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Job & Karriere

Pilot bei Eurowings "Hektik führt zu Fehlern"

Bei TUIFly melden sich reihenweise Piloten und Flugbegleiter krank. Tatsächlich ist der Job für viele in der Branche härter geworden. Ein junger Eurowings-Pilot erzählt, unter welchem Stress er steht.
Eurowings-Maschine am Flughafen Köln-Bonn

Eurowings-Maschine am Flughafen Köln-Bonn

Foto: © Wolfgang Rattay / Reuters/ REUTERS

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist in vielen Berufen jede Menge Platz. In der Serie "Das anonyme Job-Protokoll" erzählen Menschen ganz subjektiv, was ihren Job prägt - ob Tierärztin, Staatsanwalt oder Betreuer im Jobcenter.

"Ich habe 60.000 Euro Schulden. So hoch war der Eigenanteil für die Ausbildung bei der Lufthansa. Ich muss das Geld zurückzahlen, sobald ich dort als Pilot arbeite. Das ist immer noch mein Traum, aber ob er je wahr wird, weiß ich nicht.

Ende 2010 habe ich mit meiner Ausbildung begonnen, an der Flugschule der Lufthansa in Bremen. Sie hätte zwei Jahre dauern sollen, doch wir waren erst nach fünf Jahren fertig. Es fehlten Fluglehrer und Flugzeuge. Viele unserer Lehrer waren Piloten bei der Lufthansa und wurden regelmäßig in den Linienverkehr zurückbeordert.

Ich musste also dreimal ein Jahr lang warten und wusste nie genau, wann es weitergeht. Ich habe als Fahrer gejobbt und angefangen, etwas anderes zu studieren. Aber eigentlich wollte ich fliegen, denn das macht mich glücklich.

Seit Juni habe ich nun einen Job als Co-Pilot - bei Eurowings, denn Lufthansa stellt seit drei Jahren keine neuen Piloten ein. Ich bin fast 30, meine Freunde aus der Schule stehen schon längst im Beruf.

Ich fliege meistens vier bis fünf Tage am Stück und habe dann zwei Tage frei. Pro Tag absolvieren wir zwei bis vier Kurz- und Mittelstreckenflüge. Wenn ich Frühschicht habe, fange ich um fünf Uhr morgens an. Die Spätschicht endet um Mitternacht.

Meistens kann ich das gut wegstecken, aber ältere Kollegen erzählen, dass der Job viel anstrengender geworden ist. Ein Flugzeug kostet Geld, solange es am Boden steht, und die Fluggesellschaften versuchen, die Zeit fürs Reinigen, Betanken und Einsteigen möglichst kurz zu halten.

Das artet oft in Stress aus. Wir sind im Cockpit dafür zuständig, alles zu koordinieren, und häufig verbringen wir viel Zeit am Telefon, weil die Gangway nicht rechtzeitig andockt, weil der Bus mit den Passagieren sich verspätet, weil die Ladecrew fürs Gepäck nicht zur Stelle ist.

Ich lasse mich davon nicht nerven, aber ich kenne viele Piloten, die das persönlich nehmen und gestresst sind. Dabei ist es wichtig, dass wir vor dem Flug etwa eine halbe Stunde Ruhe haben, in der wir den Start und die Route vorbereiten können.

Wir müssen berechnen, wo die Passagiere sitzen, wo das Gepäck liegt und wie viel wir getankt haben, damit das Flugzeug im richtigen Moment abheben kann. Wenn die Nase zu früh nach oben zieht, setzt beim Start vielleicht der hintere Rumpf auf dem Boden auf, das wäre nicht gut.

Man darf sich von der Hektik nicht anstecken lassen, denn Hektik führt zu Fehlern. Wir reden vom Käsescheibenmodell: Unser System hat viele Auffangnetze, aber jedes hat Löcher, wie eine Käsescheibe. Es kann nur etwas passieren, wenn mindestens ein Loch bei allen Käsescheiben übereinanderliegt. Das ist unwahrscheinlich, aber Stress vergrößert die Löcher.

Ich habe den Eindruck, dass die Stimmung bei Eurowings noch gut ist, weil wir jetzt auch Langstreckenflüge anbieten. Das eröffnet neue Karrierechancen.

Aber bei anderen Billig-Airlines werden Piloten persönlich zusammengefaltet, weil ihre Maschinen verspätet sind oder weil sie zu viel getankt haben. Je voller der Tank, desto schwerer ist das Flugzeug und desto mehr Treibstoff verbraucht es.

Unter solchen Bedingungen wollte ich nicht arbeiten. Der Pilot muss selbst entscheiden können, wie viel er tankt und wo er landet, wenn er den Zielflughafen aus irgendwelchen Gründen nicht ansteuern kann. Das Management darf ihm nicht reinreden.

Monatlich verdiene ich ungefähr 2500 Euro netto, das sind mindestens 30 bis 50 Prozent weniger als ein Pilot bei der Lufthansa. Das ist immer noch okay als Einstiegsgehalt, ich will mich nicht beschweren. Aber in der Branche gehöre ich zu den Geringverdienern.

Rund 900 Piloten, die die Lufthansa ausgebildet hat, sind noch nicht übernommen worden. Sie studieren, jobben oder fliegen für andere Airlines zu schlechteren Konditionen, so wie ich. Künftig wird es noch schwerer für angehende Piloten: Sie müssen das Geld für die gesamte Ausbildung selbst aufbringen."

Kindernotaufnahme: "Seid froh, wenn ihr warten dürft"
Foto: YinYang/ Getty Images

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