In Kooperation mit

Job & Karriere

Jobsuche und Zeitverträge Unter 30 in Europa? Viel Glück!

35 Millionen junge Menschen sind in den OECD-Staaten ohne Job oder Ausbildung. Gut steht laut einer neuen Studie allerdings Deutschland da - aber in einem Punkt haben es die Jungen hierzulande auf dem Arbeitsmarkt besonders schwer.
In allen 34 OECD-Staaten zusammen hatten im Jahr 2013 mehr als 35 Millionen junge Menschen keinen Job oder eine Ausbildung

In allen 34 OECD-Staaten zusammen hatten im Jahr 2013 mehr als 35 Millionen junge Menschen keinen Job oder eine Ausbildung

Foto: © Jean-Paul Pelissier / Reuters/ REUTERS

Deutsche Bildungspolitiker bekommen normalerweise nicht viel Lob von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). In einem Punkt aber würdigte die Industrieländerorganisation Deutschland ungewohnt deutlich: Die Berufsausbildung, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría am Mittwoch in Berlin, sei vorbildlich. Ihr sei es zu verdanken, dass weniger junge Menschen arbeitslos sind als in anderen Ländern.

90,3 Prozent der 15- bis 29-jährigen Deutschen befanden sich im Jahr 2013 in einem Beschäftigungsverhältnis, machten eine Ausbildung oder studierten. Oder andersherum: Knapp zehn Prozent der jungen Menschen in Deutschland sind laut Statistik beschäftigungslos, bei den höhergebildeten sind es nur 5,7 Prozent - und damit so wenige wie in keinem anderen OECD-Land. Als Grund nennen die Autoren unter anderem die enge Anbindung des Bildungssystems an den Arbeitsmarkt.

Positiver als in Deutschland sieht die Situation zum Beispiel in den Niederlanden (8,9 Prozent) und Norwegen (9,1 Prozent) aus. Deutschland liegt insgesamt auf Platz acht, Luxemburg auf Platz eins (6,1 Prozent).

Im OECD-Schnitt sind 14,9 Prozent der unter 30-Jährigen ohne Job oder Ausbildung, besonders hoch ist die Quote in Südeuropa: In Spanien sind es sogar 26,8 Prozent, in Griechenland 28,5 in der Türkei 31,3 Prozent, heißt es in der neuen Studie "OECD Skills Outlook 2015"  zu Jobchancen und Beschäftigungsverhältnissen von jungen Menschen in den OECD-Ländern.

In allen 34 OECD-Staaten zusammen hatten im Jahr 2013 mehr als 35 Millionen junge Menschen keinen Job oder keine Ausbildung - fünf Millionen mehr als vor der Wirtschaftskrise im Jahr 2008. Das Risiko junger Menschen, in die Arbeitslosigkeit abzugleiten, sei generell doppelt so hoch wie das erfahrener Arbeitnehmer jenseits der 30. "Wir können von Ländern wie Deutschland eine Menge lernen", sagte Gurría in Berlin.

Hier ist also alles gut? Keineswegs

Denn die neue Studie offenbart auch die vielen Probleme, die junge Menschen hierzulande haben. Ein Punkt sticht besonders hervor: Berufsanfänger in Deutschland erhalten so häufig wie in kaum einem anderen OECD-Land nur einen befristeten Vertrag.

Der Studie zufolge sind rund die Hälfte der 15- bis 24-Jährigen hierzulande befristet angestellt - lediglich in den Niederlanden ist der Anteil der jungen Menschen mit Zeitvertrag größer. Im OECD-Schnitt sind 25 Prozent der jungen Menschen befristet beschäftigt. Besonders groß ist in Deutschland dabei die Kluft zwischen älteren und jüngeren Arbeitnehmern: Bei den 25- bis 54-Jährigen hat nur jeder zehnte einen befristeten Vertrag - das entspricht dem OECD-Schnitt für diese Altersgruppe.

Befristete Jobs können zwar sinnvoll sein, indem sie jungen Menschen den Einstieg ins Berufsleben erleichtern. Oft sind sie aber auch mit gravierenden Nachteilen verbunden, wie die OECD ausführt: In vielen Fällen können befristet Beschäftigte ihre Fähigkeiten nicht voll in die Arbeit einbringen. Wer einen Zeitvertrag hat, hat auch geringere Chancen, an einer Weiterbildung teilzunehmen. Im schlimmsten Fall können durch die Befristungen daher Kompetenzen verkümmern, warnt die Organisation.

Jeder dritte Student bricht ab

Auch bei anderen Aspekten steht Deutschland nicht glänzend da. Etwa ein Drittel der Studenten hierzulande bricht ihr Studium ab, das ist etwas mehr als im OECD-Durchschnitt - obwohl sich in Deutschland weniger Schulabgänger an einer Hochschule einschreiben als in manchen anderen Industrieländern.

Die Debatte um eine angebliche Überakademisierung, die hierzulande seit einiger Zeit schwelt, findet keine Bestätigung durch die neuen Zahlen der OECD: In den meisten Ländern sind Akademiker seltener arbeitslos und verdienen im Schnitt besser als Absolventen einer Berufsausbildung - auch in Deutschland ist das so. Von einer Überakademisierung kann im Prinzip nur in wenigen Ländern die Rede sein: Im krisengeplagten Griechenland führt derzeit ein Studium eher in die Arbeitslosigkeit als eine andere Ausbildung.

Stark ist in Deutschland weiterhin der Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und den Lern- und Karriereerfolgen. Besserung verspricht eine frühe Förderung und der Ausbau von Kitas: Verschiedene Studien der OECD zeigen, dass Kinder, die im Vorschulalter eine Betreuungs- oder Bildungseinrichtung besucht haben, später besser lesen und rechnen. Kinder aus benachteiligten Familien profitieren besonders stark von der frühen Förderung.

Mit Material von dpa und AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.