Netzwerker erzählen Schluss mit dem Einzelkämpfertum

In Unternehmen trifft man jeden Tag die Kollegen, Netzwerke entstehen fast beiläufig. Für Selbstständige ist das anders. Sie setzen verstärkt auf Kontaktpflege mit System. Gemeinsam statt einsam - drei Freiberufler und eine Doktorandin berichten.

Von Dirk Schneider und


Kurz nach dem Abitur oder in den ersten Uni-Semestern hat man noch keine richtige Vorstellung davon, wie vielen Freunden und Bekannten man später im Beruf wieder begegnen wird: "You always meet twice". Oder auch öfter. Wenn der Einstieg oder der fliegende Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber gelingen soll, nähren Stellenofferten die Hoffnung. Weit mehr Erfolg verspricht es, die eigenen Kontakte spielen zu lassen.

Die entwickeln sich, nur scheinbar zufällig, über die Jahre. Oder werden gezielt geknüpft und aktiviert. Im Internet sind Kumpel-Plattformen wie Facebook, MySpace oder Friendster der Renner der Saison; die Community-Idee lässt wieder Goldgräberstimmung im neuen, sozialen Netz grassieren. Als Businessportal ist OpenBC inzwischen unangefochtener Marktführer im deutschprachigen Raum und hat inzwischen 1,5 Millionen Mitglieder.

Auch in der guten, alten Offline-Welt ist die gezielte Kontaktmassage in etlichen Branchen längst selbstverständlich. Besonders intensiv verzahnt sind Beruf und Privatleben in der Werbeszene und New Economy, in den akademischen Gemeinschaften, in Theatern, Medien und anderen Kreativberufen. Wo sich Projekt- und Honorarverträge rasant ausbreiten und die "Generation Praktikum" um den Berufseinstieg barmt, erfährt das "Networking" einen zusätzlichen Schub - und wird zum Starthelfer oder Motor fürs Arbeitsleben.

Im schlechten Fall gehen systematische Netzwerker so kühl berechnend vor, dass sie echte Freunde allzu schamlos melken und sich nur noch melden, wenn es gerade nützlich scheint. Das ist die Kehrseite: Netzwerken wird als aufdringlich empfunden, wenn jeder Bekannte nichts weiter als ein Eintrag im Adressbuch ist, nur noch zum Abschöpfen von Informationen dient.

Es sind die Freiberufler und hochqualifizierten Wanderarbeiter, die am eifrigsten an ihren Netzwerken stricken. Meist treibt sie einerseits die konkrete Suche nach neuen Aufträgen und Projekten. Und andererseits der Wunsch, dem ewigen Einzelkämpfertum zu entrinnen, sich zusammenzuschließen, ihre eigenen Erfahrungen zu teilen und aus denen der anderen zu lernen. Vier Berufstätige berichten, wie sie das Netzwerken sehen.

Susanne Steube, 41, Dienstleisterin in der Filmbranche

"Ohne Vitamin B und Empfehlungen klappt in der immer noch knallharten Filmbranche fast nichts. Wer freiberuflich arbeitet, muss netzwerken. Als 'lonely rider' kommt man nicht weit." mehr...

Clemens Bomsdorf, 29, Journalist im weltreporter.net

"Wir bilden mittlerweile eine feste Gemeinschaft. Und weil wir uns immer besser kennen lernen, fühlen wir uns verpflichtet, einander zu unterstützen. Auch dann, wenn damit kein finanzieller Gewinn verbunden ist." mehr...

Annette Knaut, 37, vom Doktoranden-Netzwerk Thesis

"Eine wissenschaftliche Karriere ist immer ein Abenteuer, das die ganze Persönlichkeit fordert. In unserem Netzwerk bestimmt jeder selbst, mit wem er in Kontakt treten und wie viel Zeit er investieren will. Nur verzetteln darf man sich nicht." mehr...

Frank Haushalter, 29, Kultur- und Projektmanager

"Ich habe schnell gelernt, jede Anfrage nach Kooperation, die nicht völlig absurd klingt, ernst zu nehmen. Aber Netzwerken heißt nicht nur nehmen, auch geben. Denn eine Hand wäscht die andere." mehr...

insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
Bloomberg76, 17.07.2006
1.
---Zitat von sysop--- Ob Firmenangestellter oder Freiberufler: Netzwerke sind der Treibstoff für berufliche Karrieren. Welche Erfahrungen haben Sie mit "Networking" gemacht? Wie wichtig sind in Ihrer Branche Beziehungen? Wie kann man die Kommunikation untereinander verbessern? ---Zitatende--- Karriere wird zu 10% durch Leistung bestimmt und zu 90% aus der Fähigkeit, mit anderen zu kommunizieren und sie für seinen Standpunkt einzunehmen. Und das ist gut so.
GLA, 17.07.2006
2.
---Zitat von Bloomberg76--- Karriere wird zu 10% durch Leistung bestimmt und zu 90% aus der Fähigkeit, mit anderen zu kommunizieren und sie für seinen Standpunkt einzunehmen. Und das ist gut so. ---Zitatende--- Das ist vielleicht gut, wenn man sonst nichts kann ausser sich selbst gut zu verkaufen ("sich selbst verkaufen" klingt ja schon sehr negativ, oder). Aber ansonsten stimme ich Ihnen zu, durch gute Leistung kann man nur bis zu einem gewissen Grad Erfolg haben, irgendwann entscheiden die Beziehungen, ob es weiter voran geht oder nicht.
Pfälzer, 17.07.2006
3.
---Zitat von sysop--- Ob Firmenangestellter oder Freiberufler: Netzwerke sind der Treibstoff für berufliche Karrieren.(...) ---Zitatende--- Je mehr Leute man kennt, umso besser. Aber es ist schon schade, dass die Arbeit kaum mehr zählt.
La Bomba 17.07.2006
4.
Netzwerke sind eminent wichtig, leider erkennt man das oft erst, wenn man schon lange im Beruf steht. Sie können natürlich in Vetternwirtschaft ausarten, aber sinnvoll aufgebaut, nutzen sie allen. Was gerne übersehen wird: es genügt nicht, jemanden zu kennen, damit ein Netzwerk funktioniert, man muß auch Hintergründe zu den Netzwerken kennen, selbst bereit sein, Arbeit und Informationen zu investieren. Nur wer sich einbringt, kann auch ernten. Grüße vom Netzwerker
takkju, 17.07.2006
5. Netzwerke, Wie & Wo?
[QUOTE=La Bomba]Netzwerke sind eminent wichtig, leider erkennt man das oft erst, wenn man schon lange im Beruf steht... es genügt nicht, jemanden zu kennen, damit ein Netzwerk funktioniert, man muß auch Hintergründe zu den Netzwerken kennen, selbst bereit sein, Arbeit und Informationen zu investieren. Nur wer sich einbringt, kann auch ernten.
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