Studentenjob Elvis-Imitator Heute ein King

Elvis lebt - und zwar in Duisburg-Hochfeld. Zwischen Uni und Umschulung jobbt Nevrez Caliskan als Elvis-Imitator. Am Wochenende gibt der Student bei Vereinsfeiern oder Hochzeiten den King. Und seit einem bizarren Auftritt bei Harald Schmidt kennt man den "türkischen Elvis" sogar am Bosporus.

Von Stefan Moutty


Nevrez als Elvis: Täuschend echt

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Nevrez Caliskan ist ein berühmter Mann in Duisburg. Wenn er seine Wohnung im Stadtteil Hochfeld verlässt, wird er erkannt, man grüßt ihn. Nevrez nennt ihn jedoch kaum einer, hier heißt er nur "Elvis". Und wenn Nevrez am Wochenende seinem Nebenjob nachgeht, sieht er auch aus und singt ganz wie der echte Elvis, der King aus Memphis.

Nevrez Caliskan, 32, türkischer Herkunft und mit deutschem Pass, lebt in Duisburg, seit er denken kann. Die Bezeichnung Elvis-Imitator hört er nicht so gern und nennt sich lieber "Elvis-Interpret". Und vor allem dank seiner Stimme weist er tatsächlich erstaunliche Ähnlichkeit mit seinem großen Vorbild auf.

"Blue Suede Shoes" auf Türkisch

Nevrez gilt einer der Besten im Land und ist bundesweit bekannt. Denn Nevrez ist quasi Fernsehstar - schließlich hat er bereits weit über zwei dutzend TV-Auftritte absolviert und durfte dabei fast der gesamten einheimischen Moderatorenprominenz die Hand schütteln.

Nevrez Caliskan: In ganz Hochfeld weltberühmt

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Unter anderem auch Harald Schmidt, was Nevrez prompt in ein seltsames Skandälchen verwickelte. Der Late-Night-Talker nämlich ließ den türkischstämmigen Elvis-Imitator vor einigen Jahren in seiner Show auftreten - zwischen zwei Tänzerinnen mit Kopftüchern und Aldi-Tüten sang Nevrez "Blue Suede Shoes" auf Türkisch, begleitet von der Hausband.

Schmidt fand das komisch, einige türkische Zuschauer sahen das etwas anders. Sie informierten die auflagenstarke Zeitung "Hürriyet", die Nevrez daraufhin heftig kritisierte. Die Wogen glätteten sich jedoch rasch. Und heute muss Nevrez beim Gedanken an diese Episode schmunzeln, bescherte sie ihm doch reichlich Publicity.

Schon immer der größte Fan des King

In der Türkei hält man ihn nämlich seitdem für einen kapitalen Top-Star der deutschen Unterhaltungsbranche. Als Nevrez kurz nach dem Eklat einen Benefizauftritt an der Istanbuler Universität bestreiten sollte, bereiteten ihm Fernsehteams einen Empfang à la Hollywood. Und am Abend berichteten sogar die Hauptnachrichten über ihn.

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Dabei war Nevrez in Deutschland doch nur ein Student mit ungewöhnlicher Nebentätigkeit. Denn so hatte seine Showkarriere angefangen - als lukrativer Studentenjob. Fan des King ist er seit Kindertagen. Und seit er seinen ersten umjubelten Auftritt als Elvis-Inkarnation auf der eigenen Abiturfeier erlebte, arbeitete er konsequent an seiner Performance und feierte Erfolge auf Talentwettbewerben.

Als er dann an der Uni Duisburg ein Studium der Wirtschaftswissenschaften aufnahm, war die Finanzierung schon gesichert. Das Geschäft als Elvis-Imitator brummte, und mit wachsendem Erfolg und Medieninteresse am "türkischen Elvis" trat sein Studium allmählich in den Hintergrund.

Hüftschwingen, bis das Vereinslokal tobt

Auftritte wie der bei Schmidt, aber auch bei Linda de Mol, Götz Alsmann und Stefan Raab, dazu Kleinstrollen in RTL-Klamotten wie "Die Liebesdienerin" ließen in Nevrez Karriereträume keimen und die Lust am spröden Studium schwinden. Semester um Semester verstrich, allein der erträumte große Durchbruch blieb aus.

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Ein handfester Abschluss musste deshalb doch noch her. Nevrez entschied sich für eine Umschulung zum Fachinformatiker. Ist die erst mal geschafft, so plant Nevrez heute, kann er sein Studium - mit neuem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik - immer noch zu Ende bringen.

Seine Tingelei im strassbesetzten Overall auf Vereinsfeiern, Hochzeiten oder Betriebsfesten hat er erst einmal eingeschränkt, auch weil er momentan ohnehin nicht mehr als 325 Euro verdienen darf. Fernsehauftritte nimmt er jedoch weiterhin gerne wahr - zuletzt am vergangenen Sonntag im "ZDF-Fernsehgarten". Denn seinen Traum von der ganz großen Karriere, den hat Nevrez noch nicht aufgegeben.

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