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Job & Karriere

Top-Jobs in der Finanzbranche Banker gehen wieder auf Talentjagd

Die Krise ist vorüber: Weil Finanzkonzerne wieder Gewinne einfahren, können Uni-Absolventen auf Spitzenjobs hoffen. Vor allem Investmentbanken machen sich auf die Suche nach jungen Talenten. Gesucht sind BWLer, gern mit abseitigen Fächerkombinationen.

Mag sein, dass es Kommilitonen gab, denen das bisschen Weltwirtschaftskrise nur ein Achselzucken entlockte, Kaltblüter, die darauf vertrauten, dass alles wieder gut sein würde, wenn sie mit dem Studium fertig wären. Aber Dennis Mahoutchian, damals 24 Jahre alt, beschlich ein seltsames Gefühl, als er die Szenen im Fernsehen sah: der Times Square in New York, ein Büroturm, über dessen Glitzerfassade der Schriftzug "Lehman Brothers" läuft, gläserne Türen schwingen auf, Menschen schleppen eilig Kartons heraus.

Es waren entlassene Mitarbeiter der Investmentbank, die persönliche Besitztümer aus ihren Büros trugen. Lehman Brothers war über Nacht pleitegegangen. Und Dennis Mahoutchian machte sich zum ersten Mal Sorgen um seine Zukunft.

Bis zu diesem verhängnisvollen September 2008 hatte sich der Frankfurter BWL-Student auf ein Arbeitsleben in einer Boombranche vorbereitet. Nun wurde "das ganze System in Frage gestellt", wie er sich erinnert. Geldhäuser rund um den Globus krachten zusammen. Massen von Finanzfachleuten standen auf der Straße.

Mit Bachelor-Abschluss direkt in den Banker-Job

Doch der Berufseinstieg klappte "nahtlos", erzählt Mahoutchian. Seit einigen Monaten ist er ausgerechnet im totgesagten Investmentbanking tätig. Er hörte auf den Lockruf einer großen deutschen Bank, bei der er schon als Student gearbeitet hatte; sie stellte ihn ein, direkt nach dem Bachelor-Abschluss.

Ähnlich reibungslos erleben viele seiner ehemaligen Kommilitonen den Start in den Job. Viele Finanzunternehmen haben die schlimmsten Zeiten überstanden - und halten prompt nach Nachwuchskräften Ausschau, die beim neuen Gipfelsturm helfen sollen. Die HypoVereinsbank rekrutiert dieses Jahr rund 200 Uni-Abgänger, die Commerzbank heuert 180 Trainees an, um sie fürs Bankerleben fit zu machen. Die exklusive Hamburger Berenberg-Bank hat sogar ein neues Programm speziell für Investmentbanker aufgelegt. Und bei der Deutschen Bank kommen allein in Deutschland 200 Absolventen unter.

Auch bei Versicherungen oder im Private-Equity-Bereich sei "viel in Bewegung geraten", sagt Andreas Jäger, Partner beim Personaldienstleister Korn/Ferry. "Der Kampf um die besten Talente hat wieder begonnen", bestätigt Georg Albes, Direktor von Robert Half - die Headhunter haben offenbar alle Händevoll zu tun. In einer Umfrage, die Robert Half im Oktober durchführen ließ, erklärte jedes fünfte Unternehmen, in den kommenden sechs Monaten Finanzfachleute einstellen zu wollen. Noch vor einem Jahr war dazu nur jede zehnte Firma bereit.

Wo viele Monate lang allenfalls Spezialkräfte zur Entschärfung hochexplosiver Finanzprodukte Chancen auf dem Jobmarkt hatten, wird mittlerweile wieder Nachwuchs für Controlling, den Analysebereich oder den Verkauf rekrutiert.

Neuer Trend: BWL-Studium, gewürzt mit Philosophien und Politik

Die Anforderungen an Bewerber sind freilich hoch. Praktika und Auslandserfahrung werden vorausgesetzt. "Englisch ist keine Fremdsprache mehr", sagt Karin Reuschenbach-Coutinho, Leiterin des Career Centres der Frankfurt School of Finance & Management. Doch wer einen guten Lebenslauf hat, muss sich kaum Sorgen machen. Kürzlich sahen sich die Organisatoren der Hochschule sogar gezwungen, einigen Firmen abzusagen, die sich bei einer "In-House-Messe" den Studenten vorstellen wollten. "Aus Platzgründen", sagt Reuschenbach-Coutinho.

Mitunter wispert man in der Branche sogar schon wieder von Traumkarrieren, die den neuen Lehman-Youngsters noch vor dem 30. Geburtstag ein Jahresgehalt von mehr als 200.000 Euro bescheren. Generell aber gilt, dass "bei den Gehältern die Party vorbei ist", wie es ein Headhunter formuliert. Bei der Deutschen Bank etwa werden 45.000 Euro bis 65.000 Euro als Einstiegsgehalt für Akademiker genannt.

Auch darüber hinaus hat sich etwas verändert: "Es sind jetzt Leute gefragt, die einen weiteren Horizont haben", sagt Reuschenbach-Coutinho. Bestes Beispiel für diesen Anflug neuer Nachdenklichkeit: der Erfolg eines Bachelor-Studiengangs, in dem die Studenten neben BWL auch Philosophie und Politikwissenschaften beigebracht bekommen - für die Finanzkaderschmiede eine ziemlich exotische Mischung. Vor vier Jahren wurde er eingeführt, nun reißen sich die Unternehmen um die Absolventen, berichtet Reuschenbach-Coutinho.

Auch Jung-Banker Mahoutchian brachte nicht allein eine gute Abschlussnote mit ins Berufsleben. Er habe sich auch stark an der Uni engagiert, sagt er. So sammelte er für eine interne Wirtschaftstagung mehr als 130.000 Euro Sponsorengelder ein.

Er klingt selbstbewusst. Und sagt selbst, dass er sich in den vergangenen Monaten entspannt habe. Der rasche Jobeinstieg, die verbesserten Aussichten in der gesamten Branche, "das gibt einem alles wieder mehr Sicherheit". An die Bilder von damals, als Lehman pleiteging, denkt er nur noch selten.

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