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Unliebsames Politik-Engagement: RWTH setzt Prorektor ab

Foto: Ivo Mayr

Elite-Uni Aachen setzt Prorektor ab CDU und raus bist du

Engagiert für die CDU - und dann auch noch für Röttgen? Ein Spitzenprofessor hat seine politische Arbeit mit seinem Platz in der Hochschulleitung bezahlt. Nach dem rot-grünen Triumph fand sein Chef ihn nicht mehr opportun. Die rheinische Posse beleuchtet das Verhältnis zwischen Politik und Unis.
Von Hermann Horstkotte

Vor gut einer Woche, nach dem Wahlsonntag in Nordrhein-Westfalen und dem Triumph für Rot-Grün, analysierten drei Männer die neue Lage: Ernst Schmachtenberg, Rektor der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH), sein Verwaltungschef Manfred Nettekoven sowie Schmachtenbergs Stellvertreter und Prorektor für Wirtschaft und Industrie, Günther Schuh.

Schuh, 54, allerdings ist nicht nur Ingenieur und Professor. Als CDU-Wunschkandidat für das Amt des Wissenschaftsministers gehört Schuh auch zu den prominenten Wahlverlierern der NRW-Landtagswahl. Der Hochschullehrer ist zugleich selbständiger Unternehmer und Unternehmensberater mit bester internationaler Vernetzung etwa in die Schweiz oder die USA. Seine Kernbotschaft heißt: "Die Unis sind längst ein substantieller Wirtschaftsfaktor. Diesen Auftrag müssen wir stärken."

Für den inzwischen tief gefallenen Spitzenkandidaten Röttgen hatte sich Schuh im Wahlkampf nach Kräften engagiert. In einem Interview mit der "Wirtschaftswoche"  erklärte er kurz vor der Wahl: "Wenn Sie so wollen, bin ich eine Art Protestminister. Wir haben hier zwei Jahre erlebt, die sind gelaufen, als hätten wir formal gar keine Regierung gehabt." Das war ein harter Angriff und kaum verhohlene Kritik an Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) und deren Chefin Hannelore Kraft - und für Schmachtenberg wohl der Grund, ohne Schuh die RWTH-Zukunft in einem rot-grünen NRW zu planen.

"So umbilden, dass ich nicht mehr dabei wäre"

Wegen des Wahldebakels hätten die Rektoratskollegen ihm klargemacht, "dass man, wenn die Wogen geglättet sind, so im November, mal das Rektorat umbilden sollte. Das heißt, dass ich dann nicht mehr dabei wäre." So erklärte Schuh das Gespräch mit seinem Chef Schmachtenberg. "Diese Schlussfolgerung habe ich mir dann am vergangenen Freitag nochmals von beiden Kollegen bestätigen lassen und daraufhin meine Kündigung als Prorektor geschickt."

Rektor Schmachtenberg widerspricht der Darstellung nicht. Im November trete zum ersten Mal der neue Hochschulrat zusammen und könne über einen Wechsel im Rektorat befinden. Der späte Termin hätte für die drei Herren einen weiteren großen Vorteil gehabt: So weit in der Zukunft wäre ein Zusammenhang mit Schuhs gescheitertem Politikabenteuer kaum noch nachweisbar gewesen.

Schuh allerdings entschied sich anders und erklärte seinen Rücktritt am Freitag nach der Wahl. Tags drauf stand die Meldung in der Lokalpresse. Seither erscheinen empörte Leserbriefe, Absender sind meiste regionale CDU-Vertreter. Von Angst vor der Hochschulleitung und einer "Strafe der Wahlsieger" ist die Rede.

Eine Sprecherin des Düsseldorfer Wissenschaftsministeriums weist jede Einflussnahme und die Anwürfe auf den Leserbriefseiten weit von sich. Solche Rachegedanken seien "völlig abwegig".

Ungeachtet des Einzelfalls lenkt die Degradierung Schuhs allerdings den Blick auf das Spannungsfeld zwischen Politik und Wissenschaft. Denn: Wenn auch in der Konsequenz sonderbar, so ist die Annahme der Hochschulleitung, dass die aktuelle politische Ausrichtung eines Landes mit Vor- oder Nachteilen für die eigene Uni verbunden sein kann, nicht falsch.

Rektor Schmachtenberg, zugleich Chef der TU-9-Gruppe der führenden Technischen Universitäten Deutschlands, hält es in einer aktuellen Presseerklärung zur Causa Schuh  zwar für selbstverständlich, "dass sich jeder Hochschulangehörige politisch engagieren kann".

Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE schickt er allerdings hinterher: Zwar sei Schuh "nach wie vor der richtige Mann für ein milliardenschweres Campus-Projekt der Uni, einen Technologiepark der Hochschule mit der Industrie" und "der beste Ansprechpartner für Industrie und Investoren". Andererseits ist Schmachtenberg unsicher, ob diese unternehmerfreundliche Mission gerade bei rot-grünen Politikern offene Ohren findet. Seine Hochschule sei bei ihrem Projekt auch auf das Wohlwollen der Landesregierung angewiesen. Deshalb sei es richtig, wenn Schuh auf die herausgehobene Position als Prorektor verzichte.

Schuh selbst gibt sich, nach anfänglich unter anderem in der "FAZ"  geäußertem Unverständnis, einsichtig. "Jedes Management von Unis muss Rücksicht auf seine Shareholder nehmen, in vernünftigen Maßen." Demnach wären staatliche Hochschulen nicht mehr als eine nachgeordnete Landesbehörde, von innerer Autonomie mal abgesehen. "Gewisse Verbeugungen" gehörten dann dazu, meint Schuh.

Hier noch einmal zum Ansehen der Wahlkampf-Clip des CDU-Kandidaten für das Amt des Wissenschaftsministers Günther Schuh:

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