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Ungewöhnliche Studentenjobs: Heute Birmingham, morgen Tokio

Foto: Simon Anhorn

Ungewöhnliche Studentenjobs Ja, dafür werden wir bezahlt

Sie fliegen als Kurier für wertvolle Ware um die ganze Welt, fotografieren glückliche Jawort-Sager oder simulieren für Ärzte schwerkranke Patienten. Fünf Studenten erzählen von Nebenjobs, die man nicht einfach so nebenbei findet.

Nicht jeder will an der Bar Drinks mixen oder beim Kopieren einstauben. Viele Studenten suchen Nebenjobs, die sie fordern - und Spaß machen. Immerhin knapp zwei Drittel der Studenten arbeiten nebenher oder studieren neben der Arbeit, durchschnittlich verdienen sie so 323 Euro im Monat. Am besten passen dabei Jobs, die sich gut in den Uni-Alltag integrieren lassen, die anständig Geld bringen - und nicht allzu öde sind.

Yannick, Anne, Simon, Denis und Hanke haben solche Jobs gefunden: Sie fliegen als Kurier, führen durchs Museum, fotografieren Hochzeiten, fahren Straßenbahn und simulieren todkranke Patienten im Krankenhaus.

Hier erzählen sie von ihrem ungewöhnlichen Arbeitsalltag:

Foto: Privat

Der On-Board-Kurier Yannick Müller, 25, studiert Wirtschaftspsychologie in Idstein

"Das Telefon klingelt, ich werde gefragt, ob ich fliegen kann, und es geht los, zu jeder Uhrzeit: Zu Hause liegt immer ein halbgepackter Koffer mit Hygiene-Beutel und Unterwäsche.

Als On-Board-Kurier transportiere ich wertvolle Ware, die schnellstmöglich ankommen muss. Ich hatte schon so ziemlich alles dabei: Messtechnik, Bauteile, Verträge oder sündhaft teure Flugzeugteile. Vor Kurzem holte ich einen Reisepass mit Visum in der Schweiz und brachte ihn nach Kanada. Wenig später war der Empfänger damit auf dem Weg nach China.

Mir gefällt es, Verantwortung zu haben. Auch wenn es natürlich oft stressig ist: Wir versuchen wirklich alles, um pünktlich zu sein, zur Not buchen wir einen Charter-Flug.

Einmal wollte ich nach Birmingham, doch ich saß wegen einer Panne des Fliegers nachts am Flughafen Frankfurt fest. Alles war eingecheckt und es war wirklich schwierig, jemanden zu finden, der mir meine Fracht - 25 Pakete mit insgesamt 600 Kilogramm Gewicht - wieder aus dem Gepäcktransport zieht. Letztlich sind wir nach Frankfurt/Hahn gefahren und von dort mit dem Charter nach Großbritannien geflogen.

Hin muss es schnell gehen, der Rückflug ist nicht mehr zeitkritisch. In Tokio hatte ich mal ein paar Tage und konnte mir noch die Stadt angucken. Die Flüge bezahlt der Kunde, und wenn es zurück nur noch teure Business-Class-Flüge gibt, bleibe ich länger am Auftragsort. Pro Auftrag verdiene ich zwischen etwa 150 und 500 Euro, je nachdem, wie weit ich fliege, zuzüglich Spesen.

In der Uni muss ich mir meine Zeit gut einteilen. Manchmal lande ich um 8 Uhr und sitze schon um 9 Uhr in der Uni. Oft lerne ich im Flugzeug oder in Hotels. Einmal habe ich auch eine Prüfung verpasst: In Frankfurt war Schneechaos, ich kam nicht rechtzeitig aus Chicago zurück. Zum Glück war der Dozent kulant."

