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Dozent ohne Gehalt "Man kann auch von Erpressung reden"

Günter Fröhlich trifft seine Studenten manchmal im Café - denn dort arbeitet er gegen Geld. An der Uni Regensburg unterrichtet er ohne Lohn. Dem Land Bayern wirft er im Interview Staatssklaverei vor.
Günter Fröhlich arbeitet als Dozent und Barista

Günter Fröhlich arbeitet als Dozent und Barista

Foto: Jo Simon Photography
Zur Person

Der Philosoph Günter Fröhlich, 47, ist seit elf Jahren habilitiert und lehrt als Privatdozent an der Universität Regensburg. Ein Honorar erhält er dafür nicht. Gegen diese Ungerechtigkeit hat er Klage beim Bayerischen Verfassungsgerichtshof eingereicht. Um Geld zu verdienen, kocht er Kaffee in einem Café.

UNI SPIEGEL: Herr Fröhlich, warum werden Sie für Ihre Arbeit nicht bezahlt?

Fröhlich: Alle Landeshochschulgesetze schreiben vor, dass ein Privatdozent oder ein Außerplanmäßiger Professor eine bestimmte Stundenzahl unterrichten muss, aber kein Recht auf eine Vergütung dafür hat. Kommt er dem nicht nach, kann die Universität ihm den Titel und das Recht entziehen, an der Hochschule zu lehren.

UNI SPIEGEL: Wieso ist es so wichtig, an der Hochschule zu unterrichten?

Fröhlich: Um sich auf eine Ordentliche Professur zu bewerben, ist diese kostenlose Lehre zwar keine rechtliche, aber eine faktische Voraussetzung, weil man aktuelle Lehrerfahrungen nachweisen muss. Außerdem unterrichte ich gern!

UNI SPIEGEL: Warum ist es nicht vorgesehen, Privatdozenten zu bezahlen?

Fröhlich: Das Staatsministerium argumentiert, der Lehrende habe ein subjektives Interesse daran, außerdem sei es eine große Ehre, an einer Universität unterrichten zu dürfen.

UNI SPIEGEL: Wie viele Stunden arbeiten Sie umsonst für die Uni?

Fröhlich: Ich gebe zwei Semesterwochenstunden im Jahr. Das ist in Bayern so vorgesehen. Insgesamt kommen bei mir so 26 bis 30 Stunden Lehre pro Jahr zusammen. Hinzu kommen die Vorbereitung und die Prüfungen. Für eine Vorlesung veranschlage ich insgesamt 200 bis 300 Stunden. Entscheidend ist, dass es vielen Habilitierten in Deutschland genauso geht.

UNI SPIEGEL: Warum klagen so wenige Privatdozenten dagegen?

Fröhlich: Vielleicht ist den meisten der Aufwand zu hoch, und sie schätzen die Erfolgsaussichten zu gering ein.

UNI SPIEGEL: Warum haben Sie Klage eingereicht?

Fröhlich: Ich habe im Dezember 2014 eine Popularklage beim Bayerischen Verfassungsgerichtshof erhoben. Für mich ist die Regelung eine Art "Staatssklaverei". Grundrechtlich widerspricht sie der Allgemeinen Handlungsfreiheit und dem Gleichheitsgrundsatz, weil andere für die gleiche Leistung bezahlt werden. Staatsregierung und Landtag sehen das ganz anders: Die sagen, ich würde aus freien Stücken unbezahlt lehren. Wenn man bedenkt, dass diese Lehre beruflich notwendig ist, kann man auch von "Erpressung" reden.

UNI SPIEGEL: Für Ihren Lebensunterhalt arbeiten Sie als Barista in einem Regensburger Café.

Fröhlich: Auch das tue ich gern - und meine Kollegen und ich machen den besten Cappuccino nördlich der Alpen.

UNI SPIEGEL: Bedienen Sie hier auch Ihre Studenten?

Fröhlich: Gelegentlich. Die finden das lustig.

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Ausgabe 2/2016

Beten verboten
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