Studentische Geschäftsidee Vom Straußenei zur Designer-Lampe

Mit selbstgebauten Leuchten aus Straußen-Eiern begeisterte ein Berliner Medizinstudent Freunde und Familie. In Eigenproduktion kreierte er 60 individuelle Designer-Stücke. Das große Geschäft blieb bisher jedoch aus - trotz Internet-Shop und Visitenkarten.

Von Christian Werner


Kreativer Eiermann: Moritz Peill-Meininghaus mit seinen Lampen-Modellen
Irene Portnoi

Kreativer Eiermann: Moritz Peill-Meininghaus mit seinen Lampen-Modellen

"La mère", "die Mutter" hieß die erste Lampen-Kreation. Moritz Peill-Meininghaus war 27 und Medizin-Student an der FU Berlin, als ihm die Idee mit den beleuchteten Straußeneiern kam. Der Anlass: Der 70. Geburtstag der Mutter. Vom Bruder eines befreundeten Arztes, der eine Straußenfarm besitzt, hatte er ein Straußenei bekommen. "Ich wollte unbedingt etwas mit dieser unheimlich schönen Form machen", erzählt Peill-Meininghaus. Der anstehende Geburtstag bot die Gelegenheit. "Mütter besitzen ja immer schon alles."

Glühbirne als Dotterersatz

Zuerst wollte der Student aus den Eierschalen Wasserhahn-Amaturen basteln. Doch ihm wurde schnell klar, dass diese zu unhandlich geraten würde. Schließlich kam ihm die Idee zu der Designerleuchte. Angestachelt durch den Erfolg auf dem Geburtstag fertigte er bald in Serienproduktion. Die Leuchten mit dem warmen Licht wurden innerhalb kurzer Zeit zu gefragten Geschenken für Freunde und Familie. Jeder wollte ein Ei mit Glühbirne als Dotterersatz. Peill-Meininghaus schuf daraufhin eine ganze Kollektion von Eierstrahlern, baute ein Zimmer zur Werkstatt um, ließ Visitenkarten drucken und eröffnete einen virtuellen Shop im Internet.

Staubige Straußeneier: Beim Fräsen trägt Peill-Meininghaus seine OP-Kluft
Irene Portnoi

Staubige Straußeneier: Beim Fräsen trägt Peill-Meininghaus seine OP-Kluft

1,5 bis 2,5 Millimeter messen die Wände von Straußeneiern. Bei der zeitintensiven Bearbeitung der Eier machten sogar seine Diamant- und Edelstahlbohrer schlapp, berichtet Peill-Meininghaus. Allein für den ersten Arbeitsschritt, das Entfernen der Inneneihaut, brauche er pro Ei etwa drei Stunden.

Wenn der Mediziner Peill-Meininghaus die Eier behandelt, sieht er aus wie im OP-Saal. Mundschutz, Haube und OP-Kittel sind als Schutzkleidung auch beim geruchsstarken und extrem staubigen Aushöhlen der Eier nützlich.

"Die Lampe der drei Eier"

Die Rohstoffe für seine ökologischen Leuchten erhält er direkt aus Afrika oder vom Blumengroßmarkt in Berlin. Entgegen vieler Behauptungen sei der Vogel Strauß nicht vom Aussterben bedroht, erklärt Peill-Meininghaus. Seine Produktpalette wollte er zwischenzeitlich mit Leuchten aus blau-grün schimmernden Emu-Eiern erweitern. Doch die erhoffte Nachfrage blieb aus.

Eierlampen-Kreation: "La lumière des trois oeufs"
Irene Portnoi

Eierlampen-Kreation: "La lumière des trois oeufs"

Zwischen 149 und 400 Euro kosten die Hänge- oder Stehleuchten. Dabei sind sie eher von schlichter Eleganz. Denn der Mediziner verwendet lediglich Metall sowie einfache Kabel und lässt die Eier unbehandelt als Hänge- oder Stehleuchten erstrahlen. Ansehnliche Nutzgegenstände sollen sie sein. Trotzdem gibt er seinen Kreationen Namen wie "La lumière des trois oeufs", was ganz profan "Die Lampe der drei Eier" heißt.

Reich wurde Peill-Meininghaus mit den Eiern bisher jedoch nicht. Für das Studium war es nie mehr als eine kleine Finanzspritze und nebenbei ein lieb gewonnenes Hobby. Inzwischen hat seine Bastelwut ohnehin stark nachgelassen. Schließlich steht er als Anästhesist jeden Tag schon lange genug im OP-Saal.

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