Foto: Simon Anhorn

Der Hochzeitsfotograf Simon Anhorn  , 23, studiert Sonderschullehramt in Wien

"Der stressigste Moment ist das Gruppenbild: Die Hälfte ist versteckt oder hat die Augen zu, und zeitlich passt es auch nie. Ist das überstanden, kann ich auch die Hochzeit genießen. Ich bemühe mich einzutauchen, um eine authentische Atmosphäre einzufangen, und tanze auch gern mit. Das größte Kompliment ist, wenn ich gefragt werde, ob ich zur Braut oder zum Bräutigam gehöre.

Meine erste Hochzeit fotografierte ich mit 15, das Brautpaar waren Bekannte, und die Blitzanlage gehörte der Foto-AG meiner Schule. 400 Euro waren der Lohn - mittlerweile verdiene ich das Vier- bis Fünffache.

Das klingt nach viel, aber meine Ausrüstung hat knapp 30.000 Euro gekostet. Außerdem lege ich ja nicht erst am Hochzeitstag los. Meist fragt das Brautpaar ein Jahr vorher an, und wir treffen uns zum ersten Mal.

Meist reise ich schon am Donnerstag von Wien nach Deutschland, packe am Freitag, begleite am Samstag 15 bis 18 Stunden die Feier und reise am Sonntag zurück. Dann muss ich die Bilder noch bearbeiten.

Ich versuche, im Wintersemester mehr zu studieren und das Sommersemester schnell abzuhaken, weil dann die Saison losgeht. Zehn bis 15 Hochzeiten schaffe ich so im Jahr.

Gute Vorbereitung ist entscheidend, nichts ist peinlicher als eine volle Speicherkarte beim Jawort. Ich bin durch den Job auch extrem vorsichtig: Bei Gewitter schalte ich den Computer aus und ziehe alle Stecker. Speicherkarten verstaue ich wasserdicht, und eine Festplatte mit den aktuellsten Bildern liegt immer bei einem Kumpel. Gerade spare ich auf ein Auto, damit ich meine Ausrüstung besser transportieren kann."

Foto: Angelika Köhler

Die Schauspielpatientin Hanke Wilsmann, 26, studiert Angewandte Theaterwissenschaften

"Bei den Übungen heißt es schon mal: 'Der Arzt ist aufgeregt, brich nicht gleich in Tränen aus.' Ein paar Mal im Semester arbeite ich als Schauspielpatientin. Die Blockkurse sollen die angehenden Ärzte auf den Berufsalltag vorbereiten, quasi Rhetoriktraining für Medizinstudenten.

Ich spiele dabei eine Grundfigur in verschiedenen Ausführungen: beispielsweise eine Krebspatientin - mit Vorwissen oder ohne, mit besonders heftigen Reaktionen, mit Familie oder festem Partner. Wenn Gespräche nicht klappen, ist oft die Aufregung schuld. Dann versuchen die Studenten, ihren Fragenkatalog schnell zu bewältigen. Dabei braucht es vor allem Zeit und Ruhe.

An ein besonders tolles Gespräch kann ich mich erinnern: Die Studentin stärkte mich sehr. Ich hatte über meine Rolle hinaus das Gefühl, dass sie emotional auf mich eingeht, da war ich sehr beeindruckt.

Ich suche mir selbst aus, in welcher Reihenfolge ich die Rollen spiele, pro Student dauert es ungefähr eine Viertelstunde; der ganze Kurs schaut zu. Hinterher kann sich der Student eine Aufzeichnung anschauen, seine Kommilitonen, der Dozent und ich geben Feedback. Auch ich bekomme regelmäßiges Feedback-Training. Zur Vorbereitung auf die Rollen bekamen wir Schauspielunterricht, zudem tauschen wir uns regelmäßig aus.

Den Job habe ich seit dem ersten Semester. Andere Schauspielpatienten, etwa Rentner, arbeiten ehrenamtlich, ich verdiene zwölf Euro in der Stunde. Weil die Kurse jedoch nicht wöchentlich stattfinden, habe ich noch andere Nebenjobs - unter anderem verbuche ich in der Bibliothek Bücher und fotografiere.

