Von Beruf Geheimdienstler BAT statt Aston Martin

Wer mit einer Stelle beim Bundesnachrichtendienst liebäugelt, muss sich trennen von der Hoffnung auf flotte Dienstwagen und heiße Nächte mit kühlen Agentinnen. Die Behörde will weg vom Schlapphut-Image und ist ein normaler Arbeitgeber - aber mit gewissen Eigenheiten, "Fanshop" und zarten Anflügen von Selbstironie.


Jobs für Jungagenten: Aus diesem Dienstwagen wird nichts...
AFP

Jobs für Jungagenten: Aus diesem Dienstwagen wird nichts...

Es gibt Berufe, da sind die Klischees aufregender als die Realität: Ein Kriminalkommissar muss in der Öffentlichkeit immer betonen, dass seine Arbeit nichts mit der Schimanski-Welt zu tun hat. Zeitungsjournalisten sind in der Regel alles andere als "rasende Reporter".

Wer wiederum beim Bundesnachrichtendienst beschäftigt ist, der führt eher kein Leben als unwiderstehlicher James Bond, der tagsüber im Aston Martin umherbraust und sich nachts mit Halle Berry auf seidenen Laken räkelt.

Das mag man bedauern, ist aber nicht zu ändern - auch wenn Thomas Franken sagt, dass der Bundesnachrichtendienst "ein besonderer Arbeitgeber ist". Franken ist beim BND zuständig für Personalgewinnung, versprüht keineswegs das Geheimnisvolle eines Undercover-Agenten, betont aber wenigstens, dass seine Behörde "eine herausragende Aufgabe hat".

Perestroika beim geheimnisvollen Geheimdienst

Was das heißt, kann man auf der Internetseite des BND nachlesen: "Das Endprodukt der ergebnisorientierten Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Abteilungen des Dienstes ist die nachrichtendienstliche Berichterstattung. Empfänger dieser spezifischen Form der Information ist die Bundesregierung. Die Aufklärungsschwerpunkte werden dem Bundesnachrichtendienst von der Bundesregierung vorgegeben." Der BND betreibt Auslandsaufklärung und analysiert, wie die politische und wirtschaftliche Situation in fremden Staaten ist. Landläufig wird diese Arbeit Spionage genannt.

...und auch diese Kollegin können Bewerber sich aus dem Kopf schlagen
DDP

...und auch diese Kollegin können Bewerber sich aus dem Kopf schlagen

6000 Menschen arbeiten beim BND, der seinen festungsähnlichen Dienstsitz in Pullach bei München hat, aber bis zum Jahr 2008 nach Berlin-Zehlendorf umgezogen sein soll. Früher galt der BND in der Öffentlichkeit als unbekannte Größe. Nicht einmal ein Schild war befestigt am Eingangstor in Pullach. Informationen gab es nie, Gerüchte wurden weder dementiert noch bestätigt: geheimnisvoller Geheimdienst.

Seit gut drei Jahren ist vieles anders geworden, nicht nur wegen des Türschilds. Im Internet verfügt der BND über eine dezent gestaltete Homepage, die auch Auskunft über Jobangebote bietet - und bei den FAQs Antworten auf seltsame Fragen wie "Darf ich Ihre Zentrale besichtigen?" (nein) oder "Wie erhalte ich ein Autogramm des Präsidenten?". Die Antwort liest sich hübsch: "Der derzeitige Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Dr. August Hanning, möchte die Verteilung von Autogrammen den Personen der Zeitgeschichte überlassen. Hierfür bitten wir um Ihr Verständnis."

Jetzt auch mit Türschild, Kochbuch, Agenten-Unterhose

Ob das schon ein Indiz für Humor ist, ist ungewiss. Zuzutrauen wäre es den Nachrichtendienstlern durchaus: Sogar ein Kochbuch mit dem Titel "Top(f) secret - Die Geheimrezepte des BND" kann man inzwischen bestellen.

Mag keine Autogramme geben: BND-Chef Hanning
DPA

Mag keine Autogramme geben: BND-Chef Hanning

Und für diesen Winter ist in Berlin die Eröffnung eines Besucherzentrums mit Fan-Shop in Berlin geplant, wo man dann Unterhosen, Schals und T-Shirts kaufen kann, auf denen steht: "Spezialagent im Einsatz". Als der BND 1956, mitten im Kalten Krieg, eingerichtet wurde, wäre so etwas undenkbar gewesen. "Wir möchten als normaler Arbeitgeber wahrgenommen werden", sagt heute Thomas Franken.

