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Nervenabrieb im Klassenzimmer Fast jeder zweite Lehrer bedroht oder beleidigt

Lehrer leiden stark unter verbalen oder sogar körperlichen Attacken ihrer Schüler, so das Ergebnis einer Studie der Uni Freiburg. Der Schulstress macht demnach jeden dritten Lehrer psychisch mürbe oder krank.

Nahezu jeder zweite Lehrer an allgemein bildenden Schulen ist von seinen Schülern bereits beleidigt oder bedroht worden, hat eine Studie der Universität Freiburg ergeben. 43 Prozent der befragten Lehrer seien in den vergangenen zwölf Monaten das Ziel von massiven verbalen Angriffen geworden - besonders an Hauptschulen. 53 Prozent der dort befragten Lehrer seien Opfer einer Bedrohung geworden.

Lehrer seien mit einer wachsenden Gewaltbereitschaft konfrontiert, sagte Psychotherapeut Joachim Bauer: "Das in der Untersuchung deutlich gewordene Ausmaß an Bedrohung und Gewalt, dem Lehrer ausgesetzt sind, ist Besorgnis erregend", so der Leiter der Studie. Die Arbeitsgruppe der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Freiburger Universitätsklinik Freiburg untersuchte die berufliche und gesundheitliche Belastung von Lehrern Sie befragte 950 Pädagogen an 70 Hauptschulen und 19 Gymnasien in und um die Stadt Freiburg.

Meist sind Lehrer Beleidigungen und Bedrohungen von Schülern ausgesetzt. Sieben Prozent der befragten Lehrer hätten aber auch Beschädigungen persönlichen Eigentums erlebt. 1,4 Prozent seien Opfer körperlicher Gewalt geworden. "Als Mediziner würde ich wahrscheinlich meinen Beruf aufgeben, wenn mich jeder 20. Patient mit Gewalt bedrohen würde", kommentierte Bauer gegenüber der Tageszeitung "Die Welt" (Samstagsausgabe).

"Lehrerberuf ist ein Beziehungsberuf"

Die Folge: Knapp 30 Prozent der Lehrer litten an Stress- und Belastungssymptomen, besonders an Schlafstörungen und Depressionen, berichteten die Forscher. Grund könne ein Übermaß an Verausgabung bei fehlender Anerkennung sein. 22 Prozent seien der Ansicht, dass ihre Arbeit zu wenig gewürdigt werde. Schulische Lehrkräfte verdienten mehr Wertschätzung für ihre Arbeit, sagte Bauer. Die öffentliche Stimmungsmache gegen Lehrer müsse aufhören.

"Lehrer verdienen mehr Wertschätzung und Anerkennung für die von ihnen geleistete Arbeit", sagte Bauer. "Dringend erforderlich ist eine Vermenschlichung des schulischen Arbeitens." Dies könne durch mehr Sport sowie durch mehr Kreativität erreicht werden - am besten in einer Ganztagsschule. Gefordert seien aber auch die Eltern. Diese dürften die Erziehung ihrer Kinder nicht alleine der Schule überlassen, sagte Bauer.

Die Forscher forderten, bei der Ausbildung schulischer Lehrkräfte dürfe nicht nur auf fachliche Aspekte geachtet werden. Angehende Lehrer müssten auch mit psychologischer Kompetenz ausgestattet werden. "Der Lehrerberuf ist ein Beziehungsberuf", sagte Bauer. "Viele Lehrkräfte verfügen über kein ausreichendes Wissen darüber, wie man gelingende Beziehungen gestaltet, vor allem dann, wenn man es mit zunehmend schwierigen Partnern zu tun hat."

cpa/dpa/ap

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