Mein Studium ist breitgefächert, deswegen lohnt es sich, sich nebenher etwas aufzubauen. In meinem letzten Mastersemester arbeite ich oft zwischen 28 und 46 Stunden wöchentlich. Dieses Jahr werde ich wohl zum ersten Mal Steuern zahlen müssen. Das finde ich nicht schlimm, denn auch nach dem Studium soll es mit der Freiberuflichkeit klappen."

Foto: Privat

Der Straßenbahnfahrer Denis Newiak, 25, studiert Filmwissenschaften in Berlin

"Nehme ich damit jemandem die Arbeit weg? Das fragte ich mich zuerst, als ich hörte, dass die Verkehrsbetriebe in Potsdam mehr Studenten als Fahrer beschäftigen wollen - auf Minijob-Basis, pauschal versteuert. Das Unternehmen hat jedoch Nachwuchssorgen und will die Festangestellten entlasten. Als Student bin ich flexibler einsetzbar und arbeite gern am Wochenende.

Vor einem Jahr bewarb ich mich deshalb als Straßenbahnfahrer und durfte die Ausbildung beginnen: zwei Wochen Theorie, mehrere Wochen Praxis. Voraussetzung war der normale Führerschein und ein Gesundheitstest. Bei dem wird neben einem Seh- und Hörtest auch gecheckt, ob man psychisch fit ist. Insgesamt dauert es zwei bis drei Monate, bis man selbst Schichten fahren darf. Die Ausbildungszeit ist komplett unbezahlt, später verdient man etwas über dem Mindestlohn.

Ich hätte nicht erwartet, dass Straßenbahnfahrer so ein Knochenjob ist. Ich muss immer aufmerksam sein und vor allem Fehler von anderen einkalkulieren - es kommt oft vor, dass Autofahrer oder Fußgänger noch direkt vor der Bahn über die Schienen wollen.

Ich bin in Potsdam groß geworden und habe hier auch meinen Bachelor gemacht, aber als Straßenbahnfahrer erlebe ich meine Stadt noch mal aus einer anderen Perspektive. Ich mag besonders lange Strecken und freue mich, wenn Bekannte mir zuwinken.

Nach dem Studium will ich promovieren, da kann ich gut weiterhin jobben. Auch wenn Straßenbahnfahrer nicht mein Lebensziel ist: Es ist ein beruhigendes Gefühl, die Ausbildung zu haben und etwas zu machen, das anderen nützt."

Foto: Robert Pampuch/ DHMD

Die Museumsführerin Anne Berger, 25, studiert Sprach- und Kulturwissenschaften in Dresden

"Vor zwei Jahren bewarb ich mich initiativ als Gästeführerin am Deutschen Hygiene-Museum in Dresden. Das war mein Glück - denn normalerweise gibt es Ausschreibungen und mehrere Auswahlrunden. Da hätte ich bestimmt nicht so gut abgeschnitten, denn damals habe ich nicht so gern vor Leuten gesprochen und Referate lieber gemieden. Inzwischen bin ich viel sicherer geworden.

Da ich schon Berufserfahrung und einen Studienabschluss als Sozialpädagogin hatte, durfte ich im Kindermuseum anfangen. Dort zeige ich regelmäßig die Dauerausstellung über die fünf Sinne. Außerdem betreue ich Kindergeburtstage. Bevor ich selbst Führungen geben durfte, habe ich bei anderen hospitiert und Fortbildungen besucht.

Ich bekomme kein Bafög und kein Kindergeld mehr, auch die Krankenversicherung zahle ich selbst. Ich bin froh, dass mich meine Eltern noch unterstützen, arbeite aber trotzdem viel. Als studentische Museumsführerin bin ich drei- oder viermal in der Woche im Museum und komme auf bis zu 15 Stunden.

Ich hatte schon verschiedene Nebenjobs, aber dieser gefällt mir am besten. Ich kann mir mittlerweile gut vorstellen, später im Bereich Bildung zu arbeiten. Daraus hat sich auch das Thema für meine Bachelor-Arbeit entwickelt: Ich entwerfe auf linguistischer Ebene das Konzept für einen Ausstellungsraum."

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