Ranglisten-Flut "Wir sind längst Sklaven der Rankings"

Die Zahl der MBA-Rankings steigt. Doch je nachdem, wen man fragt und welche Kriterien man wie stark gewichtet, schwanken die Ergebnisse - reichlich verwirrend für Unternehmen wie für Interessenten an den teuren Wirtschafts-Programmen. Sie müssen die Uni-Ranglisten genau unter die Lupe nehmen.

Von Bärbel Schwertfeger


Jubelnde US-Absolventen: Die Spreu vom Weizen trennen
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Jubelnde US-Absolventen: Die Spreu vom Weizen trennen

Alle zwei Jahre im Oktober steigt die Spannung bei den amerikanischen Business Schools. Dann erscheint das Ranking des US-Wirtschaftsmagazins "Business Week". Das hat - wie alle bedeutenden Ranglisten - stets erhebliche Auswirkungen. Denn je besser eine Schule abschneidet, desto mehr Bewerbungen (und damit Studiengebühren) bekommt sie, und umso attraktiver wird sie auch für die Unternehmen, um dort "Master of Business Administration" (MBA) zu rekrutieren. Fällt eine Schule um ein paar Plätze zurück, dann kostet sie es leicht über eine Million Dollar, um den Abstieg wieder aufzuholen.

"Wir sind längst Sklaven der Rankings", sagt Thomas Howard von der University of Denver. Allein in den USA bringen zwölf Publikationen MBA-Ranglisten heraus. Bei vielen Schulen sind daher mehrere Mitarbeiter nur damit beschäftigt, die umfangreichen Fragebögen auszufüllen. Denn je nach Ranking werden dabei jeweils unterschiedliche Kriterien und Personenkreise einbezogen.

Harter Kampf um Sieg und Platz

Während "Business Week" Studenten und Unternehmen - also die Abnehmer - befragt, kommen die Bewertungen beim Ranking des "Wall Street Journal" ausschließlich von Personalmanagern, die MBA-Absolventen an den Schulen rekrutieren.

Entsprechend unterschiedlich sind die Ergebnisse: Während zum Beispiel beim "Wall Street Journal" in diesem Jahr die Tuck School of Business den ersten Platz belegte, landete sie bei "Business Week" nur auf Platz zehn. Umgekehrt erreichte die Harvard Business School beim "Wall Street Journal" lediglich Platz 9, bei "Business Week" dagegen Platz 3.

Für MBA-Interessenten ist der Nutzen eines Rankings daher meist gering und allenfalls ein erster Hinweis für die Qualität eines Programms. Liegt eine Schule bei allen Ranglisten vorn, kann man davon ausgehen, dass sie wirklich zu den Topschulen gehört. Ob sie jedoch ein paar Plätze besser oder schlechter abschneidet, ist eher unbedeutend.

Die Auf- und Absteiger in den USA...

Im gerade veröffentlichten Ranking von "Business Week" wurde Wharton in diesem Jahr zum ersten Mal seit 1994 von Platz eins verdrängt und landete nur auf Platz fünf. Sieger ist die bisher zweitplatzierte Kellogg School of Management, gefolgt von der Chicago Graduate School of Business sowie den MBA-Programmen der Nobel-Unis Harvard und Stanford.

Chicago und Stanford gehören damit zu den größten Aufsteigern. Dabei gilt Chicago als beste Schule für den Finanzbereich, gefolgt von Wharton und der Columbia Business School. Im Marketing führt Kellogg vor Harvard und der Michigan Business School; im Bereich Technologie hat das Massachusetts Institute of Technology (MIT) die Nase vorn. Als Top-Adressen fürs General Management gelten Harvard und Kellogg.

Das höchste Einkommen (inklusive Zusatzleistungen) können die MBA-Absolventen von Stanford mit 138.000 Dollar einstreichen. Vor zwei Jahren waren es allerdings noch 166.000 Dollar. Insgesamt mussten die Absolventen der 30 Topschulen Einbußen von 13 Prozent hinnehmen. Zudem hatten bei einem Drittel der Top 30 lediglich 60 Prozent oder sogar weniger beim Studienabschluss einen Job in der Tasche - vor zwei Jahren waren es noch fast alle.

...und in Europa

Neben den US-Schulen bewertete "Business Week" in einem eigenen Ranking auch europäische und kanadische Schulen. Hier landete das französische INSEAD auf Platz 1, gefolgt von der kanadischen Queens University und dem Schweizer IMD, das sich um zwei Plätze verbessern konnte. Mit 126.000 Dollar hatten die IMD-Absolventen auch das höchste Einkommen.

Die Gehaltssteigerungen nach dem MBA-Studium spielen auch beim weltweiten Ranking der "Financial Times" (FT) eine wichtige Rolle, daneben zählen besonders die Forschungsleistungen einer Schule. Andere Schwerpunkte setzt die "Economist Intelligence Unit" (EUI). Die Schwesterfirma des Wirtschaftsmagazins "Economist" mischt in diesem Jahr erstmals mit einem eigenen weltweiten Ranking mit und ermittelt vor allem, wie gut ein MBA-Programm die Anforderungen der Studenten erfüllt.

Kein Wunder, dass die Unterschiede abermals frappierend sind. Während die Wharton School, bei der FT auf dem ersten Platz, erreicht sie bei EIU gerade mal Platz 14. INSEAD schafft als beste europäische Schule bei der FT Platz 6, bei EIU liegt die bekannte MBA-Schmiede dagegen nur auf Rang 33.

Eines zeigen jedoch alle Ranglisten: Deutschland ist noch immer MBA-Entwicklungsland. Denn deutsche MBA-Anbieter tauchen in keinem einzigen der Rankings auf.

Bei SPIEGEL ONLINE: Acht Hürden auf dem Weg zum MBA - ein Wegweiser durch den Bewerbungsdschungel
manager-magazin.de: Europäische MBA-Schulen
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