Promotion Der Doktorhut tut oft der Karriere gut

Eine neue Studie zeigt: Wer nach dem Studium promoviert, kann davon profitieren - vor allem in Mark und Pfennig. Eine Garantie dafür bietet der Doktortitel allerdings nicht.

Von Carsten Heckmann


Endlich der Doktorhut: Dr. Witali Klitschko hatte auch schon ohne ihn Karriere gemacht, anderen gibt er erst den Karriereschub.
DPA

Endlich der Doktorhut: Dr. Witali Klitschko hatte auch schon ohne ihn Karriere gemacht, anderen gibt er erst den Karriereschub.

"Sorge dich nicht, promoviere!" Dieses Motto, angelehnt an einen Bestseller von Dale Carnegie, könnte einem in den Sinn kommen, wenn man die aktuelle Studie "Karriere mit Doktortitel?" liest. Jürgen Enders und Lutz Bornmann von der Universität Kassel haben jeweils rund 2000 Absolventen mit und ohne Doktorhut befragt. Und siehe da: Den Promovierten geht's ziemlich gut. 70 Prozent von ihnen haben hochqualifizierte und gut bezahlte Jobs.

Dennoch mahnt Forscher Enders zur Differenzierung: "Pauschal zur Promotion zu raten, das ist nicht meine Aufgabe." Schließlich sorgt der Titel auch nicht bei allen Doktoren für einen Karriereschub. Immerhin zehn Prozent von ihnen fragen sich später, was ihnen die zusätzliche Anstrengung überhaupt gebracht hat.

Mehr Geld für Sozialwissenschaftler

Einige wissen es genau - sie sehen es auf ihrer Lohnabrechnung. Überraschenderweise gilt das vor allem für Sozialwissenschaftler: Ihr Einkommen liegt 15 Jahre nach ihrer Promotion rund 40 Prozent höher als das ihrer Kollegen ohne das Kürzel Dr. Soziologen und Politologen zum Beispiel bekommen durchschnittlich 2000 Mark mehr, wenn sie eine Doktorarbeit verfasst haben.

Auch Wirtschaftswissenschaftler und Elektrotechniker profitieren in Mark und Pfennig, nicht aber Mathematiker und Germanisten. Überhaupt: die Germanisten. Zusammen mit den Biologen müssen sie der Kasseler Studie zufolge mit größeren Problemen beim Berufseinstieg rechnen. Allgemein gilt das aber ganz und gar nicht, trotz des in der Regel recht hohen Alters der Promovierten.

Mit dem Geld ist es zudem so eine Sache - eine, die sich in Jahren messen lässt. Ein Doktorand muss sparsam leben, während die Ex-Kommilitonen längst verdienen. "Bis man die anderen dann später eingeholt hat, kann es einige Jahre dauern", weiß auch Jürgen Enders.

Nur jeder Zweite kommt ans Ziel

Enders und Bornmann legen ohnehin Wert darauf, nicht nur den schnöden Mammon zu sehen. So heißt es in der Studie: "Der Berufsweg führt die Promovierten häufiger in inhaltlich interessante Positionen, vor allem in Hochschule und Forschung, die dem Einkommen nach nicht unbedingt lohnender erscheinen." Außerdem seien für Doktoren die langfristigen Aufstiegsmöglichkeiten besser.

Der Titel kann sich also in vielerlei Hinsicht auszahlen. Aber Vorsicht: Von den rund 60.000 deutschen Doktoranden kommt nach Expertenschätzungen nur jeder Zweite ans Ziel. Auch deshalb warnen Berater immer wieder davor, aus reinem Karrierekalkül mit einer Dissertation zu beginnen. Jürgen Enders folgert aus seiner Studie, die Ende November als Buch erscheint: "Wer promoviert hat, macht nicht unbedingt Karriere. Aber er macht häufiger Karriere."



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.