Uni-Ranking Die Darlings der Chefs

Abermals haben Deutschlands Personalchefs die schönsten und begehrenswertesten Universitäten auserwählt. Auf den Spitzenplätzen der Rangliste eines Wirtschaftsmagazins tummeln sich die üblichen Verdächtigen - denn ein guter Ruf ruiniert sich nicht so schnell.

Von


Personalchefs haben es manchmal deutlich leichter als Bildungspolitiker. Die müssen in einem bislang undurchsichtigen, aber sicher aufwändigen Schaulaufen die deutschen Super-Unis küren. Den Personalern dagegen flattert ein einfacher Fragebogen auf den Tisch: Welche Universität genießt aus Ihrer Sicht derzeit den besten Ruf? Welche zeichnet sich durch den stärksten Praxisbezug aus? Von welcher Uni haben Sie in den vergangenen zwei Jahren die meisten Absolventen eingestellt?

Verschickt hat den obligatorischen Wahlzettel diesmal die Wirtschaftszeitschrift "Capital". Und die Personalchefs von Deutschlands 250 größten Unternehmen krempelten die Ärmel hoch, schraubten ihre Edelfüller auf und gaben Antworten - die üblichen. Im Ranking der "wirtschaftsrelevanten" Studiengänge, das sind nach Vorstellungen der "Capital"-Redaktion sieben Fächer, finden sich vornehmlich bekannte Namen auf dem Treppchen.

Mannheim rules, Aachen schlägt Funken

So behauptet bei den Betriebs- und den Volkswirten die Universität Mannheim ihre Spitzenposition. Sie landete in der Kategorie "Bester Ruf" ebenso auf Platz eins wie beim Kriterium "Stärkster Praxisbezug". Einen Platz in der Ruhmesgalerie eroberten auch Köln und Münster bei den Betriebswirten sowie Köln und die LMU München bei den Volkswirten. Im Fach Jura stieß in der Kategorie "Praxisbezug" erstmals Passau von Platz sechs auf Platz eins vor und zeigte Vorjahressieger Heidelberg ebenso wie Münster die Rücklichter. Allerdings hat Heidelberg nach wie vor den besten Ruf, gefolgt von Münster und der LMU München.

Uni Heidelberg: Bastion der Juristen
DDP

Uni Heidelberg: Bastion der Juristen

Bei den Maschinenbauern und den Elektrotechnikern schlägt traditionell die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) in Aachen die meisten Funken, beide Male vor Karlsruhe und Darmstadt. Dafür hat bei den Wirtschaftsingenieuren und -informatikern die Technische Hochschule Karlsruhe die Nase vorn, gefolgt von Darmstadt und der TU Berlin beziehungsweise Darmstadt und Mannheim.

Insgesamt genießen die staatlichen Hochschulen bei potenziellen Arbeitgebern einen erstaunlich guten Ruf. Nur jeder dritte Personalchef meint, Absolventen privater Business Schools seien besser ausgebildet als ihre Konkurrenten von staatlichen Unis. Und Chef werde man auch nicht durch investiertes Geld allein: Die Frage, ob das häufig sehr teure Studium an einer Privatuniversität besser auf Führungsaufgaben vorbereite, beantworten 70 Prozent mit "Nein".

Die Großuni stählt fürs Leben

Übervolle Hörsäle, schlecht ausgestattete Bibliotheken und blätternder Putz an den Wänden sind also doch zu etwas gut, meinen die Personalchefs: Sich an einer Mammut-Universität durchboxen zu müssen, stähle fürs Berufsleben.

Studenten in Oestrich-Winkel: Rechnen sich gute Chancen aus
GMS

Studenten in Oestrich-Winkel: Rechnen sich gute Chancen aus

Offenbar lässt sich ein guter Ruf auch nicht so schnell wieder ruinieren. Seit Jahren tummeln sich in Personaler-Rankings stets die gleichen Namen in bestimmten Fächern an der Spitze. Und allein das Image zählt - harte Faktoren wie die Absolventen- und Doktorandenquote, die Zahl der wissenschaftlichen Veröffentlichungen und der eingeworbenen Drittmittel spielen keine Rolle. Auch die Vorprägung durch den eigenen Werdegang wird nicht herausgerechnet: Schließlich sind die erfolgreichen Einsteiger aus Unis mit "gutem Ruf" die Personalchefs von morgen.

Zu einem etwas anderen Ergebnis kommt der "Hochschulanzeiger" der FAZ, der ebenfalls gewählt hat. Die klugen Köpfe aus Frankfurt haben sich aller 21 privaten Hochschulen mit grundständigen wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen angenommen. Die Tester machten dabei nach eigenem Dafürhalten fast alles anders, "als es bei den übrigen Rankings bisher gemacht wurde." Ihre vermeintlich revolutionäre Idee: "Wir haben uns direkt an die Absolventen gewandt und sie gefragt, wie ihr Studium sie auf der beruflichen Karriereleiter bisher wie schnell und wie weit hat kommen lassen."

Arbeitslosigkeit in "homöopathischen Hochzahlen"

Nicht eben überraschend lassen sie ihren eigenen Status in hellem Licht erstrahlen: Das Gehaltsniveau bei Berufseinsteigern von privaten Hochschulen ist hoch, beispielsweise bei Absolventen der European Business School Oestrich-Winkel (EBS), der WHU Koblenz-Vallendar oder der Handelshochschule Leipzig.

Die Ausbildungsqualität privater Hochschulen reiche in den allermeisten Fällen für einen "problemlosen Berufseinstieg" ihrer Absolventen, schreibt der "Hochschulanzeiger". "Und einen Jobverlust, inzwischen auch unter BWLern ein Thema, müssen sie allenfalls in der Menge homöopathischer Hochzahlen befürchten."

Alle Klarheiten durch die neuen Rankings restlos beseitigt? Ein Ergebnis aus dem "Capital"-Ranking ist immerhin für alle, ob privat oder öffentlich, beruhigend: 87 Prozent der Unternehmen werden in diesem Jahr Hochschulabsolventen einstellen, zehn Prozent lassen das noch offen. Und lediglich drei Prozent werden auch 2004 brutalstmöglich auf die Einstellungsbremse treten.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.