel % mehr slawistik-abgänger habt ihr von 2004-2010 denn vorzuweisen? und das in kombination mit handelsrecht, internationalem recht etc.
roterschwadron 17.12.2010
4. Wir sind Narzisst!
Wenn man den Artikel genauer liest, spürt man dahinter nicht nur die Raffinesse, die geradezu typisch für einen kalkulierenden Narzissten ist, sondern sieht auch das Anliegen: es soll Glauben gemacht werden, die Gesellschaft brauche künftig an jeder Ecke einen Coach, der die unabhängigen Schäfchen auf ihren psychischen Irrwegen gnädig einsammelt und dem Staatsziel "Produktivität" wieder zuführt. Und genau hier liegt das Problem: im System selber, das längst zu einem großen Irrenhaus geworden ist, in dem psychisch Gestörte das Sagen haben und die Normalen entweder gegenüber ihrer Ausbeutung keine Gegenwehr leisten, also als gesellschaftskonform und damit psychisch gesund gelten, oder aber in irgendeiner Weise "behandlungsbedürftig" sind. Kaum jemand schafft es besser, seine eigene psychische Störung auf seinem Mitmenschen abzwälzen, als der Narzisst. Und die "Perversion" ist der Mechnismus, der hierbei zur Anwendung kommt: immer ist jemand anderer schuld, wenn etwas schiefläuft, immer hat der andere ein "Defizit" oder eine "Störung", wenn etwas nicht nach dem unreflektieren Weltbild des Narzissten läuft. Und immer wird jeder noch so sachliche und vernünftige Versuch, gegen die pervertierte Weltsicht des Narzissten anzugehen, von diesem sofort als Ausdruck dieser "Störung" interpretiert. Wir alle kennen solche Leute nicht nur in höchsten Spitzenämtern in Politik und Wirtschaft. Überall in dem seit vielen Jahren wie ein Krebsgeschwür wuchernden System der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft, sind solche Leute an strategisch wichtigen Positionen auch "weiter unten" positioniert. Der "Sachbearbeiter" beim Arbeitsamt, der einem einzureden versucht, daß Arbeitslosigkeit immer nur selbstverschuldet sein kann, gehört genauso dazu, wie der Therapeut oder Coach, der außer seinem eigenen wirtschaftlichen Interesse mur das Anliegen verfolgt, den Klienten wieder "fit" zu machen, "Fitmachen", das heißt, ihn solange schleifen und feilen, bis die dadurch zerstörte Persönlichkeit wieder ins System passt. Der Coach als Aufseher im geistigen Arbeitslager des globalisierten Narzissmus'.
Lampenluft 17.12.2010
5. Personen mit narzistischen Persönlichkeitsstörungen - Problemfälle der Universitäten
Neben anderen fachlichen Ungenauigkeiten setzt der Artikel Personen mit stark narzistischen Zügen nahezu gleich mit intellektueller, hoher Begabung. Das sind jedoch zwei paar Schuhe. Ein wesentliches Problem von Hochschulprofessoren mit narzistischer Persönlichkeitsstörung ist es, fast jegliche Wissenschaft an einem Institut zu töten, da nichts z.B. "höher" oder "anerkannter" sein darf als sie. Das heißt in solchen Strukturen gibt es kaum bis gar keine Habilitationen, wenige fertig gestellte Doktorarbeiten in Instituten mit authoritärem Führungsstil auf der Basis von Angst und Kontrolle. Das Wesentliche, dass viel dieses Glanzes auf der Basis von wissenschaftlichem Diebstahl, d.h. auf der Arbeit anderer unter Weglassung deren Namen entsteht wird, wie so oft, verschwiegen. Es bleibt daher zu hinterfragen, wer wirklich die Leistung erbracht hat, mit denen eine Person mit narzistischer Persönlichkeitsstörung in universitären Kreisen glänzt. Dieses Thema wird gesellschaftlich gänzlich tot geschwiegen. Studentische Evalutationen sind ohne Belang und bieten keine Kontrolle, da Studenten oftmals dem Glanz des Narzisten in den kurzen Begegnungen im Hörsaal erliegen und dies keine Diskussionsplattform ist. Aufgrund des authoritären Führungsstiles sind offene Mitarbeiterbefragungen wertlos. Maßstabkriterien bieten Krankenstand, Personalfluktuation und Personalratseinschaltungen sowie die Anzahl der wirklich wissenschaftlich tätigen Mitarbeiter, die bleiben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.