Urteil Vater muss auch für zweite Ausbildung seiner Tochter zahlen

Seine Tochter sei mit 24 Jahren zu alt für eine Ausbildung, fand ein Vater - und weigerte sich, Unterhalt zu zahlen. Ein Gericht entschied jetzt: Eltern müssen ihre Kinder finanziell unterstützen, auch wenn diese eine erste Ausbildung abgebrochen haben.


Auch wenn ein junger Mensch seine erste Ausbildung abbricht, müssen die Eltern ihrem volljährigen Kind Unterhalt für eine zweite Ausbildung zahlen. Das hat am Donnerstag das Oberlandesgericht Celle entschieden und damit eine vorherige Entscheidung des Amtsgerichts Hannover bestätigt. Eine Phase der Orientierung sei einem Kind nach Abbruch einer Ausbildung zuzugestehen, erklärte ein Sprecher des Amtsgerichts.

In dem Fall hatte das Amtsgericht einen Mann verurteilt, monatlich 558 Euro an seine Tochter zu zahlen, die eine Ausbildung zur Sozialassistentin macht. Der Vater hatte argumentiert, die 24-Jährige sei zu alt für eine Ausbildung und habe die erste grundlos geschmissen.

Die Tochter, Sonja B., wurde 1989 geboren, die Ehe der Eltern wurde Anfang der neunziger Jahre geschieden. Sonja B. machte 2006 einen Abschluss an der höheren Handelsschule und begann eine Ausbildung zur Bürokauffrau. Diese beendete sie nach eigenen Angaben wegen Mobbings im März 2007.

Im Juni 2008 wurde sie schwanger, das Kind wurde Anfang 2009 geboren, vom Vater des Kindes trennte sie sich 2010. Zwischenzeitlich besuchte sie eine Weiterbildungsmaßnahme zur beruflichen Orientierung. Im September 2012 begann Sonja B. nun ihre Ausbildung zur Sozialassistentin mit dem Ziel, Erzieherin zu werden. Das erste Zwischenzeugnis wies einen Notendurchschnitt von 1,6 aus, die Ausbildung läuft noch immer.

Dem Vater kann laut Gericht der Unterhalt zugemutet werden

Ihr Vater ist beruflich in leitender Funktion tätig und hat ein anrechenbares Einkommen von 4780 Euro, weitere Unterhaltsverpflichtungen bestehen für ihn nicht. Der Vater will jedoch seine Tochter nicht länger finanziell unterstützen. Er ist der Meinung, sie sei zu alt für eine Ausbildung. Sie habe ihre erste Ausbildung grundlos abgebrochen, und sich nicht ausreichend um eine weitere gekümmert. Außerdem könne sie die Ausbildung berufsbegleitend absolvieren.

Das Gericht vertritt jedoch die Meinung, eine einzige Ausbildung abzubrechen stelle kein so schweres Fehlverhalten dar, dass der Anspruch auf Unterstützung entfallen könnte. Eltern schulden ihren Kindern demnach Unterhalt für eine begabungsangemessene Ausbildung. Auch dass die junge Frau ein Baby bekam und das Kind drei Jahre zu Hause betreute, sei keine Pflichtverletzung gegenüber dem zahlenden Vater. Dem wirtschaftlich gut dastehenden Elternteil könne der Unterhalt zugemutet werden. (Geschäftszeichen 610 F 5057/12)

Erst kürzlich hatte der Bundesgerichtshof in einem Grundsatzurteil zum Unterhalt einer jungen Frau recht gegeben, die ihren Vater verklagt hatte. Er hatte sich geweigert, ihre Ausbildung zu bezahlen, weil sich die Tochter aus seiner Sicht bei der Entscheidungsfindung zu lange Zeit gelassen hatte.

Bis zu drei Jahre Auszeit sind vertretbar, befanden die Bundesrichter, und auch nach diesem Zeitraum könnten die Eltern noch dazu verpflichtet sein, ihren Kindern die Ausbildung zu finanzieren, hieß es in dem Grundsatzurteil (Aktenzeichen: Az. XII ZR 220/12). Damit können sich junge Menschen künftig mehr Zeit für die Suche nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz lassen.

lgr/dpa

insgesamt 50 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spon_2318831 10.10.2013
1. noch ein Grund,
in diesem Land keine Kinder mehr in die Welt zu setzen. Rotzfrech, unerzogen und großer Mund um es höflich auszudrücken und das startet mit dem ersten Besuch eines Kindergartens und wird niemals besser. Riesen finanzieller Aufwand, in der darauffolgenden Zeit und wenn der Filius dann auch noch frech gegenüber seiner Familie wird z. B. vornehmlich in der Pubertät, ist die angebotene pädagogische Lösung nur noch zum wiehern. Das ist Realität bei der Kindererziehung. Wer sich Dass noch antut hat schon verloren und darf nun auch noch bis zu 100 sten Lebensjahr bezahlen.Na denn, wers braucht......
mabo08 10.10.2013
2. Unfassbar!
Was für ein weltfremdes Urteil! Bis die Kleine endlich ne angemessene Ausbildung abgeschlossen hat, wird Papi wohl schon die Ausbildung des Enkelkindes mitfinanziert haben. Egal ob Papi viel oder wenig verdient, die olle Tranfunzel soll mal selber ackern gehen!
meinmein 10.10.2013
3. Vasektomie oder
nur noch mit Kondom. Und nach Gebrauch mitnehmen!
nervenzusammenbruch 10.10.2013
4. unfassbar
wenn ihre kinder rotzfrech und unerzogen sind dann sind sie zuallererst eonmal selber schuld. und das sie für ein kind das sie in die welt setzen die, auch finanzielle verantwortung tragen ist ja wohl eine selbstverstandlichkeit. es ist unmöglich hier so zu tuen als wäre die verantwortung gegenüber dem eigenen kind eine unzumutbare belastung. im gegenteil das man den nicht gerade schlecht verdienenden Vater zu so etwas verklagen muss ost meiner meinung nach ein armutszeuginis und beweist eine unfassbare egomanie des erzeugers. das wort vater wäre hier wohl deplaziert
deus-Lo-vult 10.10.2013
5.
Jetzt unterstützen schon die Gerichte die Faulheit mancher Jugendlicher.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.