Nach Schavan-Affäre Uni-Rektor verzichtet auf zweite Amtszeit

Politiker, Wissenschaftler und Funktionäre haben seine Hochschule kritisiert, als das Plagiatsverfahren gegen Annette Schavan lief: Rektor Michael Piper hat seine Uni stets verteidigt - will aber nicht für eine Wiederwahl kandidieren. Warum?

Michael Piper: "Die Konsequenzen politischer Interessennahme sehr deutlich erfahren"
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Michael Piper: "Die Konsequenzen politischer Interessennahme sehr deutlich erfahren"


"Es dürfte Sie überraschend getroffen haben, dass ich von meiner Kandidatur für eine zweite Amtszeit Abstand genommen habe." So beginnt die Erklärung von Michael Piper, Noch-Rektor der Uni Düsseldorf, mit der er Kollegen, Mitarbeiter und vor allem den Senat über seinen bevorstehenden Rückzug von der Uni-Spitze informierte.

Piper hatte die Uni in turbulenten Zeiten geleitet. Das Plagiatsverfahren gegen die damalige Bildungsministerin Annette Schavan lenkte viel Aufsehen auf seine Hochschule - und zog viel Kritik nach sich. Immer wieder gab es Angriffe von Politikern und Wissenschaftsfunktionären, die Pipers Uni und den Gremien dort vorwarfen, sich nicht korrekt zu verhalten. Piper verteidigte seine Uni stets und sieht seine Linie durch ein Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf bestätigt, das entschied: Die Uni durfte Schavan den Doktortitel entziehen.

Dennoch scheint diese Zeit Spuren bei Piper hinterlassen zu haben. Er wolle nicht wieder antreten, weil er fürchtet: "Offensichtlich soll das politische Netzwerk zum Primat der Hochschulleitung werden." Anders ausgedrückt: Piper hat den Eindruck, die Politik wolle sich einen stärkeren Einfluss auf die Uni sichern. Konkreter wird er nicht.

Aber er nennt ein Beispiel: die Schavan-Affäre, als "genau solche Verstrickungen" die "Integrität unserer Universität bedroht" hätten. "Wir haben die möglichen Konsequenzen politischer Interessennahme, die aus politischen Netzwerken auf eine Universität einwirken können, sehr deutlich erfahren", so Piper. Er aber stehe für eine unabhängige Uni.

Auch bezieht er sich auf den Streit um das neue Hochschulgesetz für Nordrhein-Westfalen, das eine stärkere Kontrolle der Unis vorsieht und gegen das viele Rektoren Sturm laufen. Mehr will Piper im Moment öffentlich nicht dazu sagen. Seine Amtszeit dauert noch ein halbes Jahr.

Schavan selbst war in den vergangenen Tagen wieder in der Öffentlichkeit präsent: Sie nahm die Ehrendoktorwürde der Universität Lübeck entgegen. Jetzt darf sie weiterhin das Kürzel "Dr." vor ihrem Namen führen, muss es aber um "h.c." ergänzen.

otr

insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
Nonsens 17.04.2014
1. Er ist nur das Bauernopfer.
Vielleicht hätte er einfach mehr Courage zeigen sollen und Schavan öffentlich anprangern als das was sie ist. Ein Lügnerin und Betrügerin. Nichts weiter. Dann hätte er zumindest die Aufmerksamkeit gehabt und das Politiker- Gesindel, dass Einfluss nehmen wollte, wäre zurückgezuckt. Na wenigstens hats noch zum Entzug des Titels gereicht.
olddreamer 17.04.2014
2. Weder das Eine noch das Andere!
Schavan hat weder gelogen noch betrogen, vor allem, wenn man die damaligen Promotionsumstände in Betracht zieht. Aber für die anonym handelnden Snipers von heute sieht das natürlich ganz anders aus. Ach, was sind wir "Demokraten" geworden! Eine Gesellschaft von Neidern, Umverteilern mit missionarischem Eifer, Denunzianten, Gutmenschen, ständig befeuert von einer mittlerweile unerträglichen Investigationsjournaille.
Criticz 17.04.2014
3. Es ist mehr als erschreckend
wenn Herr Piper - der mit seinem Vorgehen gegen die rechtskräftig verurteilte Betrügerin Mut bewiesen hat - letztlich doch recht deutliche Worte findet für die politische Einflussnahme. Man kann nur hoffen dass er nach seiner Amtszeit Roß und Reiter nennt. In welchem Land leben wir eigentlich ? Verantwortliche der Uni Lübeck sollten zurücktreten, nachdem sie Schavan nunmehr den Dr. h.c. verliehen haben und Schavan auch noch die Dreistigkeit hatte, diesen grinsend anzunehmen.
mischpot 17.04.2014
4. Die Politiker und Wissenschaftsfunktionäre
die versucht haben massiv Einfluss auf das Verfahren gegen Schavan zu nehmen, gehören beim Namen benannt und wegen Einflussnahme im Amt belangt.
Bakturs 17.04.2014
5. Promotionsumstände?
Zitat von olddreamerSchavan hat weder gelogen noch betrogen, vor allem, wenn man die damaligen Promotionsumstände in Betracht zieht. Aber für die anonym handelnden Snipers von heute sieht das natürlich ganz anders aus. Ach, was sind wir "Demokraten" geworden! Eine Gesellschaft von Neidern, Umverteilern mit missionarischem Eifer, Denunzianten, Gutmenschen, ständig befeuert von einer mittlerweile unerträglichen Investigationsjournaille.
Welche "Promotionsumstände" meinen Sie? Sie meinen sicherlich die Regel: "Aufgrund mangelnder Kontrollmechanismen wie Computer, dürfen passende Passagen aus fremden Texten 1:1 übernommen werden, ohne die Quelle zu benennen." Richtig?
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