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Praktika Nachwuchs, frisch und günstig

Ohne geht nichts mehr. Vor allem Geisteswissenschaftler setzen alles daran, schon vor und während des Studium Praxiserfahrung zu sammeln. Bei den Unternehmen rennen sie damit offene Türen ein.

Dass sie in der Medienbranche arbeiten wollte, war der Hamburgerin Johanna Burmester schon nach ihrem Schulabschluss klar. Doch welches Studium würde ihr auf dem Weg zum Traumjob am besten helfen?

Deshalb schnupperte sie sechs Wochen lang in den Redaktionsalltag einer Zeitung und zog ihre Schlüsse: "Im Laufe des Praktikums wurde mir klar, dass Journalismus zwar eine Möglichkeit für mich ist. Vom Studiengang Journalistik habe ich aber Abstand genommen." Heute studiert sie im achten Semester Germanistik und Politische Wissenschaften an der Hamburger Uni und hat mittlerweile auch im Lektorat eines Verlages und im Heinrich-Heine-Haus in Paris Praxiserfahrung gesammelt.

Der erste Blick in die Berufswelt hilft, sich über eigene Stärken und Schwächen klar zu werden. Und bewahrt vor bösen Überraschungen. "Ein Praktikum während des Studium ist immer sinnvoll. Man wird später von der Praxis nicht so kalt erwischt", sagt Dirk Evenson, Geschäftsführer der Berliner Werbeagentur Scholz & Friends.

Zusammen mit der Pixelpark AG und der Tageszeitung "taz" haben die Werber ein besonders Programm aus der Taufe gehoben. Im Rahmen des so genannten "Creative Village"  können Praktikanten den Arbeitsalltag der drei Unternehmen kennen lernen. Das Praktikum dauert ein halbes Jahr und wurde deshalb auch "Berliner Semester" getauft. Egal unter welchem Namen - Vorteile sollen für Studenten und die Firmen herausspringen. "Durch das Berliner Semester finden wir Nachwuchs für unsere Unternehmen", sagt Dirk Evenson.

Auch der Medienriese Bertelsmann überlässt seine Nachwuchsförderung nicht dem Zufall. Junge Talente sollen möglichst früh an das Unternehmen gebunden werden. Dafür sorgt das hausinterne Praktikantenförderprogramm, mit dem aus Talenten echte Nachwuchskräfte gemacht werden sollen. Wie man die Rohdiamanten unter den Praktikanten erkennt, erklärt Katrin Enaux, Leiterin der des Bereichs Management- Entwicklung bei dem Medienkonzern: "Wichtig ist vor allem, dass ein Praktikant Interesse zeigt, motiviert ist, selbständig arbeitet und Verantwortung für ein eigenständiges Projekt übernehmen kann." Doch das braucht seine Zeit. "Die Praktika bei Bertelsmann dauern zwischen drei und sechs Monaten", so Enaux.

Mit Eigeninitiative gegen Kopierjobs

Der Weg zur Berufspraxis ist aber auch mit Stolpersteinen gepflastert. Nicht jeder Praktikumsbewerbung ist erfolgreich. Und selbst wenn das Vorstellungsgespräch zur beiderseitigen Zufriedenheit endete, kann der Schnupperkurs für mehr Berufspraxis richtig frustrierend werden. Wer nur am Kopierer steht oder die Tage an der Kaffeemaschine fristet, sollte sich möglichst rasch bemerkbar machen, sonst verstreicht die wertvolle Zeit ungenutzt. Immerhin opfern die meisten Studenten ihre Semesterferien, um dem Lebenslauf ein weiteres Glanzlicht zu verpassen.

Vor allem in kleinen Firmen, in denen professionelle Betreuung fehlt, ist oft keine Zeit für eine Einweisung in die Arbeitsabläufe. Als Folge sitzen die hoffnungsvollen Praktikanten untätig herum. Da hilft nur aufmucken. "Nicht locker lassen, über seinen Schatten springen und Eigeninitiative ergreifen", rät Johanna Burmester. "Wenn man die Sache selbst in die Hand nimmt, kann man das Beste für sich herausholen und fällt damit meistens sogar noch positiv auf."

Die Hamburger Studentin Johanna Burmester spricht mit der Erfahrung von drei Praktika. Doch jetzt hat sie davon Nase die voll. "Mir reicht es vorerst." Denn wer einmal Büroluft schnuppern will, sollte auch eine dicke Portion Idealismus mitbringen. "Schließlich", so Burmester, "hat man einen immensen Zeitaufwand und wird schlecht oder gar nicht bezahlt."

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