Und deswegen präsentiert er den BND auf Absolventenmessen wie der Akademika in Nürnberg, wo der Geheimdienst einer der wenigen Aussteller ist, der tatsächlich Jobs anzubieten hatte und nicht nur aus Imagegründen Kugelschreiber und Plätzchen verteilt. "Wir suchen Leute", sagt Franken und nennt drei Gründe dafür: Ersatz für Ruheständler, den internationalen Terrorismus, spätestens seit dem 11. September 2001, sowie den Umzug von Pullach nach Berlin.

Keine Spur von Spionage-Romantik

Wer wird gesucht? Informatiker, Elektrotechniker, Nachrichtentechniker, Juristen, Volkswirtschaftler sowie zwei Luft- und Raumfahrttechniker. "Aber wir benötigen auch Mitarbeiter aus dem nichtakademischen Bereich", betont Franken. In Zeiten der Krisen braucht es offenbar viele Hände, um die Krisen zu bekämpfen.

Fanshop des BND: Unterhose "Verschlusssache"...
DDP

Fanshop des BND: Unterhose "Verschlusssache"...

Wer beim BND arbeitet, der wird nicht auf der Straße oder in Cafés angeworben, der bewirbt sich. Zumindest haben das wohl die meisten getan.

Thomas Franken bemüht sich intensiv, jeden Gedanken von Spionage-Romantik zu zerstreuen und ein BND-Bild zu liefern, das in erster Linie einer normalen Behörde entsprechen soll und nicht dem Hort für wilde Abenteurer. Allerdings: "Wir suchen Leute mit Leidenschaft." Wer sich gezielt nach dem Berufsbild Agent oder Spion erkundigt, der bekommt ausweichende Antworten sowie Verweise auf die Möglichkeiten der Laufbahnen im mittleren und gehobenen Dienst.

Mit Fremdsprachen punkten

Wenn man beim BND arbeiten möchte, gibt es aber einiges zu beachten. Die Vergünstigungen einer Behörde als Arbeitgeber stehen auf der einen Seite: Der Job ist wahrlich krisensicher, man wird irgendwann Beamter, die Bezahlung erfolgt nach der Berechenbarkeit des Bundesangestellten-Tarifs (BAT). Und Neu-Münchner bekommen Hilfe bei der Wohnungssuche durch die Wohnungsfürsorge des Bundes.

...und weitere Werbeartikel wie Gläser, Parfum, Hemden
DPA

...und weitere Werbeartikel wie Gläser, Parfum, Hemden

Die Qualifikationen für die Jobs sind schon etwas anders: "Sprachkompetenz ist bei uns das A und O", sagt Thomas Franken. Für die akademischen Jobs werden ausgezeichnete Kenntnisse in zwei Fremdsprachen vorausgesetzt, für die Techniker reichen aber sehr gute Englisch-Kenntnisse. Auslandserfahrung ist die zweite Mindestanforderung an die Bewerber - erst recht, wenn sie sich für eine Stelle für die Regional-Analyse bewerben, bei der die Krisenanfälligkeit eines Landes oder einer Region untersucht werden soll.

Aber da ist noch mehr: Wer bei einem Geheimdienst arbeitet, muss sich auf besondere Einschränkungen seiner persönlichen Möglichkeiten einstellen. Dazu gehört zum Beispiel eine intensive Sicherheitsüberprüfung vor der Einstellung. Der Einzelne wird auf seine staatsbürgerliche Integrität geprüft, Vertreter politisch extremer Richtungen werden spätestens hier scheitern.

Irak als Urlaubsziel besser streichen

"Wir suchen verlässliche Mitarbeiter, denn diese haben dann später Zugang zu sehr sensiblen Daten", formuliert es Franken. Mit der Überprüfung dieser speziellen Zuverlässigkeit hat er dann freilich nichts mehr zu tun, denn "Sicherheitsbereich und Personalbereich sind voneinander getrennt."

BND-Zentrale in Pullach: Festungsähnlicher Dienstsitz
DPA

BND-Zentrale in Pullach: Festungsähnlicher Dienstsitz

Aus Sicherheitsgründen sind auch Online-Bewerbungen unerwünscht, "wir bestehen auf Old School", betont Franken. Wer eine Stelle beim BND bekommen hat, der muss auch damit leben, dass er nicht mehr in jedes Land dieser Erde reisen darf. Als Geheimdienstmitarbeiter ist man eben auch für andere Geheimdienste eine interessante Person.

Früher war der Ostblock tabu, heute sollte der Irak aus der Urlaubsplanung für künftige BND-Mitarbeiter gestrichen werden. Es dürfte aber nicht viele Menschen geben, die das wirklich bedauern. Zumal Halle Berry ja in Amerika wohnt.

Von Steffen Gerth, Jobpilot.de



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.