Studentenjob Weihnachtsmann Erst Kostüm-TÜV, dann Bescherung

Einst skandierten Studenten "Ho-Ho-Ho-Tschi-Minh", heute nur noch "Ho-Ho-Ho" - wenn sie sich um einen Job als Weihnachtsmann bewerben. Am Dienstag kam es in Berlin zum Massenaufmarsch: Studenten mit Rauschebärten und Engel traten zum Kostümcheck an. Denn die Regeln sind streng, Knitter-Kutten und Ruten verboten.


Weihnachtsmänner in Berlin: Neigen zur Rudelbildung
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Berlin - Wohin der Besucher auch schaut - überall Rauschebärte und rote Mäntel. Mit "Ho-Ho-Ho"-Rufen und Glockengebimmel präsentieren sich die Aushilfskräfte der besonderen Art am Dienstag im Opernpalais der Öffentlichkeit. Anlass des Massenaufmarsches von Weihnachtsmännern und Engeln ist ihre jährliche Vollversammlung. Dieser Termin ist ein Muss für alle, die zu Weihnachten für die Jobvermittlung TUSMA tätig sein wollen.

Auf dem Meeting verkündeten die Hauptstadt-Hochschulen den rund 200 anwesenden Weihnachtsmännern und den Engeln die Richtlinien für einen familiengerechten Auftritt. Die Vollversammlung ist Pflicht für jeden Bewerber. Wer fernbleibt, der ist aus dem Kreis der Weihnachtsmänner für dieses Jahr ausgeschlossen. Voraus ging bereits ein Casting, bei dem die Bewerber auf Eignung und Sprachkenntnisse getestet wurden. Haben sie das überstanden, folgt die zweistündige Schulung, in der erfahrene Weihnachtsmänner ihre Tipps und Tricks für die Vorbereitung mit den Familien verraten.

Nur eine einzige Weihnachtsmannfrau

Uwe Gesch, seit einem Jahr der Oberweihnachtsmann, weiß, worauf es bei den Bewerbern ankommt. Ganz wichtig sei es, "einfach einen guten Draht zu Kindern zu haben". Daneben müsse die sprachliche Qualität des Deutschen stimmen. Denn die Kinder, die beschert werden, "erlernen die Sprache selbst noch", fügt der 36-jährige Student hinzu. Besondere Freude mache den Kindern ein Besucher mit Rauschebart, der Weihnachtslieder singe oder ein Instrument spiele. Oberstes Gebot sei natürlich die Lust am Weihnachtsmann-Sein.

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Nach gemeinsamen Gruppenfotos für die Medien kommt der wohl wichtigste Teil der Versammlung: die Kontrolle des weihnachtlichen Outfits. Dazu hat jeder Bewerber bei der Anmeldung einen so genannten "Kostümcheck-Zettel" bekommen. Auf diesem Laufzettel ist jede Etappe abgehakt - die Schulung, die Vollversammlung und der Kostüm-TÜV. Jeder wird vom Oberweihnachtsmann an der Tür streng kontrolliert. Wenn alles stimmt, dann gibt es - wie in einer korrekten deutschen Bürokratie - einen Stempel auf den Laufzettel. Eines weiß Gesch: "Filzmäntel oder geknitterte Kutten gehen nicht."

Die Weihnachtsmannfrau Mendi Natale, die einzige bei der TUSMA, kennt sich bestens mit den Regeln aus. Sie verrät, was zulässig ist: ein weißer Bart, Stiefel, schwarze Hose, ein rote Kutte und ein derber Jutesack für Männer. Dass klingelnde Handys im Gewand von Knecht Ruprecht beim Familienbesuch ebenso tabu sind wie Turnschuhe, Plastikmaske oder Jeans, versteht sich von selbst. Und: "Absolut verboten ist die Rute."

Jobangebot: "Es ist ganz, ganz mau"

Frauen müssen sich in ein weißes oder goldenes langes Kleid hüllen. Außerdem brauchen sie Flügel und ein wenig Glitzer. "Das optische Gesamtbild muss stimmig sein", erläutert die Vollblut-Weihnachtsfrau streng.

Wer mit seinem Kostüm auf Kritik stößt, der darf mit korrigiertem Outfit noch mal im Weihnachtsbüro vorsprechen. Dann fehlt nur noch der Tourenplan, den die Weihnachtsmänner am 18. Dezember erhalten. Dann steht einer "Frohen Weihnacht" nichts mehr im Weg.

Ansonsten ist für Studenten derzeit wenig zu holen: Die Arbeitsämter haben zur Weihnachtszeit kaum Jobs im Angebot. "Es ist ganz, ganz mau", sagte zum Beispiel Werner Marquis, Sprecher des Landesamtes in Nordrhein-Westfalen, "die Studenten müssen sich selber auf die Socken machen und Betriebe abklappern."

Wegen der wirtschaftlichen Lage der Unternehmen gebe es auch kaum Aussichten auf Teilzeitjobs. Meist bedienten sich die Firmen ihrer Stammaushilfen, oder das eigene Personal müsse ran. Wer in diesem Jahr leer ausgeht, sollte es 2004 auf jeden Fall frühzeitig versuchen: "Weihnachten kommt ja nicht überraschend", so Marquis.

Von Jeanette Tandel, ddp

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