USA Gaststudenten bei McDonald's abgekocht

Sie wollten in den Ferien viel Geld in den USA verdienen, aber daraus wurde nichts: Studenten aus Polen und der Slowakei haben empört ihre Jobs bei McDonald's gekündigt. Wegen enormer Abzüge hatten die Klopsbrater manchen Jobbern exakt null Dollar ausgezahlt.


Fast food, slow payment: Der Lohn reichte nicht mal für einen Doppelklops
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In diesem Sommer arbeiteten Peter Kasprzyk und einige andere Studenten aus Polen und der Slowakei bei McDonald's in Maryland. Gelockt habe man sie mit dem Versprechen, sie könnten viel Geld verdienen, "mehr Geld, als ihr euch vorstellen könnt". Also ran an die Buletten: Acht Dollar Stundenlohn sollten sie fürs Klopswenden erhalten. Aber vom ersten Verdienst konnte Kasprzyk, 22, sich nicht einmal das Ein-Dollar-Menü leisten - auf dem Gehaltsscheck prangte eine Null.

Das berichtete die Zeitung "Baltimore Sun" über die ernüchternden Erfahrungen osteuropäischer Studenten. Aus Peter Kasprzyks kleinem amerikanischem Traum wurde nichts: Gemeinsam mit vier anderen Studenten teilte er sich eine Zwei-Zimmer-Wohnung. Dafür mussten sie satte 2000 Dollar pro Monat zahlen - normalerweise kostet das Appartement lediglich 750 Dollar. Die Studenten erzählten, dass sie die versprochenen Jobs verloren hätten, wenn sie die Wohnung nicht akzeptiert hätten.

Gastfreundschaft sieht anders aus

McDonald's: Heftige Vorwürfe ausländischer Aushilfen
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Aber das war laut "Baltimore Sun" noch nicht alles: Den Studenten wurde auch eine Kaution von 200 Dollar berechnet, weitere Abzüge gab es für die Sozial- und Krankenversicherung - obwohl die Studenten davon eigentlich befreit waren, weil sie über ein offizielles Arbeitsprogramm eingereist waren.

Ende Juli hatte Peter Kasprzyk genug: "Die haben uns übers Ohr gehauen", schimpfte er, kündigte und riskierte damit die Kaution für die Wohnung, deren Vermieter nach Informationen der Zeitung McDonald's war. Die Büroleiterin des Regionalbüros in Baltimore hat demnach dieses Jahr rund 400 ausländische Studenten für Ferienjobs in den McDonald's-Filialen in Maryland, Virginia und Columbia angeheuert. "Sie kannten doch die Bedingungen", konterte sie, "niemand hat ihnen den Stift geführt, niemand hat sie zu irgendetwas gezwungen."

Lohn = Abzüge: Thanks for nothing

Die Studenten schilderten das etwas anders: Sie seien zu einer schnellen Unterschrift unter den Vertrag in englischer Sprache gedrängt worden, hätten 500 Dollar für die Teilnahme am Programm sowie weitere 1000 Dollar für die Flugtickets zahlen müssen. Bei wenig Betrieb im Schnellrestaurant seien sie nach Hause geschickt worden und hätten gar nichts verdient. Laut "Baltimore Sun" bekam Peter Kasprzyk im ersten Abrechnungszeitraum 137,76 Dollar - und die Abzüge betrugen exakt 137,76 Dollar. Wie der Zufall so spielt.

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Inzwischen beschäftigt sich auch das US-Außenministerium mit den Vorwürfen von fünf Studenten gegen die Restaurantkette. In einem Brief an eine US-Senatorin hält ein Mitarbeiter des Ministeriums die Beschwerden nach den Vorermittlungen für "gut begründet".

Die Aushilfskräfte bei McDonald's, die inzwischen zum Teil andere Jobs gefunden haben, zählen zu den allein rund 6400 polnischen Studenten, die über das Council on International Educational Exchange (CIEE) einreisten - eine von mehreren Organisationen, die mit staatlicher Genehmigung Arbeitsvisa für die USA ausstellen dürfen. Mit diesen Visa können ausländische Studenten bis zu vier Monaten in den USA arbeiten und einen weiteren Monat reisen. Laut "Baltimore Sun" verhandelt das CIEE inzwischen mit McDonald's, damit die Studenten wenigstens die Wohnungskaution erstattet bekommen.




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