Rektorenduell in Oxford Fäuste hoch

Der Kampf ist eröffnet: Die ehrwürdige Universität von Oxford suchte einen Nachfolger für Lord Jenkins, der Anfang des Jahres starb. Jetzt hat sie zwei hochkarätige ehemalige Absolventen gefunden und schickt sie in den Ring - Bill Clinton allerdings machte einen Rückzieher.


Heilige Hallen: Wer zieht hier ein?
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Heilige Hallen: Wer zieht hier ein?

Die Kandidaten für den prestigeträchtigen Rektoren-Posten an der University of Oxford stehen nun endgültig fest: Chris Patten, derzeit EU-Kommissar für Außenpolitik und früher Gouverneur von Hong Kong, sowie Berufungsrichter Sir Thomas Bingham wollen den Führungsjob der englischen Elite-Uni wagen. In den ehrwürdigen Hallen kennen sie bereits aus, denn beide haben am Balliol College der Universität studiert.

Der langjährige Oxford-Rektor Lord Roy Harris Jenkins of Hillhead war Anfang Januar gestorben. Für den Job kommen traditionell nur große Namen in Betracht, vor allem von ehemaligen Spitzenpolitikern. Patten und Bingham passen in die Reihe. Wer von den beiden ergrauten Herren am Ende noch aufrecht steht, wird Mitte März entschieden - allerdings nicht per Boxkampf, sondern durch eine Wahl. Dabei haben die rund 50.000 Absolventen der Uni das Wort. Weil sie aber auf der ganzen Welt verstreut sind, werden nicht alle persönlich in Oxford erscheinen, um ihre Stimme abzugeben.

Bill Clinton (links) 1994 als Ehrendoktor mit Lord Jenkins: "Zu beschäftigt"
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Bill Clinton (links) 1994 als Ehrendoktor mit Lord Jenkins: "Zu beschäftigt"

Der amerikanische Ex-Präsident Bill Clinton indes tritt nicht zur Wahl an. Er galt als aussichtsreicher Kandidat, und aus lauter Vorfreude dichtete die "Financial Times" sogar schon auf Latein eine Lobrede zur Amtsübergabe.

Clinton sei "zu beschäftigt mit der Arbeit für seine Stiftung", ließ der umworbene Polit-Frührentner jedoch der Presse über seine Sprecherin ausrichten - und enttäuschte damit seine Fans in Oxford, die ihn bereits zum klaren Favoriten erklärt hatten.

Lord Bingham erklärte bei seiner Nominierung erst einmal, er sei bereit, den Plan der Regierung für höhere Studiengebühren zu unterstützen. Eine Erhöhung sei immer noch besser als ein mittelmäßiges Oxford. "Ich denke, es ist wirklich wichtig, dass die englischen Universitäten, natürlich auch Oxford, ihre Qualität und ihr weltweites Ansehen beibehalten." Sein Richteramt will Bingham im Falle einer Wahl nicht aufgeben.

Anwärter auf den begehrten Posten: Chris Patten
EPA/DPA

Anwärter auf den begehrten Posten: Chris Patten

Chris Patten dagegen nahm keine Stellung zum Thema auf höhere Studiengebühren. Einfach wird es für den nächsten Rektor jedenfalls nicht: Die unterfinanzierte Universität muss wieder zu Geld kommen. Die Studenten bezahlen derzeit 1000 Pfund (1463 Euro) Studiengebühren pro Jahr. Nach den Erhöhungen könnten es um die 2800 Pfund (rund 4100 Euro) sein.

Lord Neill of Bladen und Sandi Toksvig erwarten ihre Zulassung als Vize-Rektoren. Doch der Hauptkampf jedoch wird wohl zwischen Patten und Bingham ausgetragen werden.



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