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Plagiatsaffäre Von der Leyen darf Doktortitel behalten

Die Medizinische Hochschule Hannover hat entschieden: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen muss ihren Doktortitel nicht abgeben.
Ursula von der Leyen

Ursula von der Leyen

Foto: Michael Sohn/ AP

Die Entscheidung fiel am späten Mittwochnachmittag: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen behält ihren Doktortitel. Das teilte der Senat der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) nach Prüfung der Plagiatsvorwürfe mit.

Die Prüfung erfolgte "sorgfältig, objektiv, ergebnisoffen und ohne Ansehen der Person", teilte die Hochschule mit. Es seien zwar einige Plagiate festgestellt worden, sagte MHH-Präsident Christopher Baum. Aber: "Es gibt keine Anhaltspunkte für eine bewusste Täuschung. Es geht um Fehler, nicht um Fehlverhalten." Die Entscheidung im Senat sei 7:1 zugunsten von der Leyens ausgefallen.

Von der Leyen hält sich derzeit in den USA auf, zum Zeitpunkt der Pressekonferenz in Hannover saß sie im Flieger von Washington nach San Francisco. Nach der Entscheidung verschickte sie lediglich folgendes Statement: "Teile meiner damaligen Arbeit entsprechen nicht den Maßstäben, die ich an mich selber stelle. Ich bin froh, dass die Universität nach eingehender Prüfung zum Schluss gekommen ist, dass meine Experimente für die medizinische Forschung relevant waren und die Arbeit insgesamt die wissenschaftlichen Anforderungen erfüllt."

Video: Bekanntgabe der Entscheidung

Plagiatsjäger von Vroniplag Wiki hatten von der Leyen schwere Regelverstöße vorgeworfen. Sie soll demnach auf 27 Seiten ihrer 62 Seiten langen Dissertation plagiiert oder unsauber zitiert haben. Von der Leyen stritt die Vorwürfe ab und bat im August 2015 ihre frühere Hochschule, die Medizinische Hochschule Hannover, um eine Überprüfung der Arbeit.

Eine Kommission der MHH hat die Doktorarbeit von der Leyens ein halbes Jahr geprüft. Auf Grundlage des Abschlussberichts hat der Senat der Hochschule nun entschieden.

Die Prüfer

Am Morgen war die Ministerin aus dem Hyatt-Hotel in der US-Hauptstadt vorbei an den wartenden Kameras geeilt. "Ein scheues Lächeln und ein 'Auf Wiedersehen' - mehr nicht. Zu den Vorwürfen und dem anstehenden Urteil wollte die Ministerin keine Stellung nehmen", berichtete SPIEGEL-Reporter Gordon Repinski aus Washington.

Am Mittwochabend soll Ursula von der Leyen eine Rede an der Universität Stanford halten, wo sie in den Neunzigerjahren als Gasthörerin Veranstaltungen besuchte. Damals hatte von der Leyen gerade ihren Doktortitel erlangt.

Ihre Dissertation mit dem Titel "C-reaktives Protein als diagnostischer Parameter zur Erfassung eines Amnioninfektionssyndroms bei vorzeitigem Blasensprung und therapeutischem Entspannungsbad in der Geburtsvorbereitung" hatte von der Leyen 1990 eingereicht. Im Jahr darauf wurde sie promoviert.

In der Vergangenheit sahen sich mehrere Politiker mit Plagiatsaffären konfrontiert. So trat beispielsweise der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) 2011 kurz nach Entzug seines Doktortitels zurück.

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Strittige Promotionen: Von Guttenberg bis von der Leyen

Foto: Tobias Kleinschmidt/ dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich unmittelbar vor der Entscheidung hinter ihre Verteidigungsministerin gestellt. Auf die Frage, ob von der Leyen auch ohne den akademischen Grad noch das Vertrauen der Kanzlerin habe, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert: "Selbstverständlich. Die Ministerin ist eine hervorragende Verteidigungsministerin, was man gerade in diesen Tagen wieder beim Zustandekommen der Nato-Aktivitäten in der Ägäis gesehen hat."

DER SPIEGEL
lgr/